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Filmkritik

Gilliams Ode

an die Träume


THE MAN WHO KILLED
DON QUIXOTE


Bewertung:    



Nach 25 Jahren abenteuerlicher Entstehungsgeschichte hat Terry Gilliam die wundersamen Begebenheiten um Don Quichotte, dem Ritter von der traurigen Gestalt, endlich in die Kinos gebracht. Frei nach dem im 17. Jahrhundert entstandenen Roman des legendären Cervantes erzählt Gilliam die Odyssee eines Mannes, der zu viele Ritterromane las, dem Wahnsinn verfiel und sich als fahrender Ritter auf den Weg machte, um Heldentaten zu begehen, seiner Angebeteten keusch zu huldigen - und sich dabei ständig Blessuren zuzog. Cervantes' detailreiches Meisterwerk gilt als unverfilmbar, und es können allenfalls einzelne Szenen ausgewählt werden, namentlich Don Quichottes berühmter Kampf gegen die Windmühlenflügel, die er für Riesen hält. Doch Gilliam wollte mehr. Als Mitglied der Monty-Python-Gruppe, die in den 1970er bahnbrechende Comedy-Shows entwickelte, in deren Stil er dann Filme wie Die Ritter der Kokosnuss und Das Leben des Brian inszenierte, waren er und die Gruppe ihrer Zeit weit voraus. Auch wenn es einem Wunder gleichkommt, dass Gilliam nach mehreren Versuchen The Man Who Killed Don Quixote doch noch fertigstellen konnte, hat der Film zwar einen großartigen Schauwert, ist aber inhaltlich und strukturell stellenweise verwirrend und unverständlich, selbst wenn man ihm surrealistische Sequenzen zugesteht. Darüber trösten die großartigen Kulissen, Kostüme und SchauspielerInnen allerdings hinweg.

Der Film wird von einzigartig guten SchauspielerInnen getragen, darunter Stellan Skarsgård und Olga Kurylenko in Nebenrollen. Adam Driver spielt den zynisch-arroganten Werbefilmer Toby, der als Student einen Film über Don Quichotte herstellte und sich nun in der Nähe des damaligen Drehortes aufhält. Auf der Suche nach dem Schuhmacher, der damals Don Quichotte (Jonathan Pryce) spielte, findet er ihn als alten Mann vor, der sich immer noch für den Ritter hält und in Toby seinen Knappen Sancho Pansa wiederzuerkennen glaubt. So tritt eine Dopplung der Handlung auf, die Cervantes' Themen aufgreift und sie mit der Gegenwart spiegelt.



Toby (Adam Driver) begleitet als Sancho Pansa den Mann, der sich für Don Quichotte (Jonathan Pryce) hält. | © Diego Lopez Calvin / Concorde Filmverleih


Während seiner Reise wird Toby immer wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert, denn die Dreharbeiten haben die Menschen aus ihrer dörflichen Idylle heraus gebracht. Die einstige Unschuld von Lande Angelica (Joana Ribeiro) ist an ihrer Selbstüberschätzung als vermeintlicher Filmstar gescheitert und lässt sich nun von dem reichen aber üblen Wodka-Fabrikanten Alexei Mishkin (Jordi Mollá) quälen. Und auch aus dem einst idealistischen Filmstudenten Toby ist ein karriere-orientierter Werbefilmer geworden, der seine Träume und Visionen von damals dem Gewinnstreben, Affairen und Oberflächlichkeiten geopfert hat. Anstatt echte Träume zu leben, verkauft er künstlich geschaffene. Wie bei Don Quichotte kämpfen die Macht der Vernunft und der Fantasie gegeneinander, doch bei Don Quichotte hat die Fantasie gesiegt. Er bildet sich wirklich ein, ein Leben in Edelmut, Tapferkeit und Vorbildlichkeit zu führen, indem er die Bösen besiegen und die Schwachen beschützen will.

Der Showdown ist aufwändig und mit einer gewaltigen Bilderpracht gefilmt. Der Drehort für „Alexeis Palast“ ist der atemberaubende Convento de Cristo im portugiesischen Tomar, wo die abschließende Karnevals- und Kostümparty regelrecht gezündet wird. The Man Who Killed Don Quixote ist bei aller Kritik ein Fest für Monty-Python-Fans. Schräger Humor, Absurdität, Klamauk und ein Schuss Gesellschaftskritik gehören dazu. Verstehen muss man auch nicht alles, womit man in der gleichen Situation wie Don Quichotte ist. Seinen Traum von einer Don-Quichotte-Verfilmung hat Gilliam sich nun erfüllt mit einem respektablen Ergebnis.
Helga Fitzner - 27. September 2018
ID 10941
Weitere Infos siehe auch: http://www.DonQuixote-Film.de


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