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EXTRA - kommentiert

Offener Brief an Thomas Ostermeier, ROOM SERVICE als Voraufführungen betreffend
Berlin, den 31. Oktober 2007
Lieber Thomas Ostermeier,

kannst du deinem Pressesprecher - hab ihn ja persönlich mal gesehen und gesprochen, und ich finde ihn sehr nett - Bescheid geben, dass er mir nicht andauernd irgendwelche "Drohmails" schicken soll von wegen dass ich meine Rezension fürs Onlinemagazin Kultura-extra aus dem Netz zu nehmen hätte und falls nicht, dass ich dann keine Pressekarten mehr erhalten würde - und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das in deinem Interesse ist. Nein, ich verstehe auch nicht das Problem was sich hier aufbäumt; kann es wirklich sein, dass du dir eine Rezension über 'ne Voraufführung prinzipiell verbittest? ja und warum lässt du dann erst Pressekarten für so etwas ausgeben?? und wie ist alles Das mit dem Defacto einer anwesenden und herbeigeworbnen öffentlichen Meinung (Publikum, das für die Tickets dieser Voraufführung schließlich zahlte) zu vereinbaren??? Dein Argument bzw. das des Pressesprechers prallt ja umso ungelenker an mir ab, wenn ich das Alles jetzt zu meinem/unserm Gunsten aufaddiere; und ich habe schon sooft über diverse Voraufführungen, sogar an deinem Hause, rezensiert, und weil sie dann halt "positiv" von dir und euch gefühlt waren, kam keine Widerreaktion. Habe ich mich verständlich machen können?

Also: Mit dem ROOM SERVICE, so wie du sicherlich am besten weißt, hast du dich ja jetzt nicht gerade, so wie sonst und eigentlich gewohnt, mit Ruhm bekleckert. Was auch nicht dann unbedingt an dir, sondern an deiner rotzbeschissnen Vorlage des Textes (ROOM SERVICE halt) liegt, nun ja, nun gut ... du wirst dir was dabei gedacht haben, und deine Schauspieler spielen die Angelegenheiten wie du sie dir halt dann dachtest oder so, auf jeden Fall trifft sie zuallerletzt die große Schuld. Und Schuld hat sowieso dann keiner an der ganzen Megascheiße, die da letzte Woche lief; ich wiederhole es sehr gern: Nicht deine Inszenierung, nein, sondern der Scheißhaustext erregte meinen hektisch anmutenden Zorn - - und dass dann ausgerechnet d u es warst und bist, der sich mit so'ner lapidaren Stückbuchscheiße auseinandersetzt. Ja und ich darf das Alles sagen, glaube mir, mich trifft der saublöd herkommende Vorwurf à la dass ich "journalistisch redlich" sein hätt' müssen usw. ganz und gar nich, weil: Ich bin kein Journalist, zumindest kein studierter, und ich schreibe rein aus manischem Gezwänge, Jux & Dallerei - ich darf das Alles, wirklich, glaub's mir ruhig ... bin nämlich selber Stückeschreiber. Und so hoffe ich, dass du dich wieder zu der alten besten Qualität von dir besinnst und dich nicht nochmal so an einen boulevardstinkenden Scheißfurz wegschmeißt. Lass das besser Leute machen, die da echte Ahnung hiervon haben und die vorher wissen wen ihr Werk am Schluss erreicht.

Herzliche Grüße,
Website: http://www.kultura-extra.de/theater/feull/room_service_schaubuehne_berlin2007.php

