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7./8./9. Oktober 2009, Staatskapelle Berlin, Konzerthaus Berlin, Deutsche Oper Berlin

Schostakowitsch-Konzert, Cuarteto Casals, Falstaff



Falstaff an der Deutschen Oper Berlin | Bildquelle http://www.deutscheoperberlin.de



Als "letzte Würfe" wollen wir die folgenden Rosinen, die wir nacheinander für uns raus pickten, auf einen Punkt gebracht wissen; also: Wir rezipierten Schostakowitschs zweites Violinkonzert, Beethovens Streichquartett op. 130 (mit dem sog. neuen Finale) sowie Verdis Falstaff...

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Gidon Kremer war gekommen! Und er spielte Schostakowitschs spätes Violinkonzert cis-Moll. Es fängt elegisch an, es hält diese Verstimmung auch den zweiten Satz hindurch, sogar im dritten wird der dunkle Farbton zunächst durchgehalten, um dann ganz abrupt in ein Allegro, das sehr spielerisch und "positiv" geraten ist, davon zu driften; dieses Virtuose, was der Hörer also - und bei Violinkonzerten sowieso - ganz prinzipiell erwartet, kann von Kremer dann erst ganz am Schluss bedient sein, vorher freilich sind wir der direkteste der Zeugen einer inwendig verauslebten Melancholie der absoluten Sonderklasse. Daniel Barenboim führt umsichtig und sehr zurückhaltend eine dieses Konzert "begleitet" habende Berliner Staatskapelle; nach der Pause kehrte er sofort das Innerste zum Äußer(st)en; und Schostakowitschs Sinfonie unter dem Titel "Babij Jar" gestaltete sich wahrhaftig zu einem Meilenstein, wir spürten fast schon körperlich, wie ausgerechnet Barenboim mit diesem Werk (ein Stück gegen den Antisemitismus) schwanger geht, und Alexander Vinogradov, extrem jung an Jahren, war ein derart fulminantiger "Erzähler" jener Jewtuschenko-Texte, die als Vorlage zu diesem Opus dienten, dass wir einfach sprachlos waren...

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Das Cuarteto Casals gastierte am 8. Oktober 2009 im Konzerthaus Berlin | Bildquelle http://www.konzerthaus.de


Das Cuarteto Casals spielte - neben Mozart, Schostakowitsch - Beethovens Streichquartett B-Dur op.130. Es zählt zu den Spätwerken des Komponisten, und es ist also, wie alle seine Spätwerke, im Taubheitszustand geschrieben worden. Beethoven muss arg am Suizidversuch des Neffen 1826 laboriert oder gelitten haben; umso "ungewöhnlicher", dass ihm, als letztes abgeschlossnes Opus überhaupt, dieses als Neufinale bezeichnete Allegro geriet. Der Satz ist leicht und abgehoben; er war Austauschsatz für die vorher gemeiselte Große Fuge op. 133, die als siebter Satz dieses Quartett (zuvor) beschloss... / Abel & Arnau Tomàs erkennt man, auch beim Musizieren, gleich als Brüderpaar; und zwischen ihnen beiden sowie Vera Martinez "funkts" hin und her und rauf und runter; Jonathan Brown vermittelt, ziemlich täuschend übrigens, so einen Eindruck eines Nicht-so-recht-dazugehörig-Seins, doch das scheint Trick und Taktik, freilich kriegt man bald und endlich mit, dass nicht zuletzt von ihm, der sichtlich mehr dann an den Noten als die andern "klebt", das Koordinative für die Angelegenheit zu viert ausgeht. Beeindruckendes Spiel!

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Der Falstaff ist die letzte Verdi-Oper; und im Falstaff, einzig nur in ihm, gelang der Komponist zu einem Quasi-Sieg über sich selbst. Wir wissen, spätestens seit Werfels Verdi-Buch, um Verdis "Seelenzustand" in den letzten Jahren seines Lebens, auch dass er (wenn wir uns recht an den Roman entsinnen) Shakespeares Lear vertonen wollte oder ihn begonnen hatte zu vertonen und es letztlich doch nix mit dem Shakespeare-Lear geworden war; er hatte's aufgegeben und die Arbeiten zu ihm vernichtet und verbrannt; und "schuld" an allem war der Wagner-Monolith, also seitdem es Wagner im Bewusstsein Verdis gab, ging nix mehr so wie früher oder so, und Verdi muss in einer echten Schaffenskrise drin gewesen sein etc. pp. - - Falstaff nun macht das Schwere, und von jetzt auf gleich, mit einem Schlage weg. Es gibt von da an, ab dem Schlussakkord des Komponistenlebens, keine "Schwere" mehr. Die Altersweisheit und das Lachen übers Leben, und vor allem über sich, obsiegt. Falstaff drückt einen Optimismus aus, der ansteckender wohl nicht sein kann. // So vermittelt auch in der sehr schönen Inszenierung von Götz Friedrich, die die Deutsche Oper Berlin jetzt wiederaufgenommen hat. Wir sind entzückt über die Qualität ihres Orchesters, das von Michael Schönwandt enthusiastisch und wie auf den Punkt gebracht geleitet wurde. Ambrogio Maestri (Falstaff), Markus Brück (Ford) und Burkhard Ulrich (Dr. Cajus) fallen nicht nur durch ihre Stimmen, sondern auch durch ihre generelle Spiellust auf; die Frauen: geht so... Begeisterter Applaus!


a. so. - 10. Oktober 2009
ID 00000004421
STAATSKAPELLE BERLIN (07.10.09)
Schostakowitsch: Violinkonzert Nr. 2 cis-Moll op. 129
Schosakowitsch: Sinfonie Nr. 13 b-Moll op. 113 "Babij Jar"
Gidon Kremer, Violine
Alexander Vinogradov, Bass
Staatsopernchor (Herren)
Choreinstudierung: Eberhard Friedrich
Prager Philharmonischer Chor (Herren)
Choreinstudierung: Lukás Vasilek
Staatskapelle Berlin
Dirigent: Daniel Barenboim
http://www.staatskapelle-berlin.de

CUARTETO CASALS (08.10.09)
Mozart: Streichquartett G-Dur KV 387
Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 1 C-Dur op. 49
Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 130 (mit sog. neuen Finale)
Vera Martinez, Violine
Abel Tomàs, Violine
Jonathan Brown, Viola
Arnau Tomàs, Violoncello
http://www.cuarteto-casals.com

FALSTAFF an der Deutschen Oper Berlin (09.10.09)
Musikalische Leitung: Michael Schönwandt
Inszenierung: Götz Friedrich
Ausstattung: Timothy O'Brien und Tazeena Firth
Besetzung: Ambrogio Maestri (Falstaff), Markus Brück (Ford), Yosep Kang (Fenton), Burkhard Ulrich (Dr. Cajus), Gregory Warren (Bardolfo), Anke Jerkunica (Pistola), Michaela Kaune (Alice), Heidi Stober (Nannetta), Ewa Wolak (Mrs. Quickly), Julia Benzinger (Meg Page) und Carsten Meyer (Wirt)
Kinderchor und Chor der Deutschen Oper Berlin
(Choreinstudierung: William Spaulding)
Orchester der Deutschen Oper Berlin

Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de




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