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ROMEO UND JULIA am Staatstheater Cottbus


Daniel Krimsky und Dominika Hebel als Romeo und Julia - am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Jochen Quast

Bewertung:    



Das STAATSTHEATER COTTBUS hat einen neuen Intendanten: Berthold Schneider (61) - der ließ es sich nicht nehmen höchstpersönlich seine erste Spielzeit vor der samstäglichen Eröffnungspremiere von Romeo und Julia anzusagen und das Publikum darauf hinzuweisen, dass im Anschluß an die Vorstellung die Fassaden des Jugendstil-Baus (einem der schönsten in der Republik!) vom Lichtkünstler Gregor Eisenmann mit einer großformatigen Projektion illuminiert würden; und das sah dann in der Tat höchst spektakulär aus, man konnte draußen (bei herrlichster Spätsommer-Abendstimmung) regionale Weine oder anderes, was angeboten wurde, trinken und gemütlich beim Anblick der schönen Lichter-Show gemeinschaftlich verweilen...

*

Und hinsichtlich Romeo und Julia hatten die Macher eine ausgefallene Idee:

Sie mischten Ausschnitte aus Shakespeares Original mit Ausschnitten drei weiterer R. & J.-Werke (nämlich Berlioz' Chorsinfonie sowie Gounods Oper Roméo et Juliette als auch Prokofjews Ballett Romeo und Julia op. 64) und spannen hieraus einen roten Faden, der den herkömmlichen Stückverlauf, welcher den meisten R. & J.-Fans geläufig sein dürfte, widerspiegelte. Und sodurch kriegten alle drei resp. vier Cotbusser Sparten - Schauspiel, Musiktheater/ Konzert und Ballett - die Möglichkeit sich, kraft ihrer eigenen künstlerischen Spezifik, in das Mammutprojekt mit einzubringen; es dauerte dann auch "etwas länger" als es angekündigt war, d.h. erst kurz nach dreiviertel elf am späten Abend leerte sich der Saal so peu à peu.

Es fing an mit Philharmonischem Orchester & Opernchor des Staatstheaters (dirigiert vom GMD des Hauses: Alexander Merzyn), die auf dem hochgefahrenen Orchestergraben und dahinter aufgestellt waren und den Prologsatz aus Berlioz' üppig besetzter Chorsinfonie musizierten und sangen - da gibt es auch eine von Luzia Tietze performte Sologesangseinlage; die Akteurin in der schneeweißen Madonnentracht schritt also durch die engen Zwischenräume des Orchesters und eckte mehr unabsichtlich einen der Geiger an, der sich seinerseits hiervon "attackiert" fühlte und plötzlich lauthals ausrastete und sein Instrument in einem imposanten Tobsuchtsanfall zerschmetterte; die sofort herbeigeeilte Inspizientin (gespielt von Lucie Luise Thiede) versuchte irgendwie zu beruhigen und beschloss eine deeskalierende und Umbaupause...

Nachdem dann der Orchestergraben in seinen Normalzustand nach unten gefahren worden war, ging es weiter; und es mischten sich fortan Schauspiel- sowie Balletteinlagen, angefangen vom Dauerkonflikt zwischen den zwei R. & J.-Familien Montague & Capulet über die berühmte Balkonszene in Verona bis hin zum Doppeltod des Liebespaares - beim Schauspiel wurden die Titelhelden von Daniel Krimsky & Dominika Hebel und beim Ballett von Jorge Concepción Leal & Alessandra Armorina verkörpert.

Etwas zeit- und nervenaufreibender gestaltete sich der große Gounod-Block in der Mitte der Inszenierung, wobei das eigentliche Verdienst jenes Unterfangens darin bestand, dass man überhaupt von dieser (heutzutage im deutschsprachigen Raum so gut wie nie gespielten) Oper Kenntnis nehmen durfte; allerdings legten die gesanglichen und auf deutsch gesungenen (höchst grauenhaften) Texte keineswegs den Verdacht nahe, als dass sich ein Opernhaus aktuell und dringend darum mühen sollte "es" in sein Repertoire mit aufzunehmen; ein zwar ironisch gemeintes aber umso ätzenderes Zutun bzw. eine Bekräftigung des soeben Vermuteten erledigte die Musiktheater-Sparte, indem sie "es" noch altmodischer als altmodisch im Biedermeierstil ablaufen ließ, und "es" hörte und hörte einfach nicht auf, kurzum: Das erduldet zu haben, war die Hölle!

Am allerbesten und gekonntesten waren die Balletteinlagen in der Choreographie von Inma López; insbesondere die große Sterbeszene traf dann doch ins Mark; da blieb kein Auge trocken.

Ja und ganz zum Schluss versammelten sich alle auf der Bühne, um letztendlich bei der großen Apotheose mit dabeigewesen zu sein. Ich vermutete, dass das große Chorfinale ("le finale à trois choeurs") aus der Berlioz-Supersinfonie hierfür herhalten musste; und auch hier entlarvte sich der übertitelte Biedermeiertext (entweder von Joseph Duesberg oder Emma Klingenfeld) als quälend grausam.

Großer Jubel nach dem allen.



Jorge Concepcion Leal und Allessandra Armorina als Romeo und Julia - am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Jochen Quast

Andre Sokolowski - 28. September 2026
ID 16062
ROMEO UND JULIA (Staatstheater Cottbus, 26.09.2026)
Eine Tragödie in vier Künsten

Musikalische Leitung: Alexander Merzyn
Regie und Bühne: Philipp Grigorian
Kostüme: Vlada Pomirkovanaya
Video: Oleg Mikhailov
Sounddesign und Komposition: Misha Cvijović
Choreografie: Inma López (Ballett) und Anna Abalikhina (Oper, Konzert, Schauspiel)
Choreinstudierung: Christian Möbius
Dramaturgie: Leonora Mense und Olga Fedyanina

Ausschnitten aus:
- Shakespeares Romeo and Juliet
- Berlioz' Roméo et Juliette. Symphonie dramatique avec choeurs, solos de chant et prologue en récitatif harmonique op. 17
- Gounods Roméo et Juliette
- Prokofjews Romeo und Julia op. 64

Mit: Daniel Krimsky & Dominika Hebel (Romeo & Julia bei Shakespeare), Alexey Sayapin & Sonja Isabel Reuter (Romeo & Julia bei Berlioz und Gounod), Jorge Concepción Leal und Alessandra Armorina (Romeo & Julia bei Prokofjew)
u.v.a.

Premiere war am 26. September 2026.
Weitere Termine: 03., 11. 25.10./ 15.11./ 09., 25.12.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatstheater-cottbus.de


https://www.andre-sokolowski.de

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