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Premierenkritik

Das ist Kunst!

Das ist Kultur!



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"Ich wär so gern ein Künstler / Um die Welt neu zu erschaffen / Um Anarchist sein zu können / Um wie ein Millionär zu leben!"

(Michel Houellebecq, Karte und Gebiet)

* *

Jeff Koons und Damien Hirst treffen sich auf der Bühne, aber man kann nicht sicher sein, ob es nicht doch Schauspieler sind. Eigentlich geht es um den Künstler Jed Martin, doch er ist nicht anwesend. Könnte aber jeder Zeit auftauchen.

Nun, wir hören derweil Kuratoren-Geschwafel, geschickte Ansichten eines Kunsthändlers, und im Publikum sitzt so einiges an Käuferpotential. Das treibt natürlich den Preis des Kunstwerks auf dieser Auktion ziemlich in die Höhe: 28 Mill. Dollar stehen im Raum. Oder waren es Euro? Fiktiv gesehen. Überhaupt ist hier alles fake wie auch später auf der Vernissage im Kunstverein. Das Ganze ist schön irritierend und wunderbar amüsant zugleich, um nicht zu sagen "cool". Hier wird die Quintessenz der Moderne verhandelt und mit animalischem Leben verschmolzen. "Now I feel so much better" singt eine abgedrehte asiatische Kunstfigur (Sachiko Hara).

Was kann der Künstler heutzutage für eine Motivation haben? Die Welt darzustellen? Aber ist nicht die Karte interessanter als das Gebiet? Ja, klar! Es ist pixelmäßig alles möglich, die Welt digital nach seinen Wünschen zu formen. Und was ist schon Realität?

All das Lächeln der Kunstkenner, das ernsthafte Gehabe der Galeristen, das aufmüpfige Getue der Künstler ist doch auch nicht echt. Es ist höchstens "so contemporary!"

Nach dem ersten Partysong fühle ich mich schon voll eingegrooved. Und ich lerne mich in angemessen heuchlerischer Weise auf dieser Veranstaltung zu verhalten. Ist es so, dass der Künstler vom Galeristen entworfen wird, und das Werk kommt dann eben nach? Darüber würde ich mich wahnsinnig gerne mit Ihnen unterhalten. Seit Monaten hat das Enfant terrible Künstler nichts mehr zustande gebracht. Kunst ist eben ein Prozess!

Intellektuell kann man sich derweil mit ästhetischen Kriterien befassen, Theorielastige Jungkunst wird von den Kunsthochschulen entlassen, und man darf sicher sein, der Zombieformalismus wartet nur darauf entdeckt zu werden. So ganz nebenbei gesagt ist auch eine Rückkehr zur Malerei zu erwarten. Sammler wollen wieder Unikate, die aber eine transzendente, ja fast metaphysische Message haben müssen, vielleicht wie ein Pollock, nur erschaffen mithilfe einer sexy Farbkomposition.

Und wer ist heute noch rebellisch?

Der Markt hat immer Recht! Da zählen Namen. Ich sage nur "Kippenberger!!"

*

Nach der theatralen Feierlichkeit im Schauspielhaus geht es über zum 2. Akt im Kunstverein:



Die Schuhe der Kuratorin Bettina Steinbrügge. | Foto (C) Liane Kampeter


Das Werk spricht für sich. | Foto (C) Liane Kampeter


Der „Kunsthändler" Michael Weber wird interviewt. | Foto (C) Liane Kampeter


Dort, nach vielen Umwegen angekommen, platzt alles aus den Nähten. Und wieso muss man sich sein Getränk selbst kaufen?? Es fühlt sich an wie die Ausstellung in der Ausstellung, und sogleich trifft man wichtige Berühmtheiten und Künstler-Charaktere.

Die "Kuratorin" Bettina Steinbrügge (Direktorin des Kunstvereins) trägt schon mal die richtigen Schuhe (s. Foto) und hält die stylisch einleitenden Worte. Diese Retrospektive des Künstlers Jed Martin (in Wirklichkeit sind es Werke internationaler Künstler) ist ein gelungener Coop. "Who is who?" könnte man fragen. Und ist der Künstler present?

Ich frage den Kunsthändler seines Zeichens Schauspieler (Michael Weber), wieviel ein Kunstwerk kostet. Es ist ein Zitat, ein an Louise Bourgeouis angelehnter Topf mit Spinnenbeinen. "Keine Ahnung“, sagt er unverfroren. "Und woran erinnert Sie das ?" "Sehr elementar an die Grillsaison."

So einfach ist das mit der Kunst.

Erst war zu vermuten, dass es dort fake Kunstwerke zu bestaunen gibt. Aber nein! Weit gefehlt. Die sind echt! Und das macht das Ganze noch amüsanter. Weil, neben dem Sehen und Gesehenwerden wird auch wirklich was gezeigt.

Sound-Collagen, Installationen, hängende Drahtskulpturen, ziemlich Großformatiges, Malerei... Und jedes Werk spricht für sich.

Außerdem sind echte Galeristen zugegen. Doch wer ist wer?

Die Welt will betrogen werden! Denn das, was kritisiert wurde, fand auch gleichermaßen statt. Es ist ein herrliches Verwirrspiel mit Spaß. So sind sie eben die Künstler, multiple Persönlichkeiten!

Und sind wir laut Beuys nicht alle Künstler?!


Liane Kampeter - 23. April 2017
ID 9982
JED MARTIN - DIE KARTE IST INTERESSANTER ALS DAS GEBIET (Deutsches Schauspielhaus Hamburg + Kunstverein in Hamburg, 21.04.2017)
Idee und Konzept: Anita Schmid und Christoph Luser
Kuratiert: Bettina Steinbrügge, Anita Schmid und Christoph Luser
Bühne: Franz Dittrich
Kostüme: Astrid Klein
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Es spielen: Sachiko Hara, Jan-Peter Kampwirth, Christoph Luser, Anne Müller, Bettina Stucky und Michael Weber
Premiere war am 21. April 2017.
Weitere Termine: 28.04. / 16., 21.05.2017
Eine Kooperation mit dem Kunstverein in Hamburg


http://www.schauspielhaus.de

http://www.kunstverein.de


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de



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