Andre Sokolowski


Siehe auch: http://www.andre-sokolowski.de

ausstellung henri matisse im germanischen national museum nürnberg - eine randbemerkung
die sprühende lebenskraft der ausstellung der mappe "jazz" und des künstlerbuches "pasiphaé" von henri matisse ist unglaublich. gerade letzteres werk weil dieses 1944 in der dunklsten zeit europas entstanden ist. wie man hört, ist diese ausstellung komplett von der BMW niederlassung nürnberg gesponsert. konkret bedeutet das, dass bei der eröffnung in anwesendheit von polit- und wirtschaftsprominenz vor dem haupteingang des germanischen national museum nürnberg ein BMW cabriolet von einem herrn in einem grauen anzug vorgeführt wurde. schiebedach auf, schiebedach zu. eine anfrage beim zuständigen städtischen tiefbauamt, ob denn eine genehmigung dafür vorgelegen hat, dass eine auto in die strasse der menschenrechte (!), einer fußgängerzone, an besagtem tag fahren und dort zu verkaufs- und vorführzwecken parken durfte, lautete die antwort: nein! nun hat ja der von den nazis verfolgte georgi dimitrow die faschismustheorie geliefert, wonach faschismus "die terroristische diktatur des finanzkapitals" sei. mag das vorgehen des sponsors BMW sich beim tiefbauamt keine genehmigung für fahrt und parken in der fussgängerzone einzuholen, nicht terroristisch sein, so beschleicht einem angesichts der tatsache mit welcher selbstverständlichkeit bestehende gesetze ignoriert werden (und wer dies alles duldet), nur weil man als sponsor auftritt, doch das gefühl zumindest einer "kriminellen dikatur des finanzkapitals" unterworfen zu sein, denn jeder einfache bürger, sei es nun ein strassenmusiker oder anwohner, der seinen umzug erledigt, braucht für ein solches vorgehen eine sondergenehmigung und wird strengstens belangt kann er diese nicht vorweisen. abgesehen davon ist das permanente vordringen von werbung in den öffentlichen raum mittlerweile zumindest hin und wieder schon als psychoterror zu bezeichnen. matisse jedenfalls, hat sich wahrscheinlich ob dieses autos vor seiner ausstellung im grabe umgedreht.

karsten neumann, 20. Juli 2007


Siehe auch: http://www.buero-color.de

Zeitenwende oder der im Käfig der Reflektion gefangene Geist
In der vergangenen Spielzeit wurden an Münchner Theatern einige Stücke auf die Bühne gebracht , die moderne Beziehungen thematisierten. Junge Autoren gingen auf ihre Weise an das Motiv heran. „Gier“ von Sarah Kane, „Zärtlich“ von Abi Morgan, „Die Frau von früher“ von Roland Schimmelpfennig, Edna O`Brien‘s „Ein Triptychon“, „ Chatroon“ von Enda Walsh und „Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn“ von Petr Zelenka waren die Wiedergabe von Realitäten und von Befindlichkeiten, mehr oder weniger künstlerisch gebrochen. Es gibt eine hervorstechende Gemeinsamkeit: Am Ende steht immer die Einsamkeit.



Zeitenwende oder der im Käfig der Reflektion gefangene Geist



Die Zivilisation löst in verstärktem Maße die traditionellen Kulturen ab. Dieser Vorgang ist weltweit zu bemerken und seine Folgen ziehen sich durch alle Bereiche des menschlichen Lebens. Kaum jemand oder etwas auf diesem Globus ist davon ausgenommen.

Der Brockhaus erklärt den Begriff Zivilisation mit „technische Kultur“; nach Oswald Spengler befinden sich alternde Kulturen in ihrem Endzustand. Derzeit findet sowohl als auch statt: Die großen Kulturen der letzten Vergangenheit befinden sich weitgehend in einem Zustand der Auflösung, des Chaos und des Werteverfalls. Ihre Inhalte dienen als Kopiervorlagen und Versatzstücke. Der Mensch, seine ideellen Vorstellungen, sein Gemeinwesen und die Umwelt befinden sich im Umbruch, jedoch vielfach ohne Richtung und Ziel. Orientierungslosigkeit heißt hier das passende Schlagwort. Aufgefangen und verdeckt wird dieses Chaos durch eine strenge vordergründige Reglementierung des Alltags. Die Technik rückt verstärkt in den Mittelpunkt und setzt die Prämissen. Der Faktor Funktionalität dominiert die Beweggründe des Systems und der Mensch wird untergeordnet. Die völlige Reduktion des Lebendigen auf dessen biologische Vorgänge wird nicht allzu lange auf sich warten lassen; das heißt, sie hat bereits ihre Nischen, in denen die Forschung zum Zwecke der Forschung forscht. Doch was wäre die Technik ohne die Ökonomie und so ersetzt die Marketingstrategie das Glaubensbekenntnis früherer Zeit. Der Markt bestimmt durch Angebot und Nachfrage scheinbar das Wohl der Menschheit. Technik und Ökonomie bauen sich Tempel, in denen sie sich huldigen lassen. Sie sind die Götter der Zivilisation.



