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Konzertkritik

Sphärische

Raum- und

Klangerfahrungen



Supersonus – The European Resonance Ensemble eröffnen die Romanische Nacht | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



Der opulente Bildband Die großen romanischen Kirchen in Köln (Jürgen Kaiser/ Florian Monheim, Greven Verlag, 2013) faszinierte jüngst mit Bildern und ungewöhnlichen Geschichten zu den zwölf großen romanischen Kirchen in Köln, die zu den bedeutendsten Sakralbauten Deutschlands gezählt werden. Seit 1988 widmet sich auch ein jährliches Festival den Kirchen, der „Romanische Sommer“. Am letzten Freitag fand das diesjährige Festival mit der „Romanischen Nacht“ seinen Höhepunkt.

*

In Kölns größter romanischer Basilika, St. Maria im Kapitol, wurde von 20 Uhr an bis tief in die Nacht musikalischer Facettenreichtum geboten. Allen Stücken gemein war der Bezug auf das Thema des diesjährigen Festivals, das schlicht „Glück“ heißt. Im Wechselspiel von Licht und Schatten wurde die imposante Architektur der Kirchenräume in warmen Farben beleuchtet. Auch die Kompositionen wurden in rätselhaften Klangfarben von prominenten Künstlern wie Fragmente oder Bruchstücke interpretiert. Unter dem Titel Sphärenklänge: Die Suche nach der Harmonie eröffnete gegen 20 Uhr das vierköpfige Ensemble Supersonus mit Obertonschwingungen auf Instrumenten wie einer Nyckelharpa (Marco Ambrosini) und Obertongesang (Anna-Maria Hefele) den Abend. Neben selbstkomponierten Werken des Ensembles sang Hefele unter anderem auch „O Antiqua Sancti“ aus dem liturgischen Drama Ordo Virtutum (Spiel der Kräfte) der Mystikerin Hildegard von Bingen mit polyphonem Obertongesang. Melodien überlagerten sich spannungsreich und entwickelten eine hypnotische Rhythmik. Bereichert wurde die Instrumentierung auch durch ein Cembalo (Eva-Maria Rusche) und Maultrommeln (u.a. Wolf Janscha).

Vier Kantaten von Johann Sebastian Bach spielten dann ab 21 Uhr Solisten aller vier Tonlagen, der Kölner Kammerchor und das Collegium Cartusianum unter der Leitung von Peter Neumann, der 2015 die Leipziger Bach-Medaille erhielt. Die Kantaten Gott, man lobet dich in der Stille / Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben / Wachet! betet! betet! wachet! und O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe faszinierten durch ihren wiederkehrenden Wechsel zwischen vollstimmigen und solistischen Abschnitten, zwischen Streich- und Blasinstrumenten. Besonders Manuel König begeisterte mit strahlendem, ausdruckstarkem und pointiertem Tenor, etwa bei der Arie „Wie zweifelhaftig ist mein Hoffen“, begleitet nur durch wenige Streichinstrumente.

Solisten an Rohrblattinstrumenten wie Fagott oder Oboe sorgten ab 22.30 Uhr - spannungsvoll aufeinander abgestimmt - für ungewöhnliche und zuletzt auch schreiend schräge Klangfarben.

Abgeschlossen wurde der Abend kurz vor Mitternacht durch den Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, einer 1997 erschienen Komposition von der Russin Sofia Gubaidulina für gemischten Chor, Violoncello und Schlagzeug. Den Hymnus auf die Schöpfung, den der Heilige Franz von Assisi am Ende seines Lebens verfasste, ließ die orientalisch geprägte Komponistin Gubaidulina überwiegend rezitieren und unterlegte die Rezitation mit markanten, langgezogenen Tönen und leuchtstarken Chorklängen. Obertonklänge für ein Cello (Tanja Tetzlaff) wirkten effektvoll in die chorische Rezitation hinein. Das ChorWerk Ruhr meisterte hier eine große Klangwirkung - mitunter auch 24stimmig - unter der Leitung von Florian Helgath.

* * *

Wie jedes Jahr war die Veranstaltung gut besucht, und manchmal mussten Zuhörer sich mit Stehplätzen begnügen. Es entfaltete sich in der romanischen Kirche wieder eine besondere Atmosphäre. Den Zuschauern war es erlaubt, sich auch während des Konzertes in der Kirche leise zu bewegen, was ganz besondere Perspektiven und Raumeindrücke ermöglichte. Oft war es auch erholsam, sich von den harten Kirchenbänken für kurze Augenblicke zu lösen. Auch für das leibliche Wohl war im Kreuzgang wieder gesorgt. Im Wesentlichen fanden die Darbietungen hinter dem Lettner statt, was für die im Mittelschiff sitzenden Besucher alles etwas zu sehr in die Ferne rückte.



V.l.n.r.: Tobias Berndt (Bass), Manuel König (Tenor), Peter Neumann (Dirigent), Elvira Bill (Alt) und Hanna Zumsande (Sopran) | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 25. Juni 2015
ID 8728
Weitere Infos siehe auch: http://www.romanischer-sommer.de


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de



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