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CD-Kritik

Die Würdigung

der Schwester





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Zwei beliebte Behauptungen, die beide mit überzeugenden Belegen aufwarten können, stehen einander im Wege: dass Frauen bis ins 20. Jahrhundert hinein an künstlerischer Betätigung im Allgemeinen und kompositorischer Arbeit im Besonderen gehindert, gegenüber Männern benachteiligt, jedenfalls von Familie und Gesellschaft nicht ermutigt wurden und dass die Medien, die Kritik und der Kunst- bzw. Konzertbetrieb Frauen wenig beachte, ihnen Öffentlichkeit vorenthalte. Wenn die erste Aussage stimmt, gibt es nicht viel, worüber sich berichten, was sich ausstellen oder aufführen ließe. Wenn die zweite Aussage zutrifft, impliziert sie, dass es in der Geschichte zahlreiche Künstlerinnen gegeben habe, die zu publizieren, auszustellen oder aufzuführen sich lohnte, und widerspricht damit der ersten Behauptung.

Für den Beweis beider Thesen wurden in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Anstrengungen unternommen, die zu einer Bereicherung des Kulturangebots und zugleich zu einem Akt der Gerechtigkeit beigetragen haben. Unbekannte, vergessene oder unterschätzte Schriftstellerinnen, bildende Künstlerinnen, Komponistinnen wurden gewürdigt, ihr Werk wurde der Öffentlichkeit präsentiert. Wenn die Jury des Berliner Theatertreffens eben entschieden hat, dass die 2019 beschlossene Frauenquote, also die positive Diskriminierung von Regisseurinnen, in den kommenden zwei Jahren auszusetzen sei, legt das den Verdacht nahe, dass sich manches in dieser Beziehung zum Besseren gewandelt hat. Das kann nicht jede benachteiligte gesellschaftliche Gruppe von sich sagen, zumal wenn ihr, Mangels Masse, eine entsprechende Lobby fehlt.

*

Wenn von diskriminierten Frauen in der Kompositionsgeschichte die Rede ist, wird neben Clara Schumann an oberster Stelle die ältere Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, Fanny Mendelssohn-Hensel, genannt. Jetzt hat Ana-Marija Markovina vier CDs mit der ersten Hälfte ihrer sämtlichen Soloklavierwerke vorgelegt. Eine zweite Box ist angekündigt.

Die insgesamt 78 Stücke sind größtenteils sehr kurz, viele weniger als zwei Minuten lang. Manche haben einen schlichten, liedhaften Charakter, andere erweisen sich als ausgesprochene Herausforderungen für Virtuosen. Beeindruckend ist der Reichtum an melodischen Einfällen. Stilistisch spannen sie einen Bogen von der Barockmusik bis zu Miniaturen, die geradezu als Paradebeispiele für die Romantik gelten können. Entsprechend lässt Ana-Marija Markovina den Bösendorfer teils durch sparsamen Pedalgebrauch wie ein Cembalo klingen, teils wie einen Flügel eben aus der Gründungszeit der renommierten Klavierfabrik.

Die aus Kroatien stammende Pianistin, die sich bereits durch eine umfangreiche Konzerttätigkeit und durch Einspielungen des kompletten Klavierwerks von, unter anderem, Carl Philipp Emanuel Bach und Anton Bruckner einen Namen gemacht hat, hat für das Beiheft einen ebenso kenntnisreichen wie subjektiven Aufsatz beigesteuert. Er dürfte einer gerechten Beurteilung von Fanny Mendelssohn-Hensel dienen. Zusätzlich zu deren noch zu entdeckender Musik. Denn die sagt letzten Endes mehr als alle Manifeste.


Thomas Rothschild – 20. Mai 2026
ID 15870
Hänssler-Link zur CD-Box mit Ana-Marija Markovina


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