Finnish Radio Symphony Orchestra & Helsinki Chamber Choir
LE GRAND MACABRE von György Ligeti
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Bewertung:
Der diesjährige Eröffnungsabend zum MUSIKFEST BERLIN ging ziemlich lang, auch weil er mit einer halbstündigen Festrede begann - die hielt Meron Mendel; er ist der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main und kuratiert mit der Politologin Saba-Nur Cheemaseit seit zwei Jahren die Thementage "Reflexe & Reflexionen" im Haus der Berliner Festspiele; in diesem Jahr stehen sie unter dem Motto "Die große Unordnung" und befassen sich mit den geopolitischen Umbrüchen in unserer Gegenwart. Mendel war dann von der Festspiele-Intendanz gebeten worden, auch etwas über die wechselvolle Historie der nunmehr 75-jährigen Berliner Festspiele kundzutun, und da fiel (wahrscheinlich nicht nur ihm) zuvörderst auf, dass Leute wie Gerhart von Westerman und Heinz Tietjen, die der menschenverachtenden Kulturpolitik der Nationalsozialisten durch ihre damaligen Führungsposten (als Philharmoniker- und Staatsopernintendanten) verpflichtet waren, zu ihren Gründungsvätern zählten. Was für zwiespältige Anfänge waren das?! Ferner zitierte Mendel mehmals das inzwischen geflügelte Wort von Joschka Fischer, dem ehemaligen Außenminister des Bundesrepublik Deutschland, von der aktuellen "Ungemütlichkeit" unserer Welt und warnte vor politischer Instrumentalisierung der Kultur, vor Aktivismus von rechts wie links und beschwor die Unantastbarkeit der Kunstfreiheit - dafür gab es zustimmenden Beifall.
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Danach dann endlich - und irgendwie auch passend zu den globalen Irren und Wirren unserer Tage - Le Grand Macabre von György Ligeti (1923-2006) als halbszenische Aufführung. Ihr Komponist...
"...der die Gräuel des Zweiten Weltkriegs selbst erleben musste und mehrmals nur knapp dem Tod entging, führt mit seiner zweiaktigen Oper in das fiktive Breughelland, einer totalitär regierten, korrupten und völlig heruntergewirtschafteten Republik, die nach den Bildern des flämischen Renaissance-Malers Pieter Bruegel gestaltet ist. Hier treibt neben Mescalina, der Riesenspinnen haltenden Ehefrau des Hofastrologen Astradamors, und Gepopo, dem Chef der Geheimen Politischen Partei, auch der Große Makabre Nekrotzar sein Unwesen, eine demagogische und mehr als zwielichtige Figur. Beim von ihm prophezeiten Weltuntergang überleben alle den Stichtag – alle, bis auf den Großen Makabren selbst, der von sich behauptet hatte, der leibhaftige Tod zu sein." (Quelle: berliner-festspiele.de)
Ich hab' das Werk schon paarmal gesehen und gehört, und mit zunehmendem Alter konnte und kann ich nicht (also: nicht mehr) sehr viel mit ihm anfangen. Es ist genial komponiert und noch genialer orchestriert - aber von seinem Text her (Libretto: Michael Meschke & György Ligeti) ist es für mich (!) ein sprachlich desaströses und heillos durcheinander purzelndes Scheißstück.
Beim diesjährigen Helsinki-Festival gab es jetzt die Erstaufführung der Ligeti-Oper, und die Ausführenden waren das Finnish Radio Symphony Orchestra, der Helsinki Chamber Choir und handverlesene Solistinnen und Solisten. Mit dieser Besetzung kamen die Gäste, drei Tage nach Helsinki, zum MUSIKFEST BERLIN.
Sechs Protagonistinnen und Protagonisten bestachen in jederlei Hinsicht: Sarah Aristidou (als scherenfingerige und schwindelerregend hoch koloraturierende Chefin der Gepopo), Heidi Melton (als sexuell unausgeglichene und umso übergriffigere Mescalina), der Countertenor Andrew Watts (als schwachdespotiger Fürst Go-Go), Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (als scharf und komisch artikulierender Piet vom Fass), Leigh Melrose (als Möchtegernteufel Nekrotzar) oder Karl Huml (als der von Heidi Melton domestizierte Mescalina-Gatte Astradamors). Aber auch die anderen [alle Namen s.u.] waren sehr, sehr gut.
Die Bühnenregie besorgte Frederic Wake-Walker.
Und dirigiert hatte Nicholas Collon.
Große Begeisterung am Schluss, völlig zurecht.
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Sarah Aristidou als Chefin der Gepopo (in der Mitte) beim halbszenischen Le Grand Macabre zum MUSIKFEST BERLIN 2026 | Foto (C) Fabian Schellhorn
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Andre Sokolowski - 29. August 2026 (2) ID 16009
MUSIKFEST BERLIN (Philharmonie Berlin, 28.08.2026)
György Ligeti: Le Grand Macabre
Sarah Aristidou (Venus und Chef der Gepopo)
Heidi Melton (Mescalina)
Andrew Watts (Fürst Go-Go)
Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Piet vom Fass)
Leigh Melrose (Nekrotzar)
Karl Huml (Astradamors)
Elisabeth Freyhoff (Amanda)
Jingjing Xu (Amando)
Luke Terence Scott (Schwarzer Minister)
Kangyoon Shine Lee (Weißer Minister)
Jussi Merikanto (Schabernack)
Tomi Punkeri (Schobiack)
Sakari Topi (Ruffiack)
Vokalhelden Berlin
Helsinki Chamber Choir
(Einstudierung: Nils Schweckendieck)
Finnish Radio Symphony Orchestra
Dirigent: Nicholas Collon
Halbszenische Aufführung
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinerfestspiele.de/musikfest-berlin/
https://www.andre-sokolowski.de
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