Fortsetzung des
Strausslieder-
zyklus
|
|
Bewertung:
Falls ich richtig gezählt haben sollte, steht Christian Thielemann ab der nächsten Spielzeit - und zwar in Berlin (seine auswärtigen Gastspiele mit dem Orchester sind da nicht mitgezählt) - insgesamt 24 mal am Pult der Staatskapelle Berlin: bei 6 Sinfoniekonzerten (je 2 mal) und bei 3 Opern (5 mal bei der Neueinstudierung von Humperdincks Königskinder und je 3 mal bei Wagners Tristan und Tannhäuser); dann ist noch die Auffführung von Beethovens Neunter, irgendwann im Frühjahr kommenden Jahres, terminlos angezeigt. Das scheint für die Präsenz eines Generalmusikdirektors gerade mal "ausreichend" zu sein, um nicht sofort in den Verdacht zu geraten es an gewichtiger Präsenz in seiner vertraglich gebundenen Hauptwirkungsstätte fehlen zu lassen; bei Barenboim war das übrigens in manchen Spielzeiten mitunter ähnlich. Das alles wussten wir freilich, also dass das über die ersten beiden Staatsopern-Saisons aufgrund von Thielemanns anderweitigen Verpflichtunge so sein würde; seine Berufung zum GMD ereignete sich ja, auch wegen des krankheitsbedingten plötzlichen Totalausfalls seines weltberühmten Vorgängers, fast "Hals über Kopf"; also Schwamm drüber, vorerst jedenfalls.
*
DIe beiden vergangenen Staatskapelle-Konzerte standen erneut im Zeichen von Thielemanns initiiertem Zyklus aller Strauss-Lieder mit Orchesterbegleitung, den er voriges Jahr im Juli begonnen hatte; da war es Erin Morley, die die ersten sieben (nicht chronologisch geordneten) der insgesamt 40 Orchesterlieder gesungen hatte.
Jetzt setzten die Sopranistin Julia Kleiter und der Bariton Konstantin Krimmel Thielemanns Zyklus fort - in der kommenden Saison wird er im Oktober mit Diana Damrau (Vier letzten Lieder) und im April mit Camilla Nylund erweitert...
Zum Konzert von gestern Abend:
Thielemann hat sich Kleiter & Krimmel ziemlich nahe, je links und rechts, an sein Dirigentenpult positioniert, und zwar so, dass er ihnen, leicht nach hinten gebeugt, die entsprechenden Einsätze geben kann; die beiden tun dann zwar so, als ob sie das eigentlich nicht bräuchten, aber man spürte, dass sie dankbar waren für seine irgendwie dann doch "zwingenden Gesten", kurzum: Es funktionierte perfekt, das Zusammenspiel - selbstverständlich dann auch mit dem vor Thielemann üppig aufgestellten Groß-Orchester - klappte kongenial, und es war insgesamt ein akustisches und eben auch optisches Highlight der Extraklasse, die acht Strauss'schen Solitäre nach und nach in dieser Art und Weise vorgeführt bekommen zu haben.
Mindestens drei (oder sogar vier) Lieder hörte ich selbst zum allererstenmal; Krimmel sang dabei die (für mich) interessantesten und gleichsam aufregendsten: die Gedichtvertonungen Nächtlicher Gang von Friedrich Rückert, Pilgers Morgenlied von Goethe und Hymnus von Friedrich Gustav Schilling - alle ziemlich düster und gespenstisch, melancholisch und v.a. unheilverkündend; auch das Auftaktslied dieser Achterreihe, Verführung, gesungen von Kleiter, kam mir bis dato noch nie zu Ohren.
Als dankbare Zugabe sangen die zwei schließlich Ich trage meine Minne (Krimmel) und Traum durch die Dämmerung (Kleiter).
Ein einziger Rausch das Alles!
Kleiter und Krimmel zählen derzeit zu den allerbesten Strauss-Interpreten unserer Tage, und Thielemann war mit ihnen sichtlich mehr als zufrieden.
|
Julia Kleiter, Konstantin Krimmel und die Staatskapelle Berlin (Dirigent: Christian Thielemann) mit Orchesterliedern von Richard Strauss - in der Staatsoper Unter den Linden, am 13. April 2026 | Foto (C) Stephan Rabold
|
* *
Nach der Pause gab es dann noch 2 mal Beethoven: die Pastorale-Sinfonie und die Egmont-Ouvertüre.
|
Andre Sokolowski - 15. April 2026 ID 15801
STAATSKAPELLE BERLIN (Philharmonie Berlin, 14.04.2026)
Richard Strauss: Verführung op. 33/1
- Nächtlicher Gang op. 44/2
- Muttertändelei op. 43/2
- Ruhe meine Seele op. 27/1
- Pilgers Morgenlied op. 33/4
- Morgen op. 27/4
- Hymnus op. 33/3
- Waldseligkeit op. 49/1
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 Pastorale
- Ouvertüre zu Egmont op. 84
Julia Kleiter, Sopran
Konstantin Krimmel, Bariton
Staatskapelle Berlin
Dirigent: Christian Thielemann
Weitere Infos siehe auch: https://www.staatskapelle-berlin.de
https://www.andre-sokolowski.de
Ballett | Performance | Tanztheater
Konzerte
Musiktheater
Neue Musik
Rosinenpicken
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!
Vielen Dank.
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
BALLETT | PERFORMANCE | TANZTHEATER
CD / DVD
KONZERTKRITIKEN
LEUTE
MUSIKFEST BERLIN
NEUE MUSIK
PREMIERENKRITIKEN
ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski
RUHRTRIENNALE
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|