Hampeln
auf der
Showtreppe
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Händels Belshazzar an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Jan Windszus Photography
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Bewertung:
Die KOMISCHE OPER BERLIN gilt - im Vergleich zu ihren zwei Stiftungsschwestern Unter den Linden sowie in der Bismarckstraße - als besonders ausgewiesen in Sachen Barock. Das begann mit der sensationellen Giustino-Inszenierung Harry Kupfers unter der musikalischen Leitung von Hartmut Haenchen; diese Produktion von 1984 schaffte es auf fast 100 Vorstellungen und reiste überall dorthin, wo man von ihr Wind bekam, sie war also auch ein echter Exportschlager der damaligen DDR. Nach der Wende spezialisierte es sich weiter, auch aufgrund der sich inzwischen weltweit etabliert habenden historischen Aufführungspraxis. Im Unterschied zu anderen Spitzenhäusern "erledigten" das dann allerdings die Musikerinnen und Musiker des in allen möglichen Stilrichtungen geübten Orchesters der Komischen Opern Berlin selbst, vorausgesetzt sie wurden stilsicher gecoacht und (meistens) von Dirigenten, die sich im Barock und somit auch in der historischen Aufführungspraxis mehr als einigermaßen auskannten, musikalisch geleitet; Konrad Junghänel galt in diesem Zusammenhang als immer wieder hochwillkommen. In der Ära von Barrie Kosky kriegte der insgesamte Barock-Boom an der KOB nochmals richtig Schwung; so wartete er am Anfang seiner Intendanten-Ära mit einem spektakulären Monteverdi-Zyklus auf und inszenierte die Jahre darauf den einen oder anderen Händel...
Jetzt wollte man an all diese Erfolgsgeschichten anknüpfen und bestellte den mit seiner Regie-Handschrift unverwechselbaren Multikünstler Herbert Fritsch (in seiner Dreierfunktion als Regisseur sowie Kostüm - und Bühnenbildner) ans Haus, damit er das Oratorium Belshazzar publikumswirksam herwuchtete.
Das misslang aufs Kapitalste.
Seine die gesamte Bühnenbreite einnehmende Showtreppe sah zwar mehr als imposant aus, und er vermochte auch das ausführende Personal auf ihr hinunter und herauf zu strapazierern, ohne dass es zu unfreiwilligen Stürzen gekommen wäre; es war zur Unterscheidung der jeweiligen (und im Libretto behandelten) Ethnien entweder in bonbonfarbene Fantasiekostüme (= Babylonier), einheitliche Blaumänner (= Perser) oder chassidische Trachten (= orthodoxe Juden) gesteckt und machte unaufhörliche und für Fritsch so urtypische Grimassen und hamplige Bewegungen, was alles wiederum mit dem Stück an sich - sowieso finden in Oratorien meistens keine zwschenmenschlichen Interaktionen statt, was sie für die Bühne untauglich machen sollte - wenig oder nichts zu tun zu haben schien; o wie das alles in seiner sinnlos-szenischen Aufgesetztheit nervte!
Auch musikalisch diesmal kein Top - die einzige, die wirklich gut singen und sängersich auch gut gestalten konnte, war Soraya Mafi (als Belshazzars Mutter Nitocris); ihre Koloraturen: vom Feinsten.
Über den Rest der Besatzung hülle ich mich hier in höfliches Schweigen.
Das Beste vielleicht noch: das Vocalconsort Berlin - seine Choristinnen und Choristen übernahmen den jüdisch-orthodoxen Gruppenanteil, und das machten sich bestechend gut!
George Petrou dirigierte.
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Händels Belshazzar an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Jan Windszus Photography
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Andre Sokolowski - 7. April 2026 ID 15791
BELSHAZZAR (Schillertheater, 05.04.2026)
von Georg Friedrich Händel
Musikalische Leitung: George Petrou
Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme: Herbert Fritsch
Dramaturgie: Wolfgang Behrens
Chöre: David Cavelius
Licht: Olaf Freese
Mitarbeit Kostüme: Sascha-Alexander Todtner
Mitarbeit Bühnenbild: Olga Steiner
Besetzung:
Belshazzar ... Robert Murray
Nitocris ... Soraya Mafi
Cyrus ... Vivica Genaux (Gesang) und Lotte Zuther (Spiel)
Daniel ... Ray Chenez
Gobrias ... Philipp Meierhöfer
Arioch ... Taiki Miyashita
Ein Bote ... Philipp Schreyer
Vocalconsort Berlin
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere an der Komischen Oper Berlin: 28. März 2026
Weitere Termine: 19., 25.04./ 01., 08.05.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.komische-oper-berlin.de
https://www.andre-sokolowski.de
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