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CD-Kritik

Der Opernstar

als Diseuse





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Die Schwedin Anne Sofie von Otter gehört zu den bedeutendsten Opernsängerinnen der vergangenen Jahrzehnte. Immer wieder aber hat sie Exkursionen in andere Gebiete untenommen, zu Genres, bei denen nicht so sehr die „große Stimme“ zählt wie der Ausdruck, die Freude am Spielerischen und auch der Humor. Jetzt liegt unter dem Titel Berlin! Berlin! Berlin! Kabarett und Exil eine CD vor, auf der von Otter, begleitet von dem Pianisten Adam Benzwi und dem Salonorchester der Komischen Oper Berlin, einmal mehr beweist, dass sie in Bars und Nachtclubs ebenso daheim ist wie auf der Opernbühne. Sie beherrscht das laszive oder sentimentale, witzige oder intime, manchmal vielsagende, manchmal auch läppische Genre nicht weniger überzeugend als die dramatische Arie.

Die Auswahl stellt bekannte Chansons namhafter Autoren und Komponisten neben Entdeckungen. Sie alle erinnern jedoch daran, dass es in der Zwischenkriegszeit in Deutschland ein fast gleichwertiges Pendant zur amerikanischen Tradition der Cole Porter oder Irving Berlin gab. Nach 1945 blieb davon in beiden Deutschlands nur ein jämmerlicher Abklatsch. Allerdings haben die meisten Titel dieser CD ihren Ursprung nicht im Kabarett, sondern in Filmen und im Theater.

Höhepunkte sind zwei Lieder zu Texten von Bertolt Brecht, Hanns Eislers "Vielleicht"-Lied aus Die Rundköpfe und die Spitzköpfe und die berühmte "Erinnerung an die Marie A.". Dass Anne Sofie von Otter mit "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" aus dem Film La Habanera in die Fußstapfen von Zarah Leander tritt, ist im Kontext von Exil eher ein Missgriff, selbst wenn man das Schicksal des Regisseurs Detlef Sierck alias Douglas Sirk bedenkt. Auch auf Peter Kreuder könnte ich, zugunsten eines weiteren Liedes von Friedrich Hollaender, gerne verzichten. Aber wer bin ich schon. Anne Sofie von Otter mit der Komischen Oper im Rücken haben ihre eigenen Ideen. Wer dabei lieber an Marlene Dietrich oder Blandine Ebinger denkt als an Hildegard Knef oder Evelyn Künneke, muss sich damit abfinden.



Thomas Rothschild – 3. Juli 2026
ID 15931
jpc-Link zzu Berlin! Berlin! Berlin!


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