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nachDRUCK # 5

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Konzertkritik

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Meine geliebte Mutter war unlängst gestorben, und ich laboriere noch immer (und wahrscheinlich ewig) an diesem für mich unsagbaren Verlust - aber es hilft nichts, Tod gehört nun mal zum Leben, und wir alle gehen irgendwann dann in die Grube...

Da schien mir das gestrige Konzert mit den Chorsolisten der Komischen Oper Berlin im Konzerthaus am Gendarmenmarkt willkommen zu sein. Sie entschieden sich für zwei sakrale Werke französischen Ursprungs: den von Lili Boulanger (1893-1918) vertonten Psalm 130 ("Du fond de l ’abîme", dt.: "Aus der Tiefe des Abgrunds") und das bis heute zum Standardrepertoire internationaler Chöre zählende Requiem von Gabriel Fauré (1845-1924). Beide Werke dauern eine knappe bzw. eine reichliche halbe Stunde und greifen einen unterschiedlich an und/ oder lassen einen irgendwie nicht los.


"Als Kleinkind erkrankte sie an einer chronischen Lungenentzündung, welche ihr ganzes Leben bis zu ihrem frühen Tod im Alter von nur 24 Jahren stark beeinträchtigte. Hinzu kam der Tod ihres Vaters, als sie sieben Jahre alt war – ihm ist dieses Werk gewidmet. Mit der Verwendung der alten Kirchentonart Phrygisch greift Lili Boulanger ein traditionelles musikalisches Symbol für die Thematisierung des Todes auf. 'Du fond de l’abîme' ist eine von drei Psalmvertonungen Boulangers. Die Komposition entstand zwischen 1910 und 1917, während Boulanger unter anderem am Pariser Konservatorium (auch bei Gabriel Fauré) studierte und als erste Frau den Prix de Rome gewann. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch zusehends. Ihre Schwester Nadia, selbst Dirigentin und Kompositionslehrerin, setzte sich für Lili Boulanger und ihr Werk bis zu deren Tod und darüber hinaus ein." (Quelle: Programmheft KOB)


Und wussten Sie von Boulangers unfassbarer Leidensgeschichte [s.o.], nein? Sehen Sie, ich auch nicht. Deshalb habe ich es für Sie aus dem Programmheft abgeschrieben, dass auch Sie es, sowie ich, jetzt wissen.

Ihre Psalm-Vertonung ist irgendwie spektakulär, sie beginnt (allein, was deren orchestralen Untergrund betrifft) mit deutlichem und halt sehr tiefem Tubenklang; ich assoziierte sofort Fafners Erwachen aus Wagners Siegfried. Und so nach und nach entwickelte sich der gesamte und mich doch sehr stark deprimiert habende "Großklang" ihrer Musik quasi als Riesenaufgebot mit Chor & Orchester; und das alles wurde schließlich dann so laut, dass es die teils solistisch singende Ka­ro­li­na Gu­mos (in ihrem fantastisch aussehenden nachtblauen Kleid!) arg schwer hatte, mit ihrem zum Alt tendierenden Mezzosopran gegen das Orchester der Komischen Oper Berlin anzukämpfen.

Ja und beim abschließenden Fauré-Requiem irritierten, ganz nebenbei bemerkt, die überlangen Kunstpausen zwischen den einzelnen Sätzen - die sollten allerdings dann nötig sein, damit sich Chorleiter David Cavelius seinen Arbeitsschweiß (wahrscheinlich wegen zu warm abstrahlendem Scheinwerferlichts) von der Stirn tupfen konnte. Zum Abknieen außerdem die instrumentalen Verlautbarungen von Konzertmeisterin Christina Brabetz; die stand ganz oben rechts über der Orgelempore und spielte von dieser himmlischen Höhe aus ihre Violinsoli.

*

Zwischen den zwei Skralwerken gab es dann noch das äußerst populäre Konzert für Orgel, Streicher und Pauke von Francis Poulenc (1899-1963) mit der nicht minder populären lettischen Starorganistin Iveta Apkalna zu erleben - und da vernahm ich dann auch diesen raumfüllenden fetten und doch ziemlich warmen Klang der Jehmlich-Orgel überhaupt zum allerersten Mal.



Die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Jan Windszus Photography
Bildquelle: Programmheft KOB


Übrigens:

Die Chorsolisten der KOB wurden mittlerweile zum dritten Mal (nach 2007 und 2015) von der Zeitschrift Opernwelt zum "Chor des Jahres" gewählt.

Ausschlaggebend (für die durch das Fachgremium ermittelte Spielzeit 2024/25) waren insbesondere die Inszenierungen von Händels MESSIAS und Echnaton von Philip Glass.

Und sowieso war ich schon immer der Meinung, dass die KOB sich glücklich schätzen kann den besten der drei Opernchöre in Berlin "ihr Eigen" nennen zu dürfen.
Andre Sokolowski - 30. Juni 2026
ID 15927
SACRE CHOR (Konzerthaus Berlin, 29.06.2026)
Lili Boulanger: Psalm 130 "Du fond de l’abîme"
Francis Poulenc: Konzert für Orgel, Streicher und Pauke in g-Moll, FP93
Gabriel Fauré: Requiem op. 48
Iveta Apkalna, Orgel
Pen­ny So­fro­nia­dou, Sopran
Hu­bert Za­piór, Bariton
Ka­ro­li­na Gu­mos, Mezzosopran
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Orchester der Komischen Oper Berlin
Dirigent: David Cavelius


Weitere Infos siehe auch: https://www.komische-oper-berlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

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