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Museum im Check

Das MOK

Ein Rückblick auf die letzten 40 Jahre des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln


Das Logo vom MOK in Köln


Liu Hai, der unsterbliche Abgesandte des Gottes des Reichtums, scheint am Eingang mit seinem Reif aus Goldmünzen die BesucherInnen förmlich in die aktuelle Ausstellung hineinzuwinken. Vom Museumsteam liebevoll „Goldjunge“ genannt, steht er wohl auch für den unverwüstlichen Optimismus der Museumsdirektorin Adele Schlombs, die von einem solchen Goldregen für das Museum aber nur träumen kann. Nach Das gedruckte Bild ist Alles unter dem Himmel die zweite Ausstellung des MOK im Rahmen des 40. Jubiläums seiner Neueröffnung im Dezember 1977. Schlombs verschaffte sich aus diesem Anlass einen Überblick über die Ankäufe, Schenkungen und Leihgaben der vergangenen 40 Jahre und fasste die höchst unterschiedlichen Exponate thematisch zusammen. Der deutsche Titel ist die Übersetzung der beiden chinesischen Schriftzeichen für „Tianxia“ und spielt auf ein vielschichtiges Konzept an, das u.a. „die geordnete Welt in ihrer großen Vielfalt“ bedeutet. In das Konglomerat der Exponate hat Schlombs erfolgreich eine gewisse Ordnung gebracht.

*

In der Mitte des ersten Raum stehen große buddhistische Skulpturen des 6. bis 16. Jahrhunderts aus verschiedenen Gegenden und Traditionen, die von an den Wänden hängenden Beispielen avantgardistischer japanischer Schreibkunst des 20. Jahrhunderts umrahmt werden. Die Gegenüberstellung verdeutlicht auch den großen zeitlichen Rahmen, der von der Ausstellung abgedeckt wird. Besonders gelungen ist ein aus Einzelexponaten zusammengestelltes Studierzimmer mit einem Tisch, Stuhl, eine Wand mit Kalligrafien und diversen Schreibutensilien auf dem Tisch. Die Möbel stehen auf Teppichen mit wunderbaren Motiven und mit kompliziertester Webtechnik hergestellt.



So könnte das Studierzimmer eines Gelehrten ausgesehen haben | Foto: Helga Fitzner


Die Fläche daneben ist Buddha gewidmet. Der Zen-Buddhismus geht auf den aus Indien stammenden Bodhidharma (483 bis 540) zurück und verbreitete sich in China, Korea und Japan. Im Umfeld der chinesischen Literatenkultur vom 8. bis ins 12. Jahrhundert erlebte Zen eine Blütezeit und hier finden wir viele Illustrationen Buddhas und seiner Lehren, auch wieder über große Zeiträume und Länder hinweg. Das MOK ist besonders stolz auf seine Bestände zen-buddhistischer Tuschmalereien aus der Sammlung von Kurt Brasch, dessen Mutter Japanerin war.

Eine illuminierte Querrolle mit Texten und Illustrationen zeigt die versuchte Verführung Buddhas durch die Töchter des Königs der Dämonen. Das Fragment des Sutras stammt aus der Sammlung von Heinz Götze. - Eines der selteneren Exponate aus Korea zeigt Buddhas „Hauslosigkeit“, indem er sich die Haare abschneidet, setzt er ein Zeichen, dass er die weltlichen Begierden überwunden hat. Dieses Bild heißt Szenen aus dem Leben des Buddha und wurde vom Ehepaar Adolf und Frieda Fischer gekauft, das 1913 das ursprüngliche Museum am Kölner Hansaring gründete und dessen Bestände heute noch eine wichtige Grundlage für das MOK darstellen. Deren Vision war ein Museum, das die ostasiatische Kunst als der europäischen ebenbürtig erfahrbar macht. Während der Pressekonferenz wies Schlombs darauf hin, dass diese Wertschätzung noch nicht erreicht sei und auch eine Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus bislang noch nicht stattgefunden habe. Dem MOK komme besondere Bedeutung zu, weil man aufgrund der horrenden Preise heutzutage keine neue Sammlung mehr beginnen könne.