Der Mensch hat die vormals weitgehend natürliche Umgebung bereits vor geraumer Zeit verlassen, er bewegt sich im Umfeld zwischen Maschine, Beton und Glasfassade. Dies hat einen ‚neuen’ Menschen hervorgebracht. Die starre äußere Lebensumgebung lässt keinen natürlichen Fortschritt zu. Eine Folge davon ist die Selbstentfremdung. Mit ihr gehen das Gefühl für die anderen Menschen, für den Ort und die Realität verloren – der natürliche Instinkt wird außer Kraft gesetzt. Damit könnte unter anderem der Weg für den Androiden frei werden.



Die moderne Architektur und das zeitgemäße Design setzen vor allem auf die glatte Fläche. Sie will Großzügigkeit im Raum und über das verwendete Material Luxus und Reichtum vorstellen. Die Glasfassaden, Betonwände, der Marmor und das blanke Holz spiegeln die Vorübergehenden. Wo immer sich der Mensch heute bewegt, befindet er sich zwischen glatten Flächen, erfährt er eine vielfache Reflektion seines Spiegelbildes in jedem Augenblick. Gehen wir davon aus, dass das Unbewusste alle Eindrücke in einem Moment wahrnimmt und über die Filterfunktion der Gewohnheit einen Teil davon ans Bewusstsein weitergibt, so befindet sich der einzelne damit ständig in Eigenreflektion. Damit ist das Signal gesetzt für: Ich bin Mittelpunkt der Welt. Ich bin die „Ich-Welt“, in der der Mensch Projektor und Projektionsfläche gleichzeitig ist und sich zudem in einem Spiegelkabinett befindet; im Spiegelkabinett der Wahrnehmungen, Vorstellungen und Einbildungen, nicht zuletzt der Eitelkeiten. Damit ist eine Irritierung des natürlichen Bewusstseins eingeleitet, deren Auswirkungen unabsehbar sind. Bleibt aber das Bewusstsein noch entscheidungsfähig, wenn es permanent im Brennpunkt der Paradoxien steht? Die fortschreitende Mechanisierung, Reglementierung der Umwelt erlauben es dem Menschen, sich maschinengleich in definierten Funktionen zu bewegen und damit als nützliches Mitglied der Gemeinschaft zu erscheinen, egal wie sein Bewusstseinszustand auch sein mag. Im Gegenteil, der Wert des Individuums wird heute mehr denn je daran gemessen, wie funktional einsetzbar er ist. Das heißt, wie weit er bereits seinen Verstand, sein Funktionswissen, über das umfassende Bewusstsein stellen konnte. Und die Spiegel seiner Umgebung werfen ihm dieses Bild als verbindlich und richtig an sein umfassendes Bewusstsein zurück. Ob hier Evolution oder Degeneration stattfindet, mag eine Frage des Standpunktes sein.



Der Unterschied zum Menschen in der traditionellen Kultur, die das Verwobensein der Schicksale in einer Gemeinschaft bedeutete, in der der Einzelne in seiner Unvollkommenheit Teil des Ganzen war, ist der neue Mensch in erster Linie Ich. Er ist Welt für sich und nimmt als solche den Begriff „vollkommen“ in Anspruch.

Bedeutet dies eine Umkehr – Perversion der Natur? Als Inbegriff der künstlichen Welt?

Immerhin findet vielfach eine Wandlung der Gegebenheiten statt. Beispielsweise:Umkehr der Wertvorstellungen. Die äußere Ästhetik ersetzt das Ideal der inneren Schönheit von ehedem, wobei das Innere heute vielfach leer bleibt und die menschlichen Eigenschaften, die genetische Veranlagung sich unter dem Decknamen Individualität außen in der Welt widerspiegeln. Die Aufhebung der Privatsphäre des Menschen ist eine der Folgen davon. Der Distanzlosigkeit entspringt das neue künstliche Lebensgefühl von Zeitgemeinschaft.

Erfolgte die Bildung einer Individualität in der Vergangenheit aus dem Zusammenwirken von Veranlagung, Bildung, erworbenem Anstand, übernommenen Werten und entwickelter Moral, so reicht heute für die Präsentation einer Individualität das Ausleben dessen, wie man gerade ist, also die Anwesenheit von Befindlichkeit aus. Das gnadenlose Hervorkehren dieses modernen Ichs wird zum Modell der Selbstverwirklichung stilisiert und soll zur Nachahmung anregen.



