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Filmkritik

Der Regisseur von der Frau, die sich traut hat sich zu wenig getraut





Sprung ins kalte Wasser

Wenn jede Woche ein Dutzend oder mehr neue Filme in die deutschen Kinos drängen, dann bleibt es wohl nicht aus, dass einige Themen häufiger vorkommen. Prostitution unter jungen Frauen und die Liebe zwischen jungen Frauen gehören in diesem Herbst dazu, aber auch der Wunsch reiferer Menschen, über eine sportliche Herausforderung noch einmal neuen Lebensmut zu schöpfen. Nachdem Dieter Hallervorden als unruhiger Rentner auf der Leinwand Sein letztes Rennen lief, folgt nun Steffi Kühnert als Die Frau, die sich traut durch dem Ärmelkanal zu schwimmen. Auch der von Marc Rensing geschriebene und inszenierte Film bietet eine rundum glaubwürdige Story und herausragende schauspielerische Leistungen – allen voran Steffi Kühnert als Frau, die im Angesicht einer Krebserkrankung ihr bisheriges Leben umkrempelt (siehe Interview).

Leider ist Die Frau, die sich traut nicht so schwungvoll und kunstvoll ausbalanciert wie Sein letztes Rennen von Killian Riedhoff. Denn merkwürdigerweise gibt Regisseur und Ko-Autor Marc Rensing den (zugegebenermaßen authentischen) Einblicken ins kleinbürgerliche Milieu gegenüber den sportlichen Aspekten der Geschichte den Vorzug, so als wollte er es seiner Heldin gleichtun, es mit den Anforderungen nicht gleich zu übertreiben. Rensing hat mit seiner Ko-Autorin Annette Friedmann eine Protagonistin entwickelt, für die es offenkundig eine größere Herausforderung ist, die längst erwachsenen Kinder nicht mehr im Übermaß zu verwöhnen und endlich loszulassen, als sich zur Durchquerung des Ärmelkanals aufzuraffen. Es hat durchaus seinen Reiz, einer Frau bei ihrer verspäteten Emanzipation zuzusehen, andererseits steht der familiäre Erzählstrang einem starken Spannungsbogen im Wege. Denn dass die Hausfrau Beate sich traut, weniger an ihre Kinder und stattdessen mehr an sich zu denken, wird relativ schnell klar. Aber ob sie 40 Kilometer in 14 Grad kaltem Wasser an einem Stück durchhalten kann, ist die deutlich unsicherere, also per se spannendere Frage.

Immerhin zeigt der Film, welche Vorbereitungen Menschen treffen müssen, die die Meerenge zwischen Dover und Calais durchschwimmen wollen: Eisbäder und Konditionstraining sind Pflicht, denn selbst bei guter körperlicher Verfassung dauert eine Kanaldurchquerung mindestens sechs bis sieben Stunden. Nur jeder fünfte Versuch gelingt, wobei im Jahre 2012 wohl insgesamt über 300 Schwimmer angemeldet waren, denen es wegen der starken Strömung und des starken Schiffsverkehrs an dieser Stelle (ca. 500 Frachtschiffe pro Tag!) lediglich erlaubt ist, unter Aufsicht eines Beibootes eines bestimmten Vereins von Großbritannien Richtung Frankreich zu schwimmen. Im Film sieht man von den widrigen äußeren Bedingungen leider nichts (anders als etwa in dem hochdramatischen französischen Flüchtlingsdrama Welcome - Grenze der Hoffnung von 2009).

Die dramaturgische Schlagseite in Rensings Film machen die durchweg spielfreudigen Darsteller einigermaßen wett: Steffi Kühnert gestaltet die Verwandlung von der biederen Hausfrau und Ost-Mutti zur mental wild entschlossenen Extremsportlerin sehr überzeugend. Aber auch Jenny Schily als ihre lebenslustige beste Freundin Henni und Steve Windolf als smartes Muttersöhnchen sind sehr sehenswert. Rensings Stärke liegt offenkundig in der Ausgestaltung von Durchschnittsbürgern und der Schilderung ihrer Lebensverhältnisse, gerade auch, wenn diese aus dem Lot geraten. Schade, dass er sich dramaturgisch nicht noch mehr in tiefe Gewässer gewagt hat.




Steffi Kühnert als Die Frau, die sich traut - Foto (C) X-Verleih


Bewertung:    



Max-Peter Heyne - 12. Dezember 2013
ID 7455
Weitere Infos siehe auch: http://www.diefraudiesichtraut.x-verleih.de/


Post an Max-Peter Heyne



 

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