Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Premierenkritik

Verirrend,

verwirrend



Kassandra Wedel und Georg Bochow als Hauptprotagonisten in AscheMOND oder The Fairy Queen von Helmut Oehring - am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Bernd Schönberger

Bewertung:    



Ich konnte meinem Begleiter, der die Oper AscheMOND oder The Fairy Queen bisher noch nicht gehört und gesehen hatte, leider nicht erklären, worum es hier geht - obgleich mir ihre 2013er Uraufführung an der Berliner Staatsoper noch nebulös in Erinnerung war; da hatte sich Regisseur Claus Guth irgend so eine "Überhandlung" (ein Mann kehrt nach Jahren in sein Elternhaus zurück o.s.ä.) szenisch ausgedacht und ließ sie von keinem Geringeren als den durch Film wie Bühne allbekannten Ulrich Matthes sprechen und spielen; was konkret das verstärken sollte, weiß ich allerdings bis heute nicht... Das Libretto zur Oper stammt übrigens von Stefanie Wördemann, und in Anbetracht der gestrigen Premiere (siehe deutsche Übertitelungen im Großen Haus des STAATSTHEATERS COTTBUS) wollte und will mir nicht klar werden, in welches handlungsfreie Zentrum mich die Librettistin mittels ihrer vielen, vielen, vielen allgemeinplatzmäßigen Verlautbarungen inkl. Texteinwürfe aus Werken oder Schriften von Shakespeare, Stifter, Heine und Oehring zu lancieren meinte; null Ahnung.

Eine "Hymne auf die Vergänglichkeit" nannten beide (Librettistin & Komponist) ihr gemeinsames Werk:



"Vor dem Hintergrund einer Sonnenfinsternis als Sinnbild gesellschaftlicher Umbrüche entfaltet AscheMOND die Vision einer Versöhnung des scheinbar Unvereinbaren. Als Antwort-Oper auf Shakespeares Sommernachtstraum und der Purcellschen Adaption The Fairy Queen emanzipiert sie die Tragödie in der Komödie und blickt auf den Schwebezustand zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Lieben und Verlieren. Alles funkelt und verglüht doch gleich wieder, Traurigkeit hinterlassend – und doch glimmt am Ende ein neuer Funken auf: Utopie.

In
AscheMOND oszillieren verschiedene Zeit- und Ausdrucksebenen: Stille, Visualität und Klang treten zueinander in Beziehung. Dabei umkreisen die durch Oehring modern übermalten Purcellschen Barocksongs und seine eigene vielgestaltige Musik einander wie Planeten."

(Quelle: staatstheater-cottbus.de)


Der 1961 in Ostberlin als Sohn gehörloser Eltern geborene Helmut Oehring - seit den 1990ern zählt er "zu den herausragenden internationalen Komponist*innen unserer Zeit. Seine Muttersprache ist die Gebärdensprache der Gehörlosen, die bestimmten Ebenen seiner audiovisuellen Musik durch das ihr innewohnende räumliche Moment eines körpersprachlichen Ausdrucks verwandt ist" (Quelle: staatstheater-cottbus.de) - hat AscheMOND vor über 13 Jahren komponiert und in ihr Originalmusiken aus Henri Purcells The Fairy Queen zitiert und kompositorisch fortverarbeitet, und das ist es übrigens auch, was dieses Werk von Oehring so unverwechselbar-besonders macht und weswegen sich womöglich auch Neue-Musik-Muffels durchaus für sie interessieren oder sogar begeistern könnten. Mit einer pausenlosen Gesamtspieldauer von überreichlich zwei Stunden besteht natürlich die Gefahr, dass "es" ab irgendeiner Stelle dynamisch absacken oder gar versanden würde und der Aufmerksamkeits- in einen Geduldpegel umzuschlagen drohte: so auch diesmal, so auch hier.

