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CD-Kritik

Tour de Prokofjew





Bewertung:    



Die Fotos auf dem Cover präsentieren den Serben Nemanja Radulović als dämonischen Teufelsgeiger, wie er im Buche steht. Er hat die ganze CD jenem Komponisten gewidmet, der wie kaum ein Zweiter für den Übergang von der Klassik zur Moderne steht: Sergej Prokofjew. Zu den Unbekannten gehört er nicht, aber man kann der Meinung sein, dass er im Konzertalltag nicht in seiner ganzen Bedeutung gewürdigt wird. Nemanja Radulovićs Auswahl zeigt ihn in fast 87 Minuten in seiner Vielseitigkeit, freilich hier beschränkt auf die Violine. Das geht fulminant los mit dem nur scheinbar „einfachen“ 2. Violinkonzert von 1935 und reicht von der Sonate für 2 Violinen von 1932 und der späten Sonate für Solovioline von 1947 bis zu Bearbeitungen – unter anderem durch Jascha Heifetz – von Melodien aus der 1., der „klassischen“ Sinfonie und den Bühnenwerken Cinderella, Die Liebe zu den drei Orangen und Romeo und Julia.

Nemanja Radulović besticht durch seinen kraftvollen Strich, der zu der diabolischen Anmutung der Coverfotos passt, wechselt aber auch mühelos in lyrische Stimmungen, die der russische Komponist ebenso beherrschte wie eine suggestive stampfende Motorik, die ihn in die Nähe der etwas älteren Zeitgenossen Bartók und Strawinsky rückt. Es muss nicht immer Peter und der Wolf sein, so bedeutsam diese Tondichtung neben Benjamin Brittens The Young Person’s Guide to the Orchestra für die musikalische Sozialisation sein mag.

Unterstützt wird der Meistergeiger, der unter anderem bei Yehudi Menuhin studiert hat, nicht von großen Namen, sondern von jungen Kollegen, die seine Vitalität teilen: dem Violinisten Johan Dalene, der Pianistin Laure Favre-Kahn und dem Finnen Santtu-Matias Rouvali, der das Londoner Philharmonia Orchestra dirigiert.



Thomas Rothschild – 4. März 2026
ID 15737


Siehe auch:
https://www.warnerclassics.com/de/release/prokofiev-0


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CD

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