400 Jahre Dowland
mit Thomas Dunford und seinem Ensemble Jupiter - in der Kölner Philharmonie
|
Bewertung:
Der britische Lautenist und Komponist John Dowland (1563-1626) hinterließ - nachdem er vor 400 Jahren mit 63 Lenzen das Zeitliche segnete - zirka 100 Solostücke für die Laute und fast genauso viele Songs. Er selbst schien sich einer gewissen Melancholie, die ihn Zeit seines Lebens begleitete und (meistens) völlig unverhoffterweise heimsuchte, bewusst zu sein. Das, was er infolgedessen oder auch womöglich prophylaktisch, um mit seiner Dauer-Depri umzugehen, komponierte, hatte ungemein damit zu tun; vermute ich.
"Und allein schon der (autobiografische) Titel verrät einiges über seine lebenslange Gemütslage: Semper Dowland, semper Dolens - 'immer Dowland, immer leidend'."
Das [s.o.] und jede Menge anderweitig Aufschlussreiches zum Thema "Melancholie & Dowland" hat Guido Fischer in seinem lesenswerten Einführungstext zum gestrigen Original.Klang-Abend "Time stands still" in der Kölner Philharmonie geschrieben.
Gastiert hatten Thomas Dunford und das von ihm vor zwei Jahren gegründete ENSEMBLE JUPITER (mit Myriam Rignol, Clémence Schiltz, Mathilde Vialle, Etienne Floutier und Nicholas Milne an ihren Gamben) sowie das hinzubestellte Vokalquartett mit der Sopranistin Melissa Petit, dem Countertenor Hugh Cutting, dem Tenor Thomas Hobbs und dem Bariton Florian Störz.
Dunford, einer der weltweit bekanntesten und wohl auch beliebtesten Lautenisten unserer Gegenwart, mischte bereits seit einer Ewigkeit in ziemlich allen Originalklang-Ensembles von internationalem Rang tatkräftig mit, und in den letzten Jahren konzentrierte er sich mehr und mehr auf seine solistische und - seit der Gründung seines Gamben-Quintetts - ensembleleitende Karriere; ja und so erlebte ich ihn jetzt in dieser fast schon zuchtmeisterischen und v.a. werkvermittelnden und sozusagen "dirigentischen" Funktion, das sah schon toll aus und übertrug sich auf das Publikum im Nu.
Es begann mit dem obig bereits erwähnten Semper Dowland, semper Dolens und setzte sich - fast alles Weitere, quasi attacca, ineinander übergehend - mit Einzelstücken für Laute als wie Solo-, Duett- und Quartettsongs mit Lauten- oder Gambenbegleitung fort; eines der anrührendsten Nummern hierbei war In darkness let me dwell (für eine Singstimme, Laute und Instrumentalbass), gesungen von Thomas Hobbs, ja und das ging einem so richtig nah...
Thomas Dunford kam als Kommunikator nicht nur bei mir gut rüber, auch beim Rest im Saal, mit dem er im Anschluss an sein über zweistündiges Konzert eine Acapella-Mitsinge "erzwang"; so teilte er das Parkett in vier Abteilungen, versorgte es mit jeweils einer Sopran-, einer Alt-, einer Tenor- und einer Basssequenz, die er dann vorsang und die sich leicht behielt, ja und dann stimmten alle ihren Part zusammen an, und sein Ensemble inkludierte die Oberstimmen-Musik - das war selbstredend der absolute Kracher des Abends, und die Leute rasteten danach vor lauter Begeisterung fast aus.
|
Thomas Dunford | Foto (C) Julien Benhamou
|
Andre Sokolowski - 4. Oktober 2026 ID 16074
"Time stands still" (Kölner Philharmonie, 03.10.2026)
John Dowland zum 400. Todestag
Mélissa Petit, Sopran
Hugh Cutting, Countertenor
Thomas Hobbs, Tenor
Florian Störtz, Bariton
Ensemble Jupiter:
Myriam Rignol, Viola da Gamba
Clémence Schlitz, Viola da Gamba
Mathilde Vialle, Viola da Gamba
Étienne Floutier, Viola da Gamba
Nicholas Milne, Viola da Gamba
Thomas Dunford, Laute und Leitung
Weitere Infos siehe auch: https://www.jupiter-ensemble.com/
https://www.andre-sokolowski.de
Ballett | Performance | Tanztheater
Konzerte
Musiktheater
Neue Musik
Rosinenpicken
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!
Vielen Dank.
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
BALLETT | PERFORMANCE | TANZTHEATER
BAYREUTHER FESTSPIELE
CD / DVD
KONZERTKRITIKEN
LEUTE
MUSIKFEST BERLIN
NEUE MUSIK
PREMIERENKRITIKEN
ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski
RUHRTRIENNALE
SALZBURGER FESTSPIELE
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|