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Ein regionaler Blick auf ein globales Problem



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Sie ist gerade mal zwei Meter breit und vier Meter lang die Wanderausstellung Getting Closer und schafft es tatsächlich, an ausgewählten Orten in Kenia und Tansania die Folgen des Klimawandels zu beschreiben. Die Menschen vor Ort versuchen, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen, zu denen vor allem die zunehmende Trockenheit gehört. Sie müssen mit ihrem Vieh weite Wege in Kauf nehmen und Brunnen bohren, wo früher die Regenfälle ausgereicht haben - und das alles im Zusammenhang mit politisch-gesellschaftlichen Problemen und Missständen bis hin zu bewaffneten Konflikten und Landraub.



Klein und kompakt gibt die Installation einen Einblick in den Klimawandel in mehreren ostafrikanischen Ortschaften | Foto: Helga Fitzner


Der Eintritt für diese kleine Ausstellung ist frei und setzt das schon länger bestehende Konzept des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) fort, regelmäßig kleinere Installationen zu zeigen, um für die Besucher zusätzliche Anreize für einen Besuch zu schaffen. Fotos und mehrere kurze Videodokumentation illustrieren das Leben und Überleben in den besuchten und untersuchten Gegenden. Die neue Direktorin Nanette Snoep ist erst seit wenigen Wochen im Amt und will die BesucherInnen, vor allem die KölnerInnen, einladen „aktiv mitzudenken“. „Wir wollen nicht nur vergangene Kulturen darstellen, sondern auch zeitgenössische Themen aufgreifen“, erklärt Snoep. Im Raum befindet sich eine Wand, an der die BesucherInnen Post-Its mit ihren Gedanken und Ideen anbringen können. „Ostafrika ist weit weg“, meint Snoep, „und trotzdem machen wir hier in Deutschland längst Erfahrungen mit dem Klimawandel. Es mussten letzten Sommer wegen der Trockenheit teilweise Grillverbote verhängt werden.“

Um so bedeutsamer ist das genaue Hinschauen und Forschen in den Regionen, die bislang am schlimmsten von den klimatischen Veränderungen betroffen sind. Kuratiert wurde Getting Closer von der Ethologin Franziska Bedorf und ging aus dem interdisziplinären Forschungsprojekt REAL hervor, „Resilience in East African Landscapes“, in das sieben Forschungseinrichtungen unter der Führung der Universität Uppsala eingebunden waren und das von der EU finanziert wurde. Die ForscherInnen mussten sich das Vertrauen der Menschen erst erwerben, die insbesondere wegen des Landraubs durch meist ausländische Konzerne und der Bodenerosion und Trockenheit, die u. a. durch die verheerenden Monokulturen entstehen, misstrauisch sind. „Gemeinsames Fußballspielen erwies sich als guter Einstieg in die Gespräche“, erzählt Bedorf.

Da viele Menschen in Afrika nicht mehr ihren traditionellen Anbauweisen nachgehen können, befindet sich ihre Kultur, auch ihre Identität, ebenfalls im Wandel. Das führt mitunter zu verstärkten Konflikten untereinander, im besten Fall aber auch zu Kooperationen. Die Forschung umfasst die letzten 1.000 Jahre der geologischen Entwicklung, die anhand von mündlichen Überlieferungen und Bodenuntersuchungen nachvollzogen wird. Diese Veränderungen spielten sich zwar nicht so rasant ab wie die heutigen, aber aus den Untersuchungsergebnissen heraus sollen nachhaltigere und widerstandsfähigere Konzepte für die Zukunft entwickelt werden. „Der Klimawandel ist vielschichtig, bedrohlich und kaum fassbar“, erklärt Direktorin Snoep, „das führt mitunter zu einer Handlungslähmung“. Diese kleine Ausstellung ist ein Schritt zum Verständnis der Lage und gibt den Betroffenen ein Gesicht und eine Stimme. Die Forschungsergebnisse bilden eine solide Grundlage zur möglichen Verbesserung.

Für Direktorin Snoep ist diese Verknüpfung des Museums der Kulturen der Welt mit zeitgenössischen Themen ein wichtiger Ansatz. Solche kleineren Ausstellungen gab es z.B. schon 2018 mit Der Wilde schlägt zurück und mit Wüste – Meer – Schöpfermythen (2017), bevor Klaus Schneider als Museumsdirektor in den Ruhestand ging. Snoep will auch an die Tradition mit den Blockbuster-Ausstellungen anschließen, mit denen das RJM so herausragenden Erfolg hatte. So ist Pilgern (2016) ein großer Publikumserfolg gewesen, wie derzeit auch Fast Fashion, das noch bis 24. Februar 2019 läuft. Das nächste große Projekt ist für 2020 geplant und es soll um nichts Geringeres als die Liebe gehen. Bis dahin wird die Dauerausstellung aktualisiert werden, die vor rund zehn Jahren eröffnet wurde, und es finden Expositionen aus der Fotosammlung und anderen Beständen des RJM statt. Insgesamt soll das Museum unter Snoep flexibler und die Kommunikation über Social Media weiter ausgebaut werden.
Helga Fitzner - 9. Februar 2019
ID 11202
Weitere Infos siehe auch: https://www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum/


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