Deshalb ist Schlombs froh über die vorhandenen Schätze. Schon im dritten Jahrhundert wurden bedeutende Verstorbene mit reichen Grabbeigaben geehrt. Man richtete ihnen regelrechte „Wohnungen für die Ewigkeit“ ein, damit die Seele Unsterblichkeit erlange. Manches Mobiliar ist in Miniatur, andere sind halb lebensgroße Figuren, wie Pferde und Kamele, Exponate aus dem 8. Jahrhundert. Einige Keramiken sind mit der Gold- und Silberschmiedekunst verbunden und Dauerleihgaben der Peter und Irene Ludwig Stiftung, ohne deren Sammlungen die Kölner Museumswelt wesentlich ärmer wäre. Doch auch weltliche Dinge wie das Vergnügen haben ihren Raum, auf die sich schon die vergangene Ausstellung Leidenschaften konzentriert hatte.



Den Verstorbenen sollte es an nichts fehlen. Die Tierskulpturen sind phänomenal | Foto: Helga Fitzner


In einem weiteren Raum sind Beispiele spätkolonialistischer Kunst zu sehen, z.B. stellten die Chinesen Miniaturmalereien für den Export her. In der Porzellanmanufaktur in Meißen, bei Dresden, wurde viel nach chinesischem Vorbild gearbeitet. Fotoalben von Soldaten illustrieren den kolonialistischen Blick, in denen Deutsche ihre Erinnerungsfotos einklebten und kommentierten. Die Ostasiaten wurden von den Europäern z. B. als Opium rauchende Barbaren dargestellt, bedauert Schlombs.

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Seit der Eröffnung des ersten Museums 1913 hat sich aber viel verändert. Als 1977 das jetzige Haus - als Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) - eröffnet wurde, hatte man den japanischen Architekten Kunio Maekawa verpflichtet. Der hat es am ruhig gelegenen Aachener Weiher und gegenüber des bereits bestehenden Japanischen Kulturzentrums in die Natur eingebettet. Er sorgte dafür, dass die Decken hoch genug sind, um ganze Tempelgemälde und große Buddha-Statuen beherbergen zu können, und er legte einen Innengarten im ostasiatischen Stil an. Adele Schlombs, die seit 1991 die Direktorin des MOK ist, verhinderte Umbaumaßnahmen, die dem Wesenskern des Museums zuwider gelaufen wären. Heute ist das MOK das letzte seiner Art in Deutschland, seit im Oktober 2018 das Berliner Museum für Asiatische Kunst ins Humboldtforum eingegliedert wurde. Um so wichtiger ist der Erhalt des Museums, das bereits unter Denkmalschutz steht: „In 50 Jahren wird man glücklich sein, wenn man das noch in Reinkultur erleben kann.“ Adele Schlombs hat auf jeden Fall vor, die Ursprünglichkeit des Museums zu erhalten.



Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Außenaufnahme vom Aachener Weiher aus | © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln (Helmuth Buchen)

Helga Fitzner - 18. November 2018
ID 11052
MUSEUM FÜR OSTASIATISCHE KUNST KÖLN

Öffnungszeiten:

Di - So | 11 - 17 h
Do (nur an den Köln-Tagen) | 11 - 22 h
Mo | geschlossen

Eintrittspreise:
EUR 9,50 | EUR 5,50 (erm.)

Museum für Ostasiatische Kunst
Universitätsstraße 100
50674 Köln

Tel.: 0221.221-28608
Kasse: 0221.221-28617
Fax: 0221.221-28610
Email: mok@museenkoeln.de


Weitere Infos siehe auch: http://museum-fuer-ostasiatische-kunst.de


Post an Helga Fitzner

Ausstellungen

Interview mit Dr. Adele Schlombs
Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln


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