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Französisches Kino

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Lucien Jean-Baptiste ist ein liebenswürdiger und freundlicher Mensch, wie Besucher der Berliner Premiere der neuen französischen Wohlfühl-Komödie Zum Verwechseln ähnlich am Mittwoch abend feststellen konnten. Entsprechend ist sein Film – in der er selbst auch die Hauptrolle spielt – keine grimmig-sarkastische Komödie geworden – sie spielt allenfalls mit satirischen Elementen. Das gerade in Frankreich weiterhin drängende Thema Rassismus wird hier noch leichtfüßiger und einvernehmlicher behandelt als in Monsieur Claude und seine Töchter 2014 (ebenso wie die ganz am Rande mitverhandelten Themen Homophobie und Geschlechtergerechtigkeit).

Wem die Scherze über ein franco-afrikanisches Paar, das ausgerechnet einen weißen Waisenjungen adoptiert, also als zu harmlos erscheinen, kann das zu Recht bemängeln, denn angesichts der geringen Konfliktpotentiale ist auch die innere dramaturgische Spannung gering. Andererseits versagt sich der sympathische Jean-Baptiste aber auch einer holzhammerigen Methode des Erzählens. Er konzentriert sich vielmehr auf die Darstellung des gutartigen Ehepaares, das trotz eigener Zweifel und der teils massiven Skepsis und Ablehnung von Außen versucht, mit Liebe, Geduld und Optimismus das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Das beginnt schon damit, dass Salimata (feinfühlig: Aissa Maiga) und Paul (herzensgut: Lucien Jean-Baptiste) nur erstaunt gucken und einmal kräftig schlucken, als ihnen das für Adoptionen zuständige Jugendamt ein weißes Baby als zukünftigen Filius vorschlagen. Eine gewisse Gemeinheit ist hinter dieser Aktion verborgen, denn die gutmütigen Salimata und Paul sind gleichsam für ein Experiment mit ungewissem Ausgang auserkoren worden: Werden die erfolgreich in die weiße Mehrheitsgesellschaft Integrierten sich der Verantwortung für ein weißes Kind stellen – und wird ihre Verwandtschaft und ihr Umfeld das akzeptieren, was wiederum negative Folgen auf das erziehungsverhalten des Ehepaares haben kann? Die erste Frage klärt sich rasch: Sali und Paul freuen sich einfach darüber, dass ihr Adoptionswunsch endlich in Erfüllung geht, dass sie bereit sind, gemeinsam (inklusive weißem Nachwuchs) durch Dick und Dünn zu gehen. Die durch die ablehnende Haltung von Salimatas Eltern entstehenden psychischen Belastungen wiegen hingegen schwerer.

Die größten Sorgen bereitet dem Paar jedoch die übervorsichtige Amtsfrau Mme Mallet (Zabou Breitman), die die größte Skeptikerin von allen ist und deswegen viele und überraschende Besuche absolviert, um möglichst ein Haar in der Suppe zu finden. Dass auch diese Figur letztlich ein Einsehen hat, fügt sich in die konsequent auf Feel-Good-Stimmung getrimmte Dramaturgie. Aufgefangen wird die Vorhersehbarkeit der Entwicklung zum Teil durch wunderbare Charakterzeichnungen bis in die Nebenrollen, die zudem überzeugend und pointiert gespielt sind – allen voran Vincent Elbaz als bester Freund des Familienvaters, der kein Glas Wein und kein Fettnäpfchen, in das getreten werden kann, stehen lässt (und damit an Rhys Ifans Darstellung des Spike in Notting Hill erinnert).

Einige der Schauspieler hatte Regisseur Jean-Baptiste auch schon in seiner Vorgänger-Komödie Dieumerci! (2016) verpflichtet, die leider nicht bei uns in den Kinos zu sehen war. Zum Verwechseln ähnlich bringt nun der engagierte Berliner Verleih Neue Visionen in die deutschen Filmtheater, der sich über die Jahre im Umgang mit französischen Komödie aller – pardon – Couleur (nicht zuletzt M. Claude) Verdienste erworben hat und dessen vorletzter Start Monsieur Pierre geht online sogar noch in über 250 Kinosälen bundesweit zu sehen ist.



Zum Verwechseln ähnlich | (C) Neue Visionen
Max-Peter Heyne - 14. Juli 2017
ID 10144
Weitere Infos siehe auch: http://www.zum-verwechseln-aehnlich.de


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