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Premierenkritik

Mit voller Pulle

VIOLANTA von Erich Wolfgang Korngold
an der Deutschen Oper Berlin

Bewertung:    



Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) komponierte seinen zirka anderthalbstündigen Operneinakter Violanta als Siebzehnjähriger (!), und als Achtzehnjähriger erlebte er seine Uraufführung im damaligen Hoftheater München (dem heutigen Cuvilliéstheater); kein Geringerer als Bruno Walter dirigierte, und Violanta wurde damals noch vor Korngold heiterem Ring des Polykrates (den er noch viel früher komponierte) positioniert, es handelte sich also um eine Doppel-Vorstellung.

Gestern Abend hatten sich der scheidende DOB-GMD Sir Donald Runnicles und Gastregisseur David Hermann auf eine um vielleicht 15 oder 20 Minuten "verlängerte" Korngold-Premiere (und zwar ausschließlich mit der relativ kurzzeitigen Violanta) dahingehend geeinigt, dass sie ihr a) das Lautenstück A Fancy P5 von John Dowland (gespielt von Pedro Alcàcer) und b) den 1. Satz "Präludium" aus den Drei Orchesterstücken op. 6 von Alban Berg voranstellten; szenisch etwa so, dass die Ehe zwischen Laura Wilde (als Violanta) und Ólafur Sigurdarson (als ihrem Gatten Simone), rein gestisch, unter keinem guten Stern stehend demonstrierbar wurde, und soweit hatten wir das auch ganz gut verstanden:



"Seit ihre Schwester Nerina vom Prinzen Alfonso verführt wurde und Selbstmord beging, ist Violanta verstummt. Alle Versuche ihres Ehemenna Simone, sie wieder dem Leben zuzuführen, bleiben erfolglos. Erst der venezianische Karneval lockt sie aus ihrer selbstgewählten Isolation." [...] Es wird erzählt, "dass Alfonso in der Stadt ist." [...] Violanta "erklärt ihrem Mann, dass sie Alfonso in eine Falle gelockt habe. Wenn der Prinz zum verabredeten Rendezvous erscheine, solle Simone ihn auf das Signal des Karnevalsliedes ['Aus den Gräbern selbst die Toten/ tanzen heute Brust an Brust'] hin ermorden." [...] "Immer stärker ist sie von diesem Mann [Alfonso!] in Bann gezogen, immer klarer wird ihr, dass nicht die Rache für den Tod der Schwester sie antreibt, sondern der Versuch, das eigene Verlangen zu ersticken." (Zitiert aus dem Programmheft)


Statt ihrem Rachegelüst zu frönen, gibt sie also ihren libidinösen Gelüsten nach und verliebt sich "unsterblich" in das von ihr eigentlich zuvor hochehrenvoll auserkorene Opfertier, und der sodurch total gehörnte Gatte lässt das freilich überhaupt nicht zu und knallt sie (und ihren vermeintlichen Buhlen, den er eigentlich in ihrem Auftrag killen sollte) ab; so endet der psychoanalytisch aufgeheizte innerfamiliäre Horror.

*

Und es wird die ganze Zeit über mit größter Lust und Leidenschaft gesungen, und zwar aus vollen Kehlen, dass es nur so krachte! Und neben der sich selbst übertreffenden Wilde muss da selbstredend auch Mihails Culpajevs (als Alfonso, der frühere Vergewaltiger von Violantas Schwester) genannt sein. Die beiden stemmten halt den ganzen Abend, und es klang stellenweise nicht unähnlich wie weiland Paul & Marietta aus Korngolds Die tote Stadt - 1983 und 2004 überzeugte die DOB mit Korngolds bekanntester Oper, wobei sich die erstgenannte durch die Regiehandschrift von Götz Friedrich und die zweitgenannte durch das Dirigat von Christian Thielemann auszeichnete.

Ja und vor sieben Jahren - ist es wirklich schon so lange her? - machte das korngoldgeübte Haus mit dem Wunder der Heliane weltweit Furore, es war eine der markantesten Opernwiederentdeckungen der letzten Jahre und Jahrzehnte!

Die DOB & Korngold: das passte und passt perfekt zusammen, so auch dieses Mal [s.o.].

Hermanns Regie hat das Stück symbolistisch abstrahiert; und in dem sensationellen Bühnenbild von Jo Schramm schraubte sich praktisch das "Unterste" (mit den dominierenden Handlungsebenen und -räumen des Alfonso) peu à peu aus der Unterbühne kommend weit hoch hinauf, um von dort aus zwischen zwei überdimensionalen Ringen, einem obig schwebenden und einem bodenständig-unteren so kurz vor Stückschluss, wieder hinuntergeschraubt, "plattgedrückt" zu werden; Wahnsinnsbild das!!

Jeremy Bines studierte den untoppbar gut und genau singenden Chor der Deutschen Oper Berlin, der überwiegend im Hintergrund oder von den zwei verkleideten Seitenwänden aus agierte, ein.

Stephanie Wake-Edwards (als Violantas Amme Barbara) fiel mit ihrer markant grollenden Altstimme besonders auf.

Und das Orchester der Deutschen Oper Berlin legte sich halt derart ins Zeug, dass man vermutet hätte, dass es für alle Ewigkeit nichts außer Korngold musizieren wollte oder will; ein permanenter Klangrausch.

Kurzum: Der Runnicles wollte ausgerechnet diesen Solitär als allerletzte Premiere seines weit über 17 Jahre währenden Amts als Generalmusikdirektor aufgespürt, zurechtgeputzt und musikalisch bewerkstelligt haben; das war ihm bravourös gelungen!




Violanta von Korngold an der DOB | Foto (C) Marcus Lieberenz

Andre Sokolowski - 26. Januar 2026
ID 15669
VIOLANTA (Deutsche Oper Berlin, 24.01.2026)
Oper in einem Akt von Erich Wolfgang Korngold

Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Inszenierung: David Hermann
Bühne und Video: Jo Schramm
Kostüme: Sybille Wallum
Licht: Ulrich Niepel
Dramaturgie: Jörg Königsdorf
Chöre: Jeremy Bines
Besetzung:
Simone Trovai, Hauptmann der Republik Venedig ... Ólafur Sigurdarson
Violanta, seine Gattin ... Laura Wilde
Alfonso, Sohn des Königs von Neapel ... Mihails Culpajevs
Giovanni Bracca, Maler ... Kangyoon Shine Lee
Bice, Violantas Kammerzofe ... Lilit Davtyan
Barbara, Violantas Amme ... Stephanie Wake-Edwards
Matteo ... Andrei Danilov
Erste Magd ... Hye-Young Moon
Zweite Magd ... Lucy Baker
Erster Soldat ... Michael Dimovski
Zweiter Soldat ... Paul Minhyung Roh
Tänzerinnen und Tänzer des Opernballetts der Deutschen Oper Berlin
Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Premiere war am 25. Januar 2026.
Weitere Termine: 29.01./ 04., 06., 13.02.2026


Weitere Infos siehe auch: https://deutscheoperberlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

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