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Auf Keith
Jarretts
Schultern
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Bewertung:
Simply Red kommt zu den Jazz Open nach Stuttgart, und die stets käufliche Stuttgarter Zeitung rollt den Roten Teppich aus. Was noch nicht gemeldet wurde: Alexander Zverev steht in der nächsten Fußball-Saison im Tor. Und die Stuttgarter Zeitung bewirbt sich um den Deutschen Buchpreis.
Wir kotzen kurz und verlassen das Irrenhaus. Reden wir vom Jazz.
*1975 erschien die LP The Köln Concert von Keith Jarrett. Sie wurde zu einem Publikumserfolg, wie er im Jazz, anders als in der Pop- und Rockmusik, selten ist. Sensationell war nicht nur die Höhe der Verkaufszahlen, sondern auch der Charakter dieser Live-Produktion, die auch entscheidend zum Ruhm von Manfred Eicher und seinem ECM-Label beigetragen hat. Es handelt sich um ein Klavier-Solo – das ist in der Klassik wie im Jazz alltäglich –, und zwar um improvisierte Musik. Auch das ist im Jazz eher die Regel als die Ausnahme. Aber anders als im Jazz üblich, improvisierte Keith Jarrett in diesem Kölner und vielen nachfolgenden Konzerten nicht über traditionelle oder festgeschriebene Themen, sondern aus dem Augenblick heraus. Man darf zwar annehmen, dass einzelne Motive, Details des Materials im Kopf bereits konzipiert waren, aber im Großen und Ganzen war dies spontane Musik, die allerdings, anders als im Free Jazz (und das dürfte zu dem überwältigenden Erfolg beigetragen haben), im tonalen Bereich blieb und des chaotischen Charakters des damals um Anerkennung kämpfenden Free Jazz in Deutschland entbehrte. Peter Brötzmann hatte seine Fans. Keith Jarrett war ein Massenphänomen auf einer Ebene mit Leonard Cohen oder Bruce Springsteen.
Jetzt hatte der französische Jazzpianist Édouard Ferlet, Jahrgang 1971, angeregt durch den Vorschlag eines Festivals, den Einfall, Jarretts Kölner Improvisationen als Kompositionen aufzufassen und seinerseits darüber unter Zuhilfenahme moderner elektronischer Mittel zu improvisieren. Ein mutiges Unterfangen. Denn ein Vergleich mit dem Superstar drängt sich auf. Aber das Experiment ist geglückt. Das Resultat sind 10 Köln Variations, die ganz unterschiedliche Stimmungen haben, aber allesamt nach Keith Jarrett klingen, nicht im unnachahmbaren Anschlag, auch nicht in Jarretts fast sakraler Attitüde, aber in Melodie und Harmonik.
Thomas Rothschild – 7. November 2026 ID 16137
https://soundchecker.koeln/edouard-ferlet-mit-neuem-album-koeln-variations/
Post an Dr. Thomas Rothschild
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