Vorab sei allerdings betont, dass die musikalische Gereichung keinerlei Wünsche übrigließ; der interpretatorische Aufwand war immens: Countertenor, gehörlose Gebärdensolistin, Gebärdendolmetscher (Burhan Orchan Oglou), Gesangssolistenquartett (Anne Martha Schuitemaker, Luzia Tietze, Dirk Kleinke, Heiko Walter), Instrumentalsolisten (Gitarren, Akkordeon), ein Alte-Musik-Ensemble, Opernchor & Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Statistinnen und Statisten... Alexander Merzyn hatte die musikalische Gesamtleitung, das Bach Consort Cottbus (im Mittelrang positioniert) wurde dirigiert von Changmin Park (auch Orgel und Cembalo).

Die gehörlose Performerin Kassandra Wedel und der Counter Georg Bochow kristallisierten sich von Anfang an als Hauptprotagonistenpaar heraus - sie erschien mehr als dauerpräsente und irrlichternde Feengestalt, er kehrte einen drogenabhängigen Musikproduzenten & DJ heraus; und damit wäre auch bereits der "personelle Rahmen" in Sebastian Baumgartens sehenswerter Inszenierung vorabgesteckt gewesen - und wenn es seine fantastische Sicht der Dinge (Bühne: Thilo Reuther, Kostüme: Meentje Nielsen, Video: Philipp Haupt) hier nicht gegeben hätte, wäre man gleichsam als Zuhörer und Übertitelleser auf weiter Flur allein und verlassen gewesen; ihm ist es daher zu verdanken, dass man irgendwie dann doch "pausenlos" bei der Stange blieb, auch weil es "pausenlos" hinter dem durch drei auf und ab bewegte Rolläden sichtbaren Garagen-Ton-und-Aufnahmestudio etwas zu sehen gab; zig zwischenmenschliche Miniaturszenen inbegriffen: hochgenialer Inszenierungsansatz!!!

Der Komponist spielte selbst (von der linken Bühnenseite aus) Gitarre und demonstrierte hin und wieder Gebärdensprache, ihm zur Seite saß der auch diverse Sprecheinlagen verübende Akkordeonist Felix Kroll.

Langer und enthusiastischer Premierenapplaus.

Alles in allem: ein Wurf




Szene aus AscheMOND oder The Fairy Queen von Komponist Helmut Oehring (an der Gitarre li. im Bild) - am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Bernd Schönberger

Andre Sokolowski - 24. Januar 2026
ID 15664
AscheMOND oder The Fairy Queen (Staatstheater Cottbus, 23.01.2026)
Oper von Helmut Oehring unter Verwendung von Musiken Henry Purcells
auf ein Libretto von Stefanie Wördemann mit Texten von Shakespeare, Stifter, Heine und Oehring
Cottbuser Fassung des Komponisten

Musikalische Leitung: Alexander Merzyn
Regie: Sebastian Baumgarten
Bühne: Thilo Reuther
Kostüme: Meentje Nielsen
Video: Philipp Haupt
Soundkonzeption und -produktion: Torsten Ottersberg/GOGH s.m.p.
Choreinstudierung: Christian Möbius
SignMimoChoreografie: Helmut Oehring
Soufflage Musik & Gebärden: Burhan Orchan Oglou
Dramaturgie: Leonora Mense
Mit: Kassandra Wedel (gehorlose Gebärdensolistin), Anne Martha Schuitemaker (Sopran), Luzia Tietze (Mezzosopran), Georg Bochow (Countertenor), Dirk Kleinke (Tenor), Heiko Walter (Bariton), Helmut Oehring (Gitarren und Stimme) und Felix Kroll (Akkordeon und Stimme) sowie den Statistinnen und Statisten Petra Brehmer, Martha Hoyer, Jasmin Buder, Diana Geithe-Randt, Laura Zieboll, Thomas Mietk, Marcus Schulze, Heiko Kühler und Alexander Girnt
Damen und Herren des Opernchores des Staatstheaters Cottbus
Philharmonische Orchester Cottbus
Bach Consort Cottbus
(Cembalo, Orgel und Leitung: Changmin Park)
Premiere war am 23. Januar 2026.
Weitere Termine: 24., 25.01./ 26., 28., 29.03.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatstheater-cottbus.de


https://www.andre-sokolowski.de

Ballett | Performance | Tanztheater

Konzerte

Musiktheater

Neue Musik

Rosinenpicken



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:





MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CD / DVD

KONZERTKRITIKEN

LEUTE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

RUHRTRIENNALE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)