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Lore (Dagmar Manzel) ist ziemlich genervt von ihrem Mann Harry (Joachim Król), der seit seiner Pensionierung nur noch im großen Garten des erst kürzlich abbezahlten Hauses wirtschaftet. Morgens gibt es das kleine Ritual des mit der Hand gemahlenen Kaffees, mit dem er seine Frau und sich selbst verwöhnt, ansonsten spielt er gelegentlich Golf, aber das war es auch schon. Lore wäre damit nicht zufrieden. Auch sie könnte längst im Ruhestand sein, arbeitet aber als Bibliothekarin weiter; die Organisation von Autorenlesungen gehört dabei zu den Highlights. Da trifft die Einladung zur Hochzeit ihrer entfremdeten Tochter ein, die in nunmehr dritter Ehe einen sehr wohlhabenden Mann heiratet, der vom Alter her ihr Vater sein könnte. Lore will hin. Harry nicht. So entwickelt sich in Alte Liebe ein heiter-ironisches Beziehungsdrama unter der Regie von Andreas Dresen.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des erfolgreichen Autorenpaars Elke Heidenreich & Bernd Schroeder, die über 20 Jahre lang verheiratet waren. Sie schrieben den Dialogroman so, dass Heidenreich die Lore und Schroeder den Harry übernahm. Es sind autobiografische Erfahrungen eingeflossen, und manchmal konnten die fiktiven Charaktere sich einigen, manchmal aber auch nicht, wie das in Beziehungen so passiert. Umrahmt wird die Geschichte von der eher spärlichen Handlung um die Hochzeit der Tochter und den Ferienaufenthalt ihrer Enkeltochter Laura (Anna von Seld) bei ihnen.

Ein weiteres bemerkenswertes Team, nämlich Andreas Dresen und Laila Stieler, arbeiteten dieses Mal gemeinsam am Drehbuch. Stieler schrieb schon die Drehbücher zu Dresens Filmen Gundermann (2018), Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush (2022) und In Liebe, Eure Hilde (2024).

Sie haben den Roman behutsam vom Westen in den Osten verlegt. Aus den beiden Alt-Achtundsechzigern wurde ein Paar, das in der DDR lebte und die Wendezeit durchmachte. Die Romanvorlage ist so profund und universell, dass sie den Transfer gut überstand. Dresen und Stieler konnten als ehemalige DDR-Bürger dadurch etwas aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz beitragen. Der DDR-Bezug ist frei von Ostalgie und eher Kolorit, denn die Höhen und Tiefen von Beziehungen kennen keine Grenzen. Sowohl der Roman als auch der Film sind sehr ausgewogen. So halten sich das Männliche und das Weibliche die Waage, aber auch Ost und West, denn Joachim Król ist im Ruhrgebiet im Westen aufgewachsen und Dagmar Manzel in Ost-Berlin. Besonders ihre verbalen Scharmützel im Supermarkt haben Kult-Potential.

Die Buchkapitel wurden geschickt in vier Jahreszeiten beginnend mit dem Frühling eingeteilt. Die im Buch zu Autorenlesungen erscheinenden Schriftsteller Martin Walser und Daniel Kehlmann wurden durch Christoph Hein und Clemens Meyer ersetzt, die Dresen von seinen Literaturverfilmungen her kannte und für die Stieler und er witzige Cameo-Auftritte ersonnen haben. Der Film wird getragen vom Respekt der Romanvorlage und dem Schaffen der beteiligten Künstler gegenüber. Er trägt dem Esprit und der Quintessenz des Buches Rechnung, nimmt sich dabei aber auch genug Freiheiten, einen gelungenen Transfer ins Medium Film zu gewährleisten.

Das sichtbare Team sind Dagmar Manzel (Der verlorene Mann, 2026) und Joachim Król, bei denen die Chemie wunderbar stimmig ist und denen Kameramann Michael Hammon mit vielen Nahaufnahmen ziemlich auf den Leib rückt. Doch das Spiel der beiden Mimen ist so sicher und souverän, dass das zur Intensität des Films beiträgt. Da gibt es überwiegend von Lores Seite eine Menge Bissigkeit, aber auch Harry kann austeilen. Trotz allem ist da noch viel Liebe, die über die Jahre Patina angesetzt hat. Neben dem Altern sind auch Generationenkonflikte ein Thema, wobei beide unabhängig voneinander Lores Mutter Leni (Liane Düsterhöft) regelmäßig im Pflegeheim besuchen, obwohl die nicht mehr ansprechbar ist. Wenn man Lores hinfällige Mutter sieht, versteht man, warum sich Lore noch nicht mit dem Ausscheiden aus der Arbeitswelt befassen will. - Zur Enkeltochter finden die Großeltern keinen richtigen Zugang, und das geniale Drehbuch hat die Tochter und ihren Zukünftigen nur indirekt berücksichtigt, indem über sie viel diskutiert wird, sie als Personen aber gar nicht im Film auftauchen. Schaut man auf das Verhältnis zu Tochter und Enkeltochter, so ist die Entfremdung belastend für sie. Gut nur, dass Harry etwas aktiver werden und nicht nur der „alte Zausel“ an Lores Seite sein will, und Lore kommt ihm entgegen. Die vierzig Jahre Ehe haben doch zu einer stabilen Beziehung geführt, nun lernen sie sich mit fortschreitendem Alter ein Stück weit wieder neu kennen...



Nach über vierzig Jahren Ehe raufen sich Lore (Dagmar Manzel) und Harry (Joachim Król) wieder zusammen | © Frédéric Batier, Kordes und Kordes Film / Pandora Film

Helga Fitzner - 7. Oktober 2026
ID 16081
https://www.pandorafilm.de/filme/alte-liebe.html


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