Welcome
Nicholas
Carter
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Nicholas Carter, der neue GHMD der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) Matthias Baus
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Bewertung:
Eins kann man dem neuen Generalmusikdirektor der Stuttgarter Oper Nicholas Carter bestimmt nicht vorwerfen: dass er sich mit dem ersten Sinfoniekonzert der Saison an das Publikum ranschmeißen wolle. Mit Unsuk Chins Frontispiece for Orchestra, Edward Elgars Cellokonzert e-Moll op. 85 und Ein Heldenleben von Richard Strauss hat er auf leichte Kost und auf populistische Bedienung mit vertrauten Klassikschlagern verzichtet. Auf die üblichen Schlechtwetterprognosen für den Konzertbetrieb diesseits der Popmusik reagiert er mit einer Vorwärtsstrategie. Dafür ist ihm zu danken. Nicht aus einem elitären Kunstverständnis heraus, sondern weil er nicht – self-fulfilling prophecy – vor der Abfütterung mit leicht Verdaulichem durch ökonomisch motivierte Veranstalter und Medien, vor Streaming und KI einknickt.
Den Anfang macht die Komposition der in Berlin lebenden Koreanerin Unsuk Chin. Ihr acht Minuten kurzes Frontispiece for Orchestra wurde 2019 in Hamburg uraufgeführt. Die Schülerin von György Ligeti kommentiert das Stück so:
„Bestimmte Akkordfolgen von Anton Bruckner werden in einer Weise interpretiert, die an Anton von Webern erinnert; Splitter von Strauss, Skrjabin und Strawinsky prallen aufeinander; Brahms’sche Harmonik passiert die Prismen von, sagen wir, Charles Ives; und bestimmtes Material aus Tschaikowskis Sechster Symphonie wird – der Himmel stehe uns bei – à la manière de Pierre Boulez präsentiert.“
Das Diktum macht deutlich, dass und warum sich die Komponistin dagegen wehrt, auf ihre koreanische Herkunft reduziert zu werden. Dass Künstler aus außereuropäischen Regionen in Deutschland studieren und dass das Spuren hinterlässt, ist längst eher alltäglich als eine Ausnahme. Das Zitat ist ja in der Musik wie in den anderen Künsten längst eine etablierteTechnik – der zitierte Strawinsky etwa war darin ein Meister –, aber Unsuk Chin geht einen Schritt weiter durch die Art und Weise, wie sie die kurzen Zitate, beispielsweise durch die Instrumentierung, transformiert und fast formalistisch bearbeitet.
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Edward Elgar hat nur zwei Solokonzerte geschrieben, eins für Violine und 1919 jenes für Cello. Ein Klavierkonzert blieb unvollendet. Das Cellokonzert gehört zu der vergleichsweise kleinen Zahl der häufig gespielten Exemplare des Genres. Der warme Klang des Cellos verleiht der Musik unweigerlich etwas Melancholisches. Aber das Publikum bedankte sich zwischen den Sätzen auch für die schnellen Passagen, mit denen Kian Soltani seine Virtuosität unter Beweis stellte.
Ich gestehe: Richard Strauss gehört nicht zu meinen Favoriten. Anton Bruckner wird das Bonmot zugeschrieben: „Wenn schon Richard, dann Wagner. Wenn schon Strauss, dann Johann!“ Richard Strauss gehört derselben Generation an wie Edgar Elgar, seine sinfonische Dichtung Ein Heldenleben jedoch entstand 21 Jahre vor dessen Cellokonzert. Viel Dramatik und leere Pose. Die Crescendi lassen an einen Hochspringer denken, der mit äußerster Anstrengung noch ein paar Zentimeter mehr schaffen will. Und auch Strauss zitiert gerne. Freilich am liebsten sich selbst.
Vorübergehend hat das mehrteilige Werk den Charakter eines Violinkonzerts. Es ist nur eine Frage des Anstands, dass die Solistin, die sie tatsächlich ist, mit Namen genannt wird. Die Konzertmeisterin heißt Vladyslava Luchenko, und ihr Violinspiel hält jeden Vergleich mit berühmten Geigern aus.
Großer Schlussapplaus für den vitalen Dirigenten. Er ist in Stuttgart angekommen.
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Thomas Rothschild – 26. Oktober 2026 ID 16113
1. SINFONIEKONZERT DES STAATSORCHESTERS STUTTGART (Liederhalle, 25.10.2026)
Unsuk Chin: Frontispiece for Orchestra
Edward Elgar: Cellokonzert e-Moll op. 85
Richard Strauss: Ein Heldenleben op. 40
Kian Soltani, Violoncello
Staatsorchester Stuttgart
Dirigent: Nicholas Carter
Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsoper-stuttgart.de/haus/menschen/staatsorchester-stuttgart/
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