Herbert Blomstedt
(1927-2026)
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Foto (C) Gert Mothes
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In meinem Leben gab und gibt es drei Herbert-Blomstedt-Phasen:
Die erste betraf seine Zeit als Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, wo er zehn Jahre in Amt und Würde war - das war schon ziemlich außergewöhnlich, dass es die Kulturbehörden der damaligen DDR schafften, ihn ab 1975 für diesen lukrativen Posten nach Elbflorenz zu locken, und es zeugte freilich auch davon, wie weltberühmt und hochbegehrt das älteste deutsche Orchester (immer schon und also völlig unabhängig davon, in welchem gesellschaftspolitischen Umfeld es augenblicklich wirkte) gewesen war; mit Blomstedt entstanden zig Plattenaufnahmen, viele davon mit Referenzstatus, als Beispiel nenne ich nur Beethovens Ur-Leonore, die er ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Dresdner Studio Lukaskirche aufgenommen hatte. Ich selbst erlebte ihn in einigen Sinfoniekonzerten im Kulturpalast oder als Dirigent von Mozarts Entführung aus dem Serail im Schauspielhaus (der langjährigen Ausweichspielstätte der Staatsoper Dresden) gegenüber vom Zwinger...
Während meiner Umschulung zum Buchhändler sah ich ihn dann live in mehreren Konzerten als Gewandhauskapellmeister in Leipzig (1998-2005).
Und zuletzt - bis heute also - kamen weitere Konzerte mit ihm in Berlin, wo ich seit den Nullerjahen arbeite und lebe, hinzu; in markanter Erinnerung blieben mir da v.a. seine Bruckner-Dirigate, die er zunächst beim DSO, mit dem er einen ganzen Zyklus über Jahre hinweg bestritt, absolvierte - - und den (leider, leider) allerletzten Eindruck davon, dass er der bis dahin vielleicht bemerkenswerteste und belesenste Brucknerdirigent unserer Zeit gewesen sein dürfte, bekam ich vor zwei Jahren, als er Bruckners Neunte mit den Philharmonikern aufführte.
Jetzt hat er uns, ja und obwohl er 100 werden wollte und bereits sein Tourneeprogramm zu diesem runden Jubiläum zusammenstellte, etwas vorzeitig verlassen.
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Herbert Blomstedt (1927-2026) | Foto (C) Gert Mothes
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Ich zitiere aus dem Nachruf des Gewandhausorchesters:
"In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem ehemaligen Gewandhauskapellmeister und Ehrendirigenten Herbert Blomstedt, der am 04.11.2026 im Alter von 99 Jahren in Göteborg verstorben ist.
Mit Herbert Blomstedt verliert das Gewandhausorchester einen der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit, einen außergewöhnlichen Musiker und einen Menschen von seltener Bescheidenheit, Integrität und Güte. Über Jahrzehnte prägte er das musikalische Leben Leipzigs weit über seine Amtszeit als Gewandhauskapellmeister hinaus. Wo immer Herbert Blomstedt das Podium betrat, begegneten ihm Publikum und Orchester mit außergewöhnlicher Zuneigung und tiefem Respekt. Seine Konzerte waren nie Selbstdarstellung, sondern stets ein Dienst an der Musik.
Von 1998 bis 2005 war Herbert Blomstedt 19. Gewandhauskapellmeister. Nach seinem Ausscheiden blieb er dem Orchester als Ehrendirigent in tiefer freundschaftlicher Verbundenheit erhalten.
Noch im hohen Alter stand er mit bewundernswerter geistiger Klarheit, ungebrochener Neugier und großer künstlerischer Präsenz am Pult der führenden Orchester der Welt. Im Jahr 2022 wurde ihm für sein herausragendes Wirken das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Bereits 2017 ehrte ihn die Stadt Leipzig mit ihrer Ehrenmedaille.
Noch im Jahr seines 90. Geburtstages leitete Herbert Blomstedt die vierwöchige Jubiläumstournee des Gewandhausorchesters zum 275-jährigen Bestehen des Orchesters durch Europa und Asien.
Bis zuletzt dirigierte Herbert Blomstedt mit einer künstlerischen Hingabe und inneren Kraft, die Musikerinnen, Musiker und Publikum gleichermaßen berührten."
Und schließlich höre ich mir jetzt noch Beethovens Achte, die er mit dem Gewandhausorchester Mitte der 2020er aufführte, nochmal an; es wäre, wie er oft behauptete, seine Lieblingssinfonie von Beethoven gewesen.
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Andre Sokolowski - 5. November 2026 ID 16131
CD-Tipp: Alle Beethoven-Sinfonien mit Herbert Blomstedt und dem Gewandhausorchester
https://www.andre-sokolowski.de
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