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Sympathy

for the Devil



Chaos im JOiN | Foto (C) Matthias Baus; Bildquelle: staatsoper-stuttgart.de

Bewertung:    



Chaos wird vom JOiN, der „Jungen Oper im Nord“, angekündigt als „Eine Pop-Oper – oder ein Musical?, hyper und hybrid, based on a t̶r̶u̶e fake story“, was nicht nur wegen der sprachlich hybriden, aber ganz und gar nicht hypen Formulierung eher abschreckend als verlockend klingt. Autoren des undefinierbaren Auftragswerks sind Clara Pazzini und Leo Schmidthals, die auch für Regie und Musikalische Leitung verantwortlich zeichnen.

Links spielen im Halbdunkel ein Streichquintett, ein Pianist und Leo Schmidthals als Dirigent, der gelegentlich an elektrischen Instrumenten aushilft, rechts bewegt sich ein Perkussionist zwischen seinem reichhaltigen Arsenal. Es beginnt auf der knallroten Bühne mit dem herzförmigen Hintereingang wie eine Parodie auf das Musical Cabaret. Aber das täuscht. Für eine Parodie nimmt sich die Sache zu ernst.

Warum der Text größtenteils englisch sein muss, weiß allein der Teufel. Ob die Schüler, die klassenweise herbei gekarrt wurden, die Sprache so gut beherrschen? Die Übertitelung nützt wenig, man kann sie kaum lesen. Zudem lenkt sie vom Bühnengeschehen ab.

Das findet in einem tatsächlich hybriden Milieu aus Pop und Show statt. Die Story ist eine schlichte Variante des Teufelspakt-Motivs. Der Teufel singt von Sex, Power, Beauty und Pain und gleicht dem Klischee eines Zuhälters aus Harlem. Der allgemeine Rassismusverdacht mag ja bisweilen übertrieben sein. Aber dass der Teufel in Stuttgart schwarz und schwul sein muss, verursacht doch Bauchweh. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass die Kids immun gegen Vorurteilen sind.

Zwischendurch werden im Publikum Lollis verteilt und eine Sängerin glänzt mit Koloraturen, die in die Nähe der Königin der Nacht führen. Überhaupt: sängerisch haben alle fünf Akteure mehr zu bieten als schauspielerisch. Leider reißt einen das musikalische Material – eher epigonale Schlagerharmonik mit seltenen neutönerischen Einschüben – nicht vom Hocker. Und der Regie fällt nicht viel mehr ein, als das Ensemble mit hilflosen Gesten von hinten nach vorne schreiten zu lassen.

Am Schluss siegt nicht der Devil, sondern die Love. Alles in Butter. If you're going to San Francisco...




Chaos im JOiN | Foto (C) Matthias Baus; Bildquelle: staatsoper-stuttgart.de

Thomas Rothschild - 6. Mai 2026
ID 15837
CHAOS (Nord, 05.05.2026)
Musikalische Leitung: Leo Schmidthals
Regie: Clara Pazzini
Bühne und Kostüme: Agathe MacQueen
Choreografie: Linda Steffensen
Besetzung:
Angel ... Lea Sophie Salfeld
Devil ... Elliott Carlton Hines
Sista ... Olivia Johnson
Mista ... Philipp Nicklaus
Perla ... Ida Ränzlöv
Staatsorchester Stuttgart
UA im JOiN der Staatsoper Stuttgart: 30. April 2026.
Weitere Termine: 07., 19., 21., 24.05.2026
Auftragswerk des JOiN

https://www.staatsoper-stuttgart.de/junge-oper/


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