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Interview

STEFFI KÜHNERT

...die die Frau spielt, die sich traut, durch den Ärmelkanal zu schwimmen


Foto (C) X-Verleih



Steffi Kühnert wurde vor allem durch ihre Rolle in dem Beziehungsdrama Halbe Treppe berühmt, das Regisseur Andreas Dresen 2001 in Frankfurt/Oder gedreht hat. Seitdem hat Kühnert mehrfach für Dresen gespielt, unter anderem in Wolke neun und Halt auf freier Stecke. Die vielseitige Mimin war aber auch in Filmen wie NVA, Das weiße Band oder Der Turm zu sehen. Vor ihrer Film- und Fernsehkarriere stand Kühnert regelmäßig auf verschiedenen großen Bühnen, so u.a. in Weimar, Wien, München, am Deutschen Theater Berlin und der Schaubühne Berlin. Kühnert ist Absolventin der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, wo sie heute auch als Professorin für Schauspiel unterrichtet.

Als Die Frau, die sich traut ist Kühnert in der Rolle einer ehemaligen DDR-Leistungsschwimmerin zu sehen, die im Angesicht ihrer Krebserkrankung ihr Leben umkrempelt und sich den Traum erfüllen will, in einem Stück die rund 40 Kilometer durch den Ärmelkanal zwischen England und Frankreich zu durchqueren.


* * *


Frau Kühnert, sind Sie selbst eigentlich eine begabte oder begeisterte Schwimmerin?

Steffi Kühnert:
Ich muss zugeben, Schwimmen ist nicht gerade meine Sache. Ich habe für den Film trainiert und war entsprechend oft im Schwimmbad. Aber grundsätzlich habe ich durch die Rolle noch einmal gelernt, wie wichtig es ist, etwas für sich selbst zu machen. Im Alltag vergisst man das oft, aber die Lebenszeit vergeht so schnell, dass man sich den Wert eines gesunden Lebens immer wieder bewusst machen sollte. Das ist oft leichter gesagt als getan.


War Ihnen klar, welche Anstrengungen durch den Film auf Sie zukommen würden?

S. K.:
Ich hatte gar keine konkrete Vorstellung, was mich beim Drehen des Films erwartet. Aber vielleicht habe ich die Anstrengungen im Vorfeld ausgeblendet, weil ich mich so sehr auf die schöne Aufgabe gefreut habe. Für eine Frau in meinem Alter sind attraktive Hauptrollen wie diejenige in Die Frau, die sich traut ja leider sehr rar gesät.


Wie lange sind Sie täglich für die Dreharbeiten geschwommen?

S. K.:
Ich habe während der fünf Wochen Drehzeit maximal 15 Minuten am Stück in der kalten Ostsee verbringen können. Der Zuschauer kann sich ja denken, dass ich nicht selber so viel geschwommen habe wie die Geschichte suggeriert. Es sollte aber glaubwürdig aussehen. Es gab viele Glücksmomente, zum Beispiel verspürt man etwa 20 Sekunden größte Euphorie, wenn man aus dem kalten Wasser steigt. Aber dann fängt man schon bald unkontrolliert zu zittern an. Ich war selbst überrascht, dass ich all das mitgemacht habe und ich war während der ganzen Zeit auch nie krank. Aber den Ärmelkanal durchschwimmen wäre privat nichts für mich, vor allem weil ich eine unruhige, hibbelige Person bin. Das stundenlange Schwimmen wäre mir schon beim Training vor allem auch mental zu anstrengend.


Sie sagen Ostsee, demnach wurde nicht im Ärmelkanal gedreht?

S. K.:
Am Ärmelkanal selbst haben wir nur einmal gedreht, nämlich die kurzen Bilder auf der Fähre in Dover und wie ich beim Start der Durchquerung ins Wasser gehe. Die anderen Schwimmszenen haben wir an der mecklenburgischen Ostseeküste gedreht, die quasi den Ärmelkanal gedoubelt hat. Beides war hart, denn die Wassertemperatur war zur Drehzeit Oktober 2012 nur um die 13 Grad Celsius. Wenn man Glück hat, ist es im Kanal um die 17 Grad, aber auch dann zählt das Abhärten zu den wichtigsten Vorbereitungen, damit man während der langen Schwimmzeit nicht unterkühlt. Dazu zählen tatsächlich Eisbäder wie wir sie im Film zeigen. Auch mein Schwimmdouble Margit Bohnhoff, die schon selber den Ärmelkanal und die Meerenge von Gibraltar durchschwommen hat, macht solche Übungen.


Die dunkle Vergangenheit mit dem Doping im DDR-Schwimmsport wird nur angedeutet. Was das von Anfang an so geplant?

S. K.:
Ja, das stand schon so im Drehbuch, denn der Ko-Autor und Regisseur Marc Rensing wollte hauptsächlich die Geschichte einer Frau erzählen, die noch einmal eine Herausforderung sucht. Das Thema DDR-Doping wäre ein Film für sich.


Stört es Sie eigentlich, dass viele Sie durch Halbe Treppe als Andreas-Dresen-Veteranin einordnen?

S. K.:
Nein, warum sollte es? Wir haben eine wunderbare Zeit damals in Frankfurt/Oder gehabt, bei der wie am Theater alles erst einmal durchgespielt wurde – ohne Buch, nur improvisiert. Die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmte einfach. Und wir haben Glück gehabt, dass Andreas Dresen uns so viel Freiheit gelassen hat, aber am Ende auch ein so überzeugendes Ganzes dabei herausgekommen ist. Denn das konnten wir als Schauspieler ja nicht genau wissen. Das viele Material, was wir gedreht hatten, hätte statt einer Tragikomödie auch ein Melodram hergegeben.





Die Frau, die sich traut - Foto (C) X-Verleih


Interviewer: Max-Peter Heyne - 12. Dezember 2013
ID 7456
Weitere Infos siehe auch: http://www.kultura-extra.de/film/filme/filmkritik_diefraudiesichtraut.php


Post an Max-Peter Heyne



 

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