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EURYDIKE UND ORPHEUS als "Musiktheater über die Hoffnung auf unsterbliche Liebe" - an den Münchner Kammerspielen

Bewertung:    



Es geht um Leben und Tod. Mehr um den Tod und wie wir im Leben damit umgehen, wenn wir wissen, dass wir nur noch eine kurze Zeit zu leben haben. Eigentlich eine spannende Frage. Warum aber lässt einen die Inszenierung von Eurydike und Orpheus nur so kalt, ja geht einem zunehmend auf die Nerven? An der Komposition (Jan Duszynski) liegt es nicht, und auch nicht am Gesang der Darstellenden , beides beeindruckend. Duszynski hat das Werk als Oper bezeichnet, im Programm wurde es als Musiktheater angekündigt. Die Musik kommt vom Band, und das ist schon mal die erste Krux. Damit klingt auch der Gesang wie Playback, obwohl er das nicht ist. Zu jeder Aufführung ein kleines Orchester, das können die Kammerspiele nicht leisten. Soll man es trotzdem machen, wenn der Inhalt passt? Und das ist das eigentliche Problem. (Libretto: Robert Bolesto, Regie: Anna Smolar)

Wie in der Sage von Orpheus und Eurydike geht es um den Verlust eines geliebten Menschen. Doch sonst ist hier alles anders. Opheus (Elisabeth Nittka) ist Leiterin einer Klinik für Kryokonservierung, ein Verfahren, mit dem menschliche Körper nach dem Tod eingefroren werden, um sie in Zukunft wiederbeleben zu können. “Der Tod ist eine Krankheit“, sagt sie. Als ihre Lebensgefährtin, die Dichterin Eurydike, beim morgendlichen Check durch einen Klinikmitarbeiter (André Benndorff) erfährt, dass sie nur noch 60 Minuten zu leben hat, beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Eine riesige digitale Uhr auf der Bühne zeigt, wie die Minuten verrinnen. Kann Orpheus ihre Geliebte noch davon überzeugen, sich einfrieren zu lassen? Wesentliche Fragen nach dem Sinn von Unsterblichkeit und warum manche Menschen alles tun würden, um dem Schicksal ein Schnäppchen zu schlagen, werden nicht diskutiert. Gut, wenn man nur noch wenige Minuten hat, fällt einem auch nichts Gescheites ein, außer sich seiner gegenseitigen Liebe zu versichern.

Eurydike will sich also einfrieren lassen, und Orpheus beschließt da mitzumachen, lässt sich töten und ebenfalls einfrieren. Die Klinikleitung übergibt sie vorher noch an Hades (Franziska Hartmann) die aus unerfindlichen Gründen in Samthose, Schößchenjacke und einem riesigen federgeschmückten Hut gekleidet ist und aussieht, als ob sie gleich zum Stierkampf aufbrechen möchte. (Kostüme und Bühne: Anna Met) Und dann wird es ganz abstrus. Das Schlafzimmer der beiden Frauen befindet sich in einer Felsenlandschaft mit angedeutetem Wasserfall. Jetzt wird ein mobiler OP-Saal aufgestellt, in dem Ärzte ihre Handlungen vollziehen. Zwischendurch tanzt eine Mickey Mouse in einer Videoeinspielung als Hinweis auf das Gerücht, ihr Schöpfer Walt Disney hätte sich ebenfalls einfrieren lassen.

Die beiden Frauen erwachen wieder, aber Eurydike hält nicht lange durch und stirbt wieder. Zweimal kann man den Körper nicht einfrieren, also wird ihr kurzerhand der Kopf abgetrennt, das verspricht mehr Erfolg. Und natürlich will sich auch Orpheus sofort köpfen lassen. Wie die Ärzte im OP dann herumsäbeln, mit aufgerissenen Augen, blutbespritzt, das soll vielleicht an Splatterfilme erinnern. Dafür ist es dann aber nicht konsequent genug umgesetzt - und warum das eigentlich alles? Als Hades schließlich mit dem Kopf von Eurydike in einem Kochtopf dasitzt, wirkt die Szenerie nur noch befremdlich. Schade für die tollen Schauspielerinnen wie Annika Neugart, mit der man unbedingt Play Auerbach in den Kammerspielen sehen sollte. Das nur als Tipp zum Schluss.



Elisabeth Nittka und Annika Neugart als Eurydike und Orpheus - an den Münchner Kammerspielen | Foto (C) Julian Baumann

Isabella Schmid - 27. April 2026
ID 15821
EURYDIKE UND ORPHEUS (Münchner Kammerspiele, 26.04.2026)
Musiktheater über die Hoffnung auf unsterbliche Liebe

Regie: Anna Smolar
Bühne & Kostüme: Anna Met
Komposition: Jan Duszyński
Libretto: Robert Bolesto
Übersetzung Libretto: Andreas Volk
Videodesign: Johanna Seggelke
Choreographie: Paweł Sakowicz
Musical Conductor: Weronika Krówka
Lichtdesign: Christian Schweig
Dramaturgie: Viola Hasselberg und Robert Bolesto
Besetzung:
Eurydike ... Annika Neugart
Orpheus ... Elisabeth Nittka
Amor ... André Benndorff
Hades ... Franziska Hartmann
Charon ... Enes Şahin
Kora ... Konstantin Schumann
Cerberus ... Anja Signitzer
Premiere war am 26. April 2026.
Weitere Termine: 20.05./ 03., 15., 30.06./ 15., 23.07.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.muenchner-kammerspiele.de


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