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Konzertkritik

François-Xavier Roth wieder in Berlin (1)



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François-Xavier Roth (54) - einer meiner Lieblingsdirigenten - war und ist jetzt wieder in der Hauptstadt! Vorgestern und gestern Abend stand er am Pult der Staatskapelle Berlin, und ab nächste Woche studiert er die Wiederaufnahme von Pelléaes et Mélisande (Regie: Ruth Berghaus) in der Lindenoper ein; am 21. Juni ist der erste von vier Aufführungsterminen.

Doch zunächst zum Staatskapelle-Konzert in der Philharmonie:

Renaud Capuçon (50) - mit seinem jüngeren Bruder, dem Cellisten Gautier Capuçon, seit Jahren und Jahrzehnten eines der erfolgreichsten Musiker-Duos mit familiärem Hintergrund - spielte Mendelssohns überaus populäres Violinkonzert; und dazu gibt es eigentlich dann nicht sehr viel zu sagen außer dass es (und egal wer es dann fehlerfrei, gefühlvoll spielen würde) immer wieder anheimelnd und schön klingt und man alles "abrufbar" im Ohr behält und auf dem Heimweg nachsummt... Aus dem weichen Holz seiner historischen Geige, einer Guarneri del Gesù „Panette“ von 1737 (sie gehörte früher Isaac Stern), vermochte Capuçon mit seiner Empathie und Virtuosität Geschichten hervorzuzaubern, die ich so noch nie bei diesem Konzert zu hören vermeinte; grandios gemacht.

Und nach der Pause staunte ich nicht schlecht, wieviel an Platzverdrängung nötig war, damit das Riesenaufgebot der Staatskapelle zuzüglich des Staatsopernchores (Einstudierung: Gerhard Polifka) Raum gewann, um die komplette Ballettmusik Daphnis et Chloé von Maurice Ravel aufführen zu können; ein Mammutwerk, ganz ohne jede Frage. Dabei bleibt merkwürdiger Weise von den 12 Einzelszenen, die der Roth attacca abfolgen ließ, nicht viel im Hinterstübchen hängen, d.h. so einfach nachsummbar wie beim vorangegangenen Mendelssohn war das alles nicht. Dafür blieb ein Gesamteindruck haften, wie es der Impressionist Ravel verstand, das Lautmalerische dieses Stücks aufs Sinnlichste und Farbigste zu vermitteln; beim Hören wurden und werden Bilder freigesetzt, die, auch ohne dass man vorher die mythologische Handlung kennen würde, fast schon cinemaskopisch (auf mich) einwirkten: Sonnenauf- und -untergänge, Meeresrauschen, Sturm und Regen, aufgescheuchte Vögel und zwischendurch dann immer wieder so bedrohliche Momente aus der Richtung irgendeines negativen Kraftzentrums, was wahrscheinlich mit dem oder den Bösen in der Geschichte zu tun haben müsste. / Roth vermochte den Gesamtapparat perfekt zu bündeln und betörend schöne Einzelstimmen aus den Reihen der Musikerinnen und Musiker herauszukitzeln; der Chor war dann mit himmlisch sich anhörenden Vokalisen beschäftigt. Insgesamt: ein Rausch!

Die Staatskapelle und der Roth können sehr gut zusammen, und das haben sie dann dieses Mal erneut unter Beweis gestellt.



François-Xavier Roth dirigierte Ravels komplette Ballettmusik Daphnis et Chloé - mit der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor am 8. und 9. Juni 2026 | Foto (C) Peter Adamik

Andre Sokolowski - 10. Juni 2026
ID 15900
SYMPHONIEKONZERT VIII (Philharmonie Berlin, 09.06.2026)
Felix Mendelssohn Bartholdy: Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64
Maurice Ravel: Daphnis et Chloé, vollständige Ballettmusik
Renaud Capuçon, Violine
Chor der Staatsoper Unter den Linden Berlin
(Einstudierung: Gerhard Polifka)
Staatskapelle Berlin
Dirigent: François-Xavier Roth


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatskapelle-berlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

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