Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Rezension

Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs



Bewertung:    



In Frankreich ist die Komödie von Regisseur Philippe de Chauveron ein großer Hit. Mehr als 10 Millionen Menschen strömten dort ins Kino, um den Clash der Kulturen zu sehen. Damit ist Monsieur Claude und seine Töchter der bislang erfolgreichste Film in Frankreich für dieses Jahr. Auch in Deutschland ist alles für einen Kassenschlager angerichtet. Der Verleih Neue Visionen lässt die Komödie in 220 Kinos deutschlandweit vorführen.




Monsieur Claude und seine Töchter (C) Neue Visionen Filmverleih



Bei der Premiere im Kino International in Berlin waren Regisseur Chauveron und Noom Diawara, einer der Hauptdarsteller, zugegen. Im nahezu ausverkauften Saal bekamen sie, bevor die Komödie gezeigt wurde, noch den Publikumspreis des Filmfestivals Emden verliehen. Chauveron war sichtlich stolz auf die Trophäe, hatte er vorher doch nach eigener Aussage noch nie einen Preis gewonnen. Nicht mal in der Schule. Der Kulturenclash hat auch autobiografische Züge, wie der 48jährige Chauveron verriet. Vielleicht ist Monsieur Claude auch deshalb so ein Erfolg. Die Zuschauer merken, dass viel Humor und Liebe zu den einzelnen Charakteren den Film prägen.

Zur Geschichte: Claude Verneuil (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby) haben vier Töchter. Nacheinander heiraten Odile (Julia Piaton), Isabelle (Frédérique Bel), Ségolène (Emilie Caen) und Nesthäkchen Laure (Elodie Fontan). Der Schock für die gutbürgerlichen und konservativen Eltern: die ausgewählten Bräutigame sind allesamt nicht-katholische Immigranten! Erst der jüdische David Benichou (Ary Abittan), dann der muslimische Rachid Benassem (Medi Sadoun), folgend der Chinese Chao Ling (Frédéric Chau) und zu guter Letzt Charles Koffi (Noom Diawara) – ein Farbiger. Claude und Marie verzweifeln und fragen sich hysterisch, was sie Gott nur getan haben (so lautet übersetzt auch der Originaltitel).




Monsieur Claude und seine Töchter (C) Neue Visionen Filmverleih



Diese Ausgangssituation ist herrlich zugespitzt, aber dennoch brisant. Denn Frankreich ist Weltmeister in Sachen Mischehen – Chauveron zufolge ist das bei unseren Nachbarn jede vierte Heirat. Deshalb können sich viele Franzosen mit dem Thema identifizieren. Auch hier in Deutschland dürfte das nicht viel anders sein. Wer eine politisch korrekte Komödie sucht, ist hier definitiv fehl am Platz. Die Geschichte ist voll von rassistischen Sprüchen und Vorurteilen. Diese werden aber mit klugen, scharfen Dialogen und viel Humor transportiert und sind auch dank der starken Besetzung stellenweise urkomisch. Chauveron lobte hierbei seine Schauspieler, v.a. die vier Schwiegersöhne. Diese sind in Frankreich bekannte Comedians und haben ihren Humor in die Dialoge gekonnt einfließen lassen. Bei der Premiere waren einige Sätze aufgrund des großen Gelächters nicht zu verstehen.

Bemerkenswert: Superstar Christian Clavier (Asterix und Napoleon) wollte die vier Schwiegersöhne vor dem Dreh nicht kennenlernen. So hatten diese innerhalb der ersten Tage Angst vor dem Altmeister, was gut für die Stimmung des Filmes war. Später vertrug man sich natürlich und scherzte miteinander.

Die Kameraführung ist angenehm ruhig und ruckelfrei. Die Motivauswahl trägt viel zur Atmosphäre bei; hier sticht vor allem die große Villa der Verneuils heraus. Die Musikuntermalung ist stimmig, der Schnitt solide und die Ausstattung bestens. Monsieur Claude unterhält durchgehend auf hohem Niveau, sorgt in den 97 Minuten Laufzeit für Kurzweil und gute Laune. Denn selbst die miesepetrigsten Charaktere sind warmherzig dargestellt. Auch wenn die Klischees hin und wieder bedient werden, wird mit ihnen gekonnt gespielt. Es zündet nicht jeder Witz. Mit einer Ausnahmekomödie wie Ziemlich beste Freunde kann Monsieur Claude nicht ganz mithalten. Dennoch ist das hier eine erstklassige Komödie, vom Niveau her etwa Paulette – Die etwas andere Oma zuzuordnen. Selbiger gewann in Emden vor einem Jahr den Publikumspreis und startete anschließend etwas überraschend in Deutschland durch. 576.008 Menschen sahen den Film. Diese Zahl könnte von Monsieur Claude noch getoppt werden. Denn der Film hat alles, um ein Sommerhit zu werden – auch in Deutschland.




Monsieur Claude und seine Töchter (C) Neue Visionen Filmverleih



Stefan Bröhl - 24. Juli 2014
ID 7976
Weitere Infos siehe auch: http://www.monsieurclaude.de


Post an Stefan Bröhl



 

FILM Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

BERLINALE

DOKUMENTARFILME

EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM
Reihe von Helga Fitzner

FERNSEHFILME

FEUILLETON
Beiträge zu Film und Festivals

INTERVIEWS

NEUES DEUTSCHES KINO

SPIELFILME

TATORT IM ERSTEN
Gesehen von Bobby King

UNSERE NEUE GESCHICHTE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de