Die Frage an die Wissenschaft müsste lauten: Sind Spiegelbilder Schimären der Sinneswahrnehmung oder haben sie, um überhaupt von den Sinnen wahrgenommen werden zu können, auch Materie? Sind also eigenständig. Das würde bedeuten, dass sich die Spiegelbilder verselbständigen können, und, treffen sie auf andere Spiegelbilder, eine Eigendynamik entwickeln. Bleiben die Abbildungen auf den Spiegeln haften? – und vermischen sich? Was bleibt dann noch vom Ich im Spiegel, nachdem bereits hunderte andere davor das Glas benutzten?



Wenn dann die wahne Vorstellung des Ich sich spiegelt und weitere wahne Vorstellungen entwirft und reflektiert, dann ist der Mensch verrückt – aus der Realität herausgenommen, in eine neue Welt versetzt. Und mit ihm sind es alle Menschen, die diesen Spiegel benutzen, gewollt oder ungewollt von ihm reflektiert werden. Sippenbildung innerhalb bestimmter Räume könnte eine Folge sein, es bilden sich menschliche Inseln der gleichen Anschauung und Kommunikation.

Man sieht im Spiegel nur, was man sehen will. Es kommt der Wiedergabe der Wünsche gleich. Was sich vordergründig als Paradies auf Erden ausnimmt, wird letztlich in eine Sackgasse führen, denn meist sind es die Unwägbarkeiten und die Überraschungen, die das Leben spannend machen und zu Evolutionssprüngen, auch im einzelnen Leben, führen. Durch das Wunschprogramm kann das weitgehend zurückgedrängt werden bzw. der Zufallsmoment sich auf die Querschläger- und Restprojektionen anderer beschränken.



Die menschlichen Beziehungen in der Zivilisation gestalten sich schwierig. Der Wegfall des natürlichen Lebensmusters als ein Geflecht von Bezügen der unterschiedlichsten Art, welche eine umfassende Symbiose nach dem Abbild der Natur bildeten, hinterlässt ein Loch, welches das Ich nun alleine zu füllen hat. Mit Hilfe der Hypertrophie ist das zu bewältigen. Das Ich bläst sich auf zur Tautologie: Ich bin ich. Und wer bist du? Ich bin ich. Das Ich als Einzelgröße schließt kein Wir ein, mehr noch, es lässt noch nicht einmal ein Du zu. Es ist nicht beziehungsfähig. Um zu einem Wir zu kommen, braucht es eine übergeordnete Idee, zugunsten der ein Teil des eigenen Egos zurückgestellt werden müßte. Damit wäre es allerdings nicht mehr perfekt und würde der Ausmusterung anheim fallen. Wie wäre in der Zivilisation mit diesem sogenannten Ausschuss zu verfahren? Die Antwort kann nur lauten: Ich bin ich, und sie entspringt dem stärksten natürlichen Trieb, dem Überlebenstrieb.



Doch bilden sich Lücken, Zwischenräume, Freiräume des Individuums, und diese sind der ideale Nistplatz für Träume, Sehnsüchte und vor allem für menschliche Schwächen. Die Wiedergabe dieser menschlichen Schwächen ist, neben den Berichten aus dem Alltag, das Hauptthema der neuen Kunst. Was mir Spiegel ist ...



Früher fand eine Brechung der Realität in der Kunst statt. Das Kunstwerk war stets auf der Suche nach dem Wesen der Dinge hinter der Erscheinung, um es ans Licht zu bringen. Heute wird die über die Spiegel gebrochene Realtiät, beispielsweise eine Verrücktheit, also die Erscheinung selbst als Kunstwerk wiedergegeben. Oder das Ausleben eines Ichs wird zum Kunstvorgang erklärt. Selbst das Zitieren von Natur in dieser Künstlichkeit ist abstrakt, ist reiner Gedanke und bar sinnlicher Erfahrung. Bei der Darstellung von Charakteren führt immer die Psychologie das Wort. Was sich früher als Persönlichkeit aus seinen Aussagen, seiner Geschichte und seinen Bezugsgeschichten im Betrachter hergestellt hat, wird heute anhand seiner Befindlichkeiten definiert. Dies geschieht unter Zuhilfenahme aller Erkenntnisse der Menschheit, der Volksmund und seine Weisheiten muss herhalten, große philosophische Aussagen werden bemüht, um dem Zivilisations-Ich Farbe, Kraft und Größe zu verschaffen.



