Igor Levit mit dem
1. und 5.
Klavierkonzert
von Prokofjew
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Bewertung:
Igor Levit (39) - ein Liebling nicht nur des Berliner Musiklebens - spielt die fünf Klavierkonzerte von Sergej Prokofjew an drei aufeinanderfolgenden Abenden. Die veranstaltende Konzertdirektion Hans Adler nennt es...
"...ein Mammutprojekt, das die gesamte kompositorische Entwicklung des russischen Meisters nachzeichnet. Eine körperliche und geistige Höchstleistung, die man nur einmal erleben wird – ein wahres Once-in-a-Lifetime Ereignis, das sämtliche Erwartungen sprengt".
Begleitet wird der Pianist vom Budapest Festival Orchestra, und kein Geringerer als dessen Gründer und Leiter Iván Fischer (von 2012 bis 2016 war er Musikdirektor und Chefdirigent des Konzerthauses Berlin resp. seines Konzerthausorchesters; die Musikerinnen und Musiker boten ihm diese Stellung auf Lebenszeit an, was er allerdings ausschlug) dirigiert.
Gestern fand der erste der drei Prokofjew-Abende statt.
Und los ging's mit den beiden "Eckkonzerten", dem 1. und dem 5. Klavierkonzert.
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Ich hatte zur unmittelbaren Vorbereitung auf dieses Projekt die Erklär-Videos von Igor Levit, die auf YouTube abrufbar sind, gestreamt: Er beschreibt dort, an seinem Steinwayflügel zuhause in Berlin, alle fünf Prokofjews mit demonstrierendem Vorspiel und werbender also leicht verständlicher Sprache:
Das erste Klavierkonzert (vom 21-jährigen Prokofjew zum Abschluss seines Kompositionsstudiums 1912 vorgelegt und selbst gespielt) würde vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. "Es tritt breitbeinig auf. [...] Es fängt an mit einem großen 'hier bin ich' und 'an mir kommt keiner, aber auch wirklich keiner vorbei'."
Beim fünften meint er: "Das ist das schwerste, virtuoseste, ekelhafteste, was du spielen kannst und es muss leicht klingen. [...] Das Fünfte ist ein Meisterwerk, ein Geniestreich sondergleichen. Nicht ganz unkompliziert. Fünfsätzig, dafür recht kurz, 20 Minuten. [...] Ein glänzendes, tänzerisches, positives Werk. Unglaublich bunt und fein instrumentiert. Alle Schwere (im Vergleich zum 2. oder 3.) wäre hier wie verflogen.
Und genauso beherzt und begeistert, wie er mir (in den besagten Videos) die Klavierkonzerte Prokofjews nahezubringen in der Lage war, erlebte ich das jetzt auch live.
Die Dinger scheinen ja, wenn man das so hört und sieht, kaum spielbar - für den Levit freilich kein Problem; er "rotzt" sie runter, ohne auch nur den leisesten Verdacht entstehen zu lassen, dass sie ihm gar technische geschweige denn gestalterische Probleme bereiten würden. Und manchmal geht er derart aus sich raus, dass er während seines Spiels (immer, wenn es auf zugespitzte Art und Weise exzentrisch resp. abgehoben klingt) aufspringt, um kurze Zeit vom Stehen aus weiterzuspielen, und allein das ist schon sehr sehenswert.
Alles in allem hörte es sich als ein grandios aufgeschäumtes Tutti an, obgleich das Orchester an einigen Stellen fast zu dick aufdrehte und sodurch dann der Klavierpart kaum akustisch wahrnehmbar wurde; auch konstatierte ich, dass der Levit mitunter schneller ans Ziel wollte als Fischers Truppen.
Einfach herrlich!
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Screenshot d. YouTube-Videos der Konzertdirektion Adler mit Igor Levit zu PROKOFJEW KOMPAKT vom 23. bis 25. März 2026 in der Philharmonie Berlin | Zugriff: 22.03.2026
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Nach der Pause spielten die Budapester dann noch Prokofjews 5. Sinfonie.
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Andre Sokolowski - 24. März 2026 ID 15763
PROKOFJEWS KLAVIERKONZERTE I (Philharmonie Berlin, 23.03.2026)
Sergej Prokofjew: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Des-Dur op. 10
- Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 G-Dur op. 55
- Symphonie Nr. 5 B-Dur op. 100
Igor Levit, Klavier
Budapest Festival Orchestra
Dirigent: Iván Fischer
Eine Veranstaltung der Konzertdirektion Hans Adler
Weitere Infos siehe auch: https://www.igor-levit.de
https://www.andre-sokolowski.de
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