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Freie Szene

Über das Böse

an sich,

aber nicht nur



Florian Graul in Empathy for the Devil von und mit NICO AND THE NAVIGATORS | Foto (C) Dieter Harztwig

Bewertung:    



Die Musiktheater-Company NICO AND THE NAVIGATORS hatte 2021 großes Pech - geplant war (anlässlich 200 Jahre Webers Freischütz, dem Stück, das das bis heute prägende Aushängeschild fürs ehemals Königliche Schauspielhaus am Gendarmenmarkt verkörpert) ein im Zusammenhang mit selbigem Jubiläum stehendes Staged Concert mit sinfonischem Orchester, Band und Solisten; inszenieren sollte das Nicola Hümpel, die Gründerin und Leiterin der Navigators, und als Dirigent war Jonathan Stockhammer vorgesehen. Wegen Corona wurde daraus leider, leider nichts; aber auch die szenisch-musikalische Großproduktion der Oper mit La Fura dels Baus und dem Konzerthausorchester musste sich wegen der Pandemie mit einer Video-Aufzeichnung als Live-Stream begnügen; es war eine deprimierende Zeit, die man sich bei Gott nicht bzw. nie, nie wieder wünschen würde.

Die Navigators mussten ihr geplantes Projekt kürzen und verändern, und heraus kam ihr Empathy for the Devil, das sie jetzt (nach fünf Jahre!) im Berliner Radialsystem, wo auch die Uraufführung war, wiederaufführten:


Ihr Stück untersucht "Ursprung und Funktion des Bösen: Braucht es die negative Gegenkraft, damit das Gute erst Kontur gewinnen kann? Die Notwendigkeit dieser Konstruktion wird zur Diskussion gestellt – nicht, um sie zu rechtfertigen, sondern um sichtbar zu machen, wie das Gute erst im Schatten seines Gegenbilds denkbar wird.

Barocke und zeitgenössische Kompositionen, Opernarien und Pop-Songs bilden die Basis für einen Abend, in dem die Faszination wie die Irritation des Bösen in vielen Facetten verhandelt wird. Als pathetisch-ironischer Gruß an die 'Sympathy' der Rolling Stones wird die Rolle jener im Teufel personifizierten Kraft thematisiert, die laut Goethe 'stets das Böse will/ und stets das Gute schafft'."
(Quelle: radialsystem.de)




Martin Clausen in Empathy for the Devil von und mit NICO AND THE NAVIGATORS
Foto (C) Falk Wenzel


*

Weit über anderthalb Stunde lang brauchte es Geduld, um hinter die die einzelnen "Nummern" zusammenhaltende Dramaturgie des Stücks zu gelangen, stellenweise ermüdete es schon, auch weil immer wieder neue hochtrabende Texte auf Deutsch und Englisch vorgetragen und/ oder miteinander verhandelt wurden; ich selbst baute da intellektuell Stück um Stück ab und versuchte mich (sehr erfolgreich übrigens) mit den insgesamt 26 musikalischen als wie tänzerischen Einzeldarbietungen, als alternative Glücksmomente der Performance, "abzulenken" oder auch nur zu erfreuen:

Nikolay Borchev wuchtete da z.B. sehr beeindruckend die Goldarie des Mephisto aus Gounods Faust, während Peyee Chen, Ted Schmitz und Martin Clausen den Chorpart übernahmen.

Chen und Schmitz waren natürlich auch Solo zu hören, beispielsweise "What Power art Thou" aus Purcells King Athur oder "Now the Great Bear and Pleiades" aus Brittens Peter Grimes.

Schließlich überraschte Clausen mit einem improvisierten Tobsuchtsanfall, als er ein die Vorstellung verlassen wollendes Pärchen lauthals attackierte; die Angesprochenen verblieben dann, ziemlich "eingeschüchtert", auf dem unteren Treppenabsatz und suchten erst das Weite, als der Spuk irgendwie ausgestanden schien und sie sich nicht mehr so vom Rest des Publikums beobachtet fühlten; freilich war das alles nicht besonders wütend-ernst gemeint, sondern Ausdruck einer gewollten Überwältigungssatire.

Der Brakedancer Florian Graul legte zwei oder drei Tanzeinlagen hin; die letzte zeigte ihn - wie alle anderen Beteiligten übrigens auch, also immer mal abwechselnd - als mephistophelische Gestalt und sorgte so dafür, dass man den roten Faden des Stücks ("Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will...") nicht verlor.

Und dann die grandiosen Musiker!! An vorderster Stelle will ich da Milena Mišewitch (Violine) und Paul Hübner (Trompete) nennen.

Enthusiastischer Jubel.

Andre Sokolowski - 17. April 2026
ID 15807
Empathy for the Devil (Radialsystem, 16.4.2026)
Musiktheater von NICO AND THE NAVIGATORS
Künstlerische Leitung und Kostüme: Nicola Hümpel
Musikalische Leitung und Arrangements: Tobias Weber
Musikalische Beratung: Jonathan Stockhammer
Bühne: Oliver Proske
Lichtdesign: Andreas Fuchs
Licht: Torsten Podraza
Ton: Sebastian Reuter
Video: Nova Krause und VictorPiano
Dramaturgie: Andreas Hillger
Mit: Nikolay Borchev (Bariton), Peyee Chen (Sopran), Ted Schmitz (Tenor) und Florian Graul (Tanz & Choreografie), Martin Clausen (Text & Spiel) sowie den Musikerinnen und Musikern Matan Porat (Piano, Cembalo und Keyboard), Tobias Weber (E-Gitarre und Saiteninstrumente), Wolke Mišewitch (Violine), Paul Hübner (Trompete) und Philipp Kullen (Schlagzeug und Perkussion)
UA war am 16. Dezember 2021.
Weitere Termine: 17.-19.04.2026
Eine Produktion von NICO AND THE NAVIGATORS


Weitere Infos siehe auch: https://navigators.de


https://www.andre-sokolowski.de

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