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Rezension

Filmstart: 2. Januar 2014

Imagine (F/GB/PL/P 2012)

Drehbuch und Regie: Andrzej Jakimowski




Zeig' mir deine Welt

Blinde und wie sie die Welt sehen: Imagine ist ein großartig leichter und sonniger Film über die menschliche Vorstellungskraft!

* * *

Ian ist charmant, eigenwillig und noch dazu blind – und ein Hochstapler. Ian mogelt ein bisschen über das, was er tut, für eine guten Sache: Der Blindenlehrer will seine Schüler zu noch mehr Einbildungskraft inspirieren, d.h. ihre Sensibilität für die Leistungsfähigkeit des "inneren Auges" schärfen. Er selbst benutzt aus Prinzip keinen Blindenstock, sondern verlässt sich auf sein Gehör. Er schnalzt, er schnippt, er läuft auf Sohlen mit Metallplättchen und sendet so Schallwellen auf, deren Echo er registriert und auswertet wie es auch Delfine oder Fledermäuse tun. Ian (Edward Hogg) achtet auf alle Geräusche ringsum und kann sich daher die Räume, in denen er sich bewegt, ziemlich gut imaginieren. Damit weckt der blinde Brite Zweifel bei seinen jungen Schülern, die aus verschiedenen europäischen Ländern in einem ehemaligen Kloster in Lissabon unterrichtet werden, vor allem aber auch den Argwohn des auf die Sicherheit der Schüler bedachten, konventionellere Methoden bevorzugenden Schulleiters.



Foto (C) Neue Visionen


Unter flirrender südlicher Sonne, aber quasi eingeschlossen wie in einem Gefängnis, ist auch die erwachsene Eva (Alexandra Maria Lara), die sich seit ihrer Erblindung nicht mehr vor die Tore des Schulheimes traut. Sie ist von der selbstbewussten Art Ians elektrisiert und bittet ihn schon bald, sie auf einem seiner Ausflüge durch Lissabon mitzunehmen, die Ian scheinbar unbekümmert von allen Risiken regelmäßig unternimmt. Zusammen mit der schüchternen, unsicheren Lara erhält der Zuschauer eine aufschlussreiche und inspirierende Lektion in der Methode der Echoortung: Die Welt erhält ihre Vielgestaltigkeit zurück, die ein Sehender meist nicht mehr beachtet. Während der Recherchen und Castings, die in vielen Ländern Europa durchgeführt wurden, stieß Regisseur Andrzej Jakimowski und sein Filmteam auf sechzehn blinde bzw. sehbehinderte Kinder und Jugendliche, die echoortende Methoden benutzten, die nun quasi ihr eigenes Schicksal als Heimschüler spielen. Zwei dieser Kinder (Denilson Gomes, Tiago Oliveira) nutzen die Echoortung durch Zungenschnalzen und Fingerschnippen, die für den Dreh verwendet wurde und dem Film zusätzliche Authentizität verleiht.




Foto (C) Neue Visionen


Der Konflikt, den Andrzej Jakimowski in Imagine schildert, ist zwar ein altbekannter Topos des pädagogischen Dramas: Der reformorientierte, neue Lehrer trifft auf harte Widerstände bei seinen altgedienten Kollegen, die jede Gelegenheit nutzen, seine Methoden zu diffamieren. Aber einerseits verleiht das Thema der Blinden-Echoortung der Geschichte eine ganze eigene Färbung. Zum anderen hat Jakimowski Stereotypen vermieden und stattdessen seine Hauptfigur so ambivalent und vielschichtig ausgestaltet, dass durchaus Zweifel bestehen bleiben, ob den Weg, den Ian wählt, für jeden seiner Schülerinnen und Schüler der richtige ist. Bei Eva jedenfalls hat Ian auch als Mann Erfolg: Sie findet ihn nach dem ersten Schreck buchstäblich blind inmitten des Großstadttrubels wieder. Kameramann Adam Bajerski lässt die Methode der Echoortung durch Abfolgen von Halbnah-Einstellungen und Großaufnahmen nachvollziehbar werden, in denen das Wesentliche nicht oder nur ansatzweise zu sehen ist. Aber auch die Filmmusik von Tomasz Gąssowski trägt zur besonderen Atmosphäre in diesem Film bei, den Regisseur Jakimowski bewährt leichthändig inszeniert hat.




Foto (C) Neue Visionen


Bewertung:    




Max-Peter Heyne - 30. Dezember 2013 (3)
ID 7494
Weitere Infos siehe auch: http://www.imaginethefilm.org/


Post an Max-Peter Heyne



 

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