Episch und
dramatisch
|
|
Bewertung:
Die meisten Theater haben sich in die Sommerpause verabschiedet, da meldet sich das Staatsorchester Stuttgart noch einmal zum Abschluss der Saison mit zwei Komponisten des Kernrepertoires, mit Mozart und Bruckner, unter dem Dirigat seines mittlerweile 83-jährigen ehemaligen Generalmusikdirektors Lothar Zagrosek. Wieso die Stuttgarter Zeitung von den „mageren Jahren unter Lothar Zagrosek“ faselt, bleibt deren Geheimnis. Immerhin hat ihn die kompetente Zeitschrift Opernwelt, das Gegenstück zu Theater heute, während seiner Amtszeit in der Stadt zweimal als „Dirigent des Jahres“ ausgezeichnet, und die Staatsoper Stuttgart wurde zu dieser Zeit fünfmal zum Opernhaus des Jahres gewählt, was gewiss nicht nur, aber auch auf sein Konto geht. Vieles spricht für eine Projektion des Kritikers einer Zeitung, deren magere Jahre seit Zagroseks Stuttgart-Engagement auf dem Weg in die Ulmer Umarmung auf bejammernswerte Weise zugenommen haben.
Das Programm des Konzerts baut nicht auf Verwandtschaft, sondern auf Kontrast. Zwischen Mozarts Sinfonie Nr. 32 G-Dur KV 318 mit ihren drei ineinander übergehenden Sätzen und Bruckners 7. Sinfonie liegen nicht nur mehr als hundert Jahre, sondern auch der eklatante Unterschied von weniger als zehn Minuten zu mehr als einer Stunde und von tänzerischer Leichtigkeit zu spätromantischem Pathos. Aber auch Bruckners vergleichsweise populäre Sinfonie strotzt von Gegensätzen am deutlichsten wohl zwischen dem epischen 2. und dem dramatischen 3. Satz, der an Richard Wagners Walkürenritt erinnert.
Die Rezeption von Anton Bruckner ist so widersprüchlich wie bei nur wenigen Komponisten. Dazu hat nicht unwesentlich die verwunderliche Tatsache beigetragen, dass ausgerechnet der tiefgläubige Katholik posthum zum Favoriten der Nationalsozialisten wurde. Diese Assoziation dürfte sich allmählich erledigt haben. Heute hört man Bruckner „ideologiefrei“. Ob man seine Musik mag oder nicht, bleibt dem individuellen Geschmack überlassen.
Zwischen den beiden Sinfonien sang Diana Haller Mozarts zwei Arien „Bella mia fiamma, addio - Resta, oh cara“ und „Vado, ma dove? oh Dei!“. Die aus Kroatien stammende Mezzosopranistin, die gerade im Begriff ist, ins Sopran-Fach zu wechseln, gehört seit ihrer Cenerentola, einer Rolle immerhin, für die Cecilia Bartoli die Latte ziemlich hoch gelegt hat, zu den beliebtesten Sängerinnen der Stuttgarter Oper. In einem ausführlichen Interview sagte sie vor kurzem:
„Es ist für mich eine große Freude, Ehre und zugleich auch Verantwortung, an einem derart renommierten Haus über so viele Jahre hinweg tätig sein zu dürfen. Besonders wichtig ist mir zu betonen, dass es heute keineswegs selbstverständlich ist, dass ein Opernhaus eine Sängerin über einen so langen Zeitraum begleitet, fördert und ihre Entwicklung unterstützt. Zwischen mir und der Staatsoper Stuttgart besteht deshalb eine besondere Verbindung. Ich liebe dieses Haus, das größte Drei-Sparten-Theater der Welt, aus vollem Herzen. Ich hatte das große Glück, diese Unterstützung nicht nur unter einer Theaterleitung, sondern unter mehreren Intendanzen erleben zu dürfen. Gerade die Möglichkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und auch neue künstlerische Wege zu gehen, macht die Staatsoper Stuttgart für mich zu einem ganz besonderen Ort.“
|
Lothar Zagrosek | Bildquelle: staatsoper-stuttgart.de
|
Thomas Rothschild – 13. Juli 2026 ID 15945
STAATSORCHESTER STUTTGART (Liederhalle, 12.07.2026)Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie Nr. 32 G-Dur KV 318
- „Bella mia fiamma, addio – Resta, oh cara“, Rezitativ und Arie KV 528
- „Vado, ma dove? oh Dei!“, Arie KV 583
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7 E-Dur
Diana Haller, Sopran
Staatsorchester Stuttgart
Dirigent: Lothar Zagrosek
Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsoper-stuttgart.de/staatsorchester/
Post an Dr. Thomas Rothschild
Ballett | Performance | Tanztheater
Konzerte
Musiktheater
ROTHSCHILDS KOLUMNEN
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!
Vielen Dank.
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
BALLETT | PERFORMANCE | TANZTHEATER
BAYREUTHER FESTSPIELE
CD / DVD
KONZERTKRITIKEN
LEUTE
MUSIKFEST BERLIN
NEUE MUSIK
PREMIERENKRITIKEN
ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski
RUHRTRIENNALE
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|