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Ausstellung

Das „Internet“

der Edo-Zeit



(C) Museum für Ostasiatische Kunst

Bewertung:    



Nach einer umfassenden Schatzsuche im Archiv des Museums für Ostasiatische Kunst sind die Direktorin Adele Schlombs und der Kurator Matthi Forrer auf rund 2.000 Holzdrucke gestoßen. Funde, von denen sie selbst überrascht und überwältigt waren. Um die 350 davon haben es in die aktuelle Ausstellung geschafft, die einen Überblick über die Geschichte des japanischen Holzdrucks gibt. Bereits im 8. Jahrhundert waren die Japaner in der Lage, Schwarzweiß-Bilder mittels Holzdruck zu vervielfältigen, indem sie Holzplatten entsprechend präparierten und mit schwarzer Farbe Abzüge herstellten. Ab dem 14. Jahrhundert existieren Drucke, die farbig ausgemalt wurden. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde mit Farbdrucken experimentiert, und wenige Jahre später war der Vielfarbendruck bereits perfektioniert. Ab den 1780ern etablierte sich eine regelrechte Druckindustrie, und die Zahl der Verleger, die für den Vertrieb sorgten, stieg auffallend. Der Bedarf an Drucken war in der Mitte der Edo-Zeit (1603-1868), dem heutigen Tokio, ständig gestiegen. Die Bilder waren in dieser Zeit mutmaßlich ein ähnlicher Quantensprung in der Informationskultur wie heutzutage das Internet.

Am berühmtesten sind wohl die Drucke, die für das volkstümliche Kabuki-Theater „werben“ und vielfach die berühmten Schauspieler abbilden, die ein Ausdruck der Vergnügungsgesellschaft waren. In Edo entstand ein ganzes Vergnügungsviertel in Yoshiwara.



Utagawa Kunichika (1835–1900), Die Schauspieler Onoe Kikugorô V., Nakamura Shigan IV., Sawamura Tosshô II. und Arashi Sanemon X. in dem Stück Shinbei blickt auf alte Zeiten zurück, Farbholzschnitt, 36,4 x 70,9 cm, Japan, 1876. Museum für Ostasiatische Kunst Köln, R 56,39. Foto: © RBA


Deshalb wurden auch eine ganze Reihe Bilder von Sumo-Ringern angefertigt oder von schönen Frauen, die sich in einer Art Katalog abbilden ließen - inklusive einer Preisliste. Da es einen großen Überschuss an Männern gab, die oft als Glückssucher in der wachsenden Metropole Edo unterwegs waren, florierten auch die Bordelle. Einige der gebildeten und kulturell begabten Geishas konnten sich ihre Liebhaber sogar aussuchen, aber es gab auch Frauen, die ihre Dienste wesentlich günstiger anbieten mussten.

Flora, Fauna, Satire, Heldendarstellungen, Übernatürliches sind die Themen, und immer wieder Landschaften, die auch die rege Reisekultur widerspiegeln, inklusive einer Art Reiseführer durch Edo. Einige der berühmtesten Vertreter sind Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige, deren Werke teilweise europäisch inspiriert waren, aber ebenso die europäischen Maler, namentlich die Impressionisten, beeinflussten. Als Leihgaben sind auch verschiedene Originaldruckplatten aus dem Völkerkundemuseum in Leiden ausgestellt, sowie Farben und Farbbehälter. Auch die Frage der Urheberrechte stellte sich in dieser Zeit schon. Was ist Nachdruck, was ist Raubkopie? Die illustrierten Bücher, Kalender- und Gedichtblätter wurden immer populärer. Japan verfügte über eine relativ hohe Alphabetisierungsrate der Bevölkerung, so dass viele lesen und schreiben konnten.

In der Edo-Zeit existierten vier Stände, bei denen der Schwertadel der Samurai zu dem wichtigsten zählte. Gefolgt wurden sie von Bauern, die hohes Ansehen genossen, weil sie die Bevölkerung ernährten. Dann kamen die Handwerker, die in der Lage waren, Dinge herzustellen. Der unterste Stand waren die Kaufleute. Sie waren selbst nicht produktiv und verteilten nur die Arbeit und Errungenschaften anderer. Die Händler waren meist wohlhabend, durften aber kein politisches Amt bekleiden. (Das war sehr klug, wenn man heute die immense Macht der Konzerne bedenkt).

Kurator Matthi Forrer ist bei der Dokumentation auf einige Drucke gestoßen, die nirgendwo anders gelistet sind und bei denen es sich mutmaßlich um Unikate handelt. Forrer meint, dass ungefähr 40 Prozent der Exponate nirgendwo anders auf der Welt zu sehen sein dürften. Alle 2.000 Drucke wurden nun abgelichtet und dem Online-Archiv des MOK einverleibt, damit sie international vernetzt sind. Der ausführliche und wunderbare Katalog ist aus dem selben Grund in englischer Sprache verfasst.

Es ist immer wieder bewundernswert, was die Direktorin Adele Schlombs und ihr Team auf die Beine stellen. Das gedruckte Bild ist eine Ausstellung, für die man sich möglichst Zeit nehmen sollte, um in die wundervollen Werke und ihre Kunstfertigkeit eintauchen zu können.
Helga Fitzner - 2. März 2018
ID 10565
Weitere Infos siehe auch: http://www.museum-fuer-ostasiatische-kunst.de/Das-gedruckte-Bild


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