Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Konzertbericht

Hohepriester der

Glückseligkeit

in Moll



Leadsänger Stuart Murdoch singt mit Pferdekopf „Judy and the Dream of Horses“ in der Kölner Stadthalle | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



Zu sanften Tönen schwingen viele im Publikum der Köln-Mülheimer Stadthalle das Tanzbein. Anlässlich des 30 jährigen Jubiläums des Albumdebüts Tigermilk sowie If you’re feeling sinister sind Belle & Sebastian derzeit auf einer weltweiten Tournee. Die Indie-Formation, einst aus einem staatlich geförderten Programm für Arbeitslose namens „Beatbox“ hervorgegangen, benannte sich nach der gleichnamigen französischsprachigen Kinderbuchreihe Belle et Sébastien von Cécile Aubry, in der es um einen Jungen und seinen Pyrenäenberghund geht. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden präsentierten die Glasgower ihre beiden ersten Werke in der Domstadt. Wir besuchten das zweite Konzert mit dem Fokus auf If you’re feeling sinister - ein Gefühl, das mit unheimlich, unheilvoll oder böse übersetzt wird.

Den Support übernimmt ab 20 Uhr Sandra Zettpunkt mit ihrem Projekt Music for Your Heart. Die gebürtige Darmstädterin kredentzt perlende Klänge, wobei sie sich selbst an wechselnden E- und Akustikgitarren begleitet. Wir lauschen andächtig ihrem englischsprachigen, warmen Vortrag und wippen zu den nachdenklichen, harmonisch intimen Jangle-Pop-Stücken mit. Die 53-Jährige ist zudem Musikwissenschaftlerin. Sie erzählt von der Hamburger Schule und ihrem Respekt für die schottischen Headliner. Unprätentiös sorgt sie mit reduzierten Arrangements für eine unaufgeregte Atmosphäre.

*

Die Stimmung ist gegen 21 Uhr bereits gespannt. Viele der über tausend Besucher sind von weit her nach Köln angereist. Ich besuchte Belle & Sebastian zuletzt vor zwei Jahren im Kölner Gloria, nachdem ich sie 2018 beim Festival A Summer’s Tale in Luhmühlen kennengelernt habe. Meine Begleitung und ich unterhalten uns auf Englisch mit zwei unmittelbar vor uns wartenden Gästen, die extra aus Schweden und Norwegen kamen, um die Briten zu sehen. Sie berichten enthusiastisch, dass sie die Gruppe schon für über zwei Jahrzehnten live erlebten und begeistert waren. Damals waren die beiden Männer neunzehn beziehungsweise sechzehn. Stuart Murdochs markante Stimme gilt mit ihrem Wiedererkennungswert als Herzstück des Sounds der Band. Sein lässig-melancholischer Gesang zu beschwingten, orchestral-weichen Pop-Melodien war zu dieser Zeit ungewöhnlich und etwas Besonderes, so der Norweger. Die beiden Freunde hatten ihre Idole gefunden, denen sie noch heute hinterher reisen.

Auch an dem Kölner Konzertabend untermalt Stuarts Interpretation von beobachtenden, aufrichtigen und literarischen Lyrics eine wehmütige oder ironische Szenerie. Er singt unmittelbar und mitunter flüsternd. Zärtlich und sanft, beinahe schüchtern stimmt Violinistin Sarah Martin in die Vocals mit ein. Die Darbietung mutet mitunter wie eine intime Übereinkunft zu komplexen, anschwellenden Harmonien an. Der hörbare Glasgower Akzent verleiht der Performance (wie bei Amy Macdonald) eine authentische lokale Note. Musikalisch garantieren Stevie Jackson an der Gitarre, der Mundharmonika und den Backing Vocals, Chris Geddes an den Keyboards und dem Piano, Richard Colburn am Schlagzeug und den Percussions, Bobby Kildea am Bass, der Gitarre und dem Hintergrundgesang, Dave McGowan am Bass, an der Gitarre und den Keyboards eine gut aufeinander abgestimmte, vielschichtige Dynamik. Unterstützt werden sie wirkungsvoll von Jason Covey an den Blasinstrumenten sowie Multiinstrumentalistin Sarah Wilson.

Die Darbietung von If you’re feeling sinister beschert den Anwesenden Nostalgie-Momente und Gänsehaut. Im Bühnenhintergrund werden alte Filmaufnahmen, Super-8-Schnipsel, Fotografien und Grafiken projiziert, welche eine visuelle Sprache früherer Albumcover aufgreifen oder sogar verstärken. Stuart plaudert zwischen den Songs und liefert sich mit Stevie humorvolle Schlagabtausche. Er rät den Anwesenden in kurzen Anekdoten, weiterhin trotz der allgemeinen Weltlage zuversichtlich und optimistisch zu bleiben. Während der Show lädt die Combo Fans auf die Bühne ein, um gemeinsam zu „The Boy With the Arab Strap“ zu tanzen, wodurch die Barriere zwischen Künstlern und Publikum aufgebrochen wird.

Als Zugabe spielen die Glasgower noch auf Wunsch aus dem Publikum „Another sunny day“ aus ihrem siebten Album The Life Pursuit von 2006. Auch nach dreißig Jahren entfacht das Septett Euphorie und hinterlässt ein wohliges Gefühl. Ihr sanfter Indie-Pop hat nichts von seiner Herzlichkeit, Relevanz oder Zeitlosigkeit verloren.



Stuart Murdoch und Stevie Jackson von Belle & Sebastian in der Kölner Stadthalle | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 23. März 2026
ID 15762
Weitere Infos siehe auch: https://www.belleandsebastian.com/


Post an Ansgar Skoda

skoda-webservice.de

Konzerte



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:





MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CD / DVD

KONZERTKRITIKEN

LEUTE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

RUHRTRIENNALE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)