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Konzertkritik

Letzter

Wille,

4fach



Das ist Kent Nagano, der Ehrendirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin | Foto (C) Benjamin Ealovega; Bildquelle: dso-berlin.de

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Bei Kent Nagano, der von 2000 bis 2006 dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin als Chefdirigent und künstlerischer Leiter vorgestanden hatte, gab es immer spektakuläre Werkzusammenstellungen. Das setzte sich auch fort, nachdem er (nun als Gast) zum DSO zurückkehrte; in der bevorstehenden Interims-Spielzeit - denn Robin Ticciati tritt erst im September nächsten Jahres offiziell sein neues Amt an - wird er übrigens erneut mit drei verschiedenen Konzertprogrammen zu erwarten sein.

*

Weniger spektakulär, dafür aber umso interessanter als wie einleuchtender kam uns gestern Abend seine Werkauswahl und deren "logische" Anordnung vor: Es begann mit Wagners Tristan-Vorspiel inkl. Liebestod (in einer Fasssung ohne Gesang), ging über in die Schönberg'sche Verklärte Nacht (in einer Fassung für Streichorchester), kulminierte - nach der Pause - in Schuberts sog. Unvollendeter und klang dann schließlich aus mit Strauss' Vier letzte Lieder. Dramaturgisch könnte man die Abfolge mit "Letzter Wille, 4fach" auf das Reißbrett tackern. Derart kriegte sie, vom intellektuellen Feeling her, so was wie eine zwingend-unumkehrbare Gewuchtung ausgestellt.

Ganz merkwürdiger Weise lief das DSO dann ausgerechnet beim von uns schon als "Zentralwerk" dieses Abends eingeschubladeten Schubert (der vielleicht am wenigsten mit dem vermuteten 4fachen letzten Willen im Zusammenhang zu bringen wäre) zu schier makellosem Spiel mit ungewöhnlich "nordisch" also klar klingender Delikatesse auf; das hörte sich natürlich völlig anders an als beispielsweise unter Harnoncourt, der dieses Werk ein Jahr vor seinem Tod mit "seinen" Wiener Philharmonikern hier in Berlin aufführte - spürte man bei ihm und dem Orchester all die warm-morbide Stimmung dieser eigentlich doch schlichten Sinfonie, wurde man schließlich bei Nagano an sein generell so übertypisch-analytisches Herangehen wieder gemahnt; bis heute hat der Schreiber dieser Zeilen nach wie vor noch nicht verstanden, was dann eigentlich die unverwechselbare Handschrift dieses singulären Dirigenten ist, er spürt sie zwar (als eine Art zerordnende Distanz, welche er zwischen sich und den ihm anvertrauten Klangkörper entnebelnd installiert), aber er kann und will sie letztlich doch nicht eindeutig erklären.

Vor dem flossen Wagner, Schönberg aufs Gemäßigte und blieben irgendwie im Takt; bei der Verklärten Nacht fehlte womöglich so was wie ein flirrendes Geheimnis, jedenfalls ab dem Moment, wo Hörer auch zu Lesern werden; Richard Dehmels Weib und Welt, woraus die komponierten Textzeilen dann stammen, spielt mit lauter Grundmustern des Zwischenmenschentums und gibt sich unerklärlich also unverbindlich...

Die von Sopranistin Miah Persson technisch absolut und stimmlich aushaltbar wie etwas unterkühlt gesungenen Vier letzten Lieder hatten wir an diesem Platz schon unvergleichlich grauenhafter in diversen Darreichungen konstatieren müssen - ja, erinnert sich noch wer daran, als beispielsweise Barenboim die ehrgeizige Schnapsidee hatte sie mit der Vollglutröhre der Netrebko anzuheizen? Strauss hätte sich, hätte er's gehört gehabt, vor Schreck im Grabe rumgedreht. Im Falle Persson's würde ihm vielleicht der Wunsch nach einer ihn zuwärmenden Kaschmirdecke ganz nebensächlich in den Sinn gekommen sein.

Was wieder aufgefallen war: Dass das Orchester gut im Schuss zu seien scheint; wir waren diesmal stark begeistert von der Bläsergruppe!
Andre Sokolowski - 21. Mai 2016
ID 9322
DEUTSCHES SYMPHONIE-ORCHESTER (Philharmonie Berlin, 20.05.2016)
Richard Wagner: Vorspiel und "Liebestod" aus Tristan und Isolde
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht für Streichorchester
Franz Schubert: Symphonie Nr. 7 h-Moll Unvollendete
Richard Strauss: Vier letzte Lieder
Miah Persson, Sopran
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Dirigent: Kent Nagano


Weitere Infos siehe auch: http://www.dso-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de

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