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CD-Kritik

Und bist du

nicht willig,

so brauch´

ich Gewalt





Bewertung:    



Goethes Erlkönig gehört zu den bekanntesten Balladen aller Zeiten, seine Vertonung durch Franz Schubert zu den bekanntesten Kunstliedern aller Zeiten. Aber Schubert war nicht der Einzige, der Goethes Text vertont hat. Es war also eine schöne Idee, verschiedene Erlkönig-Kompositionen einander zum Vergleich gegenüberzustellen. Sie haben viel gemeinsam, aber auch deutliche Unterschiede. Dabei wird jedoch erkennbar, warum sich gerade Schuberts Variante durchgesetzt hat. Sie ist genial und, bei mancherlei Ähnlichkeit, sogar dem Fragment von Beethoven überlegen, das die Auswahl eröffnet.

Weil die Ballade zu einem großen Teil aus direkter Rede besteht, aber von einem einzigen Sänger vorgetragen wird, bemühen sich die meisten Komponisten um eine auffällige Differenzierung der drei „Sprecher“, des Vaters, des Sohns und des Erlkönigs in kompositorischen Details, in der Tonhöhe, im Timbre, die den Sänger auf eine nicht alltägliche Herausforderung des Liedgesangs stellen. Fast alle Vertonungen imitieren in der Begleitung, vorwiegend auf dem Klavier, das Reiten oder die Nervosität des besorgten Vaters. Zwei Lieder werden auf der Gitarre begleitet, eines, von Louis Spohr, von Violine und Klavier. Und fast alle kosten das Ende aus, in dem die Melodie auf der Pointe, dem Wort „tot“, zu ihrem Grundton findet.

Alle Komponisten der CD sind tot, meist, dem Stoff der Ballade adäquat, Romantiker, bis auf den letzten, Stefan Schulzki, der als einziger die Tonalität verlässt und durch Expressivität ersetzt.

Interpret der dreizehn Liedversionen ist der Bariton Johannes Held, am Klavier sitzt die aus Bulgarien stammende Pianistin Doriana Tchakarova, die die Idee zu diesem Projekt hatte.



Thomas Rothschild – 5. Mai 2026
ID 15834
JPC-Link zu CD Erlkönig


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