Zeichnete sich Kunst in einer Kultur vor allem auch durch die Verwendung von symbolischen Bildern aus, kulturspezifisch verbindlichen Bildern, so ist es gerade das Fehlen solcher Bilder, was die neue Kunst auszeichnet. In Zeiten, in denen Kulturübergreifendes gefragt ist, geht es um globales Allgemeinverständnis. Das Werk muss einfach übersetzbar, beliebig transformierbar sein, um Wert, Markt-Wert, zugesprochen zu bekommen.



Die Aufhebung beziehungsweise der Ausverkauf der Kulturen, ihrer Inhalte und ihrer Kunst in der Zivilisation, wäre der stattfindende Vorgang zu nennen. Die Ergebnisse des sogenannten Kunstschaffensvorgangs sind keine Hervorbringungen mehr, vielmehr sind es Wiedergaben. Diese Reflexionen sind oftmals auch bar jeder persönlichen Künstlerhandschrift, beliebig, und nur das Bestehen auf dem Urheberrecht und die Gunst der ersten Stunde, gehören dem Schaffenden. Danach bestimmen die kreativen und die reaktiven Kräfte durch Nachahmung beziehungsweise Außerkraftsetzung über die Halbwertzeit des Werkes.



Dies hat einen Wandel zur Folge: War die Kunst einst Spiegel der Gesellschaft, Spiegel des Wir einer traditionellen natürlichen Gemeinschaft, ist sie nun bereits Spiegel der Ich-Welten. Das betrifft sowohl die Künstler wie auch das von ihnen Thematisierte, das stets in eine Nabelschau mündet.

Bleibt die Frage: Wie spannend ist ein Ich als Ich auf die Dauer? Führt man nun für die verschiedenen Standpunkte des Ich verschiedene Personen ein, so erreicht man immerhin einen Dialog, den Monolog einer multiplen Persönlichkeit. In den dargestellten Begegnungen steht eine Reihe von Ich-Welten nebeneinander, die lediglich im Konflikt Bezugspunkte zueinander aufbauen können. Die Momente sind kurz, münden stets in Rückzug und Flucht. Die - wie auch immer geartete - Erfahrungslosigkeit dominiert das Wiedergegebene und die Psychosektion soll Charakter schaffen und über die Abwesenheit von tiefgreifender Geschichte hinweg tragen.



Doch: Nur das Wir hat außergewöhnliche Geschichten, schreibt Geschichte, kennt das Abenteuer und die Überraschung. Es fordert dafür aber die bedingungslose Liebe, nicht mehr und nicht weniger. Der Preis, der zu gewinnen ist: ein erfülltes Leben mit allen Möglichkeiten.



Zudem, nur das Wir bot dem Ich eine Entwicklungsmöglichkeit. Der Mensch reflektierte den Menschen und über die Brechung durch die unterschiedlichsten Wesen, mit all ihren Tiefen und Untiefen, konnte der Mensch sich selbst erfahren und erweitern. Durch gegenseitige Anregung, Beeindruckung wurden immer neue Qualitäten geschaffen, die, wie der Mensch selbst, rund und vieldimensional waren.

Der Blick auf eine kulturell vielfältige Vergangenheit mit einem enormen Schatz an Kunstwerken von zeitloser Aussage und Gültigkeit bestätigt dies. Trotzdem ist davon auszugehen: Jeglicher Beschreibung der Welt liegt ein Irrtum zugrunde, ob dies nun ein übergeordnet gedachter oder ein platt reflektierter ist, bleibt völlig unerheblich.




C.M.Meier, 3. Januar 2006

Leben wie im Gard-Haarstudio
Sie fangen neu an, sind neu oder haben neue Probleme - waren schon überall und möchten mal woanders hin? Sie haben genug von Methanolbonbons zum Frühstück und salutschießenden Berbern die eine als Wohlfühloase getarnte Bagwahnburg erobern, um die Ausgrabung des „Bibel Construction Kit“ zu verhindern? Selbst total interaktive Realitätspuzzle von abgehalfterten TUNICHTGUT-Politikern reizen Sie nicht mehr?
Dann sollten Sie die 99 Tipp’s von Leben wie im Gard-Haarstudio versuchen. Damit läßt sich namenloses Gedankengut und selbst die verlorengegangene Profilneurose wiederbeleben.

Diesmal: Platz 13 – 33
13. Während einer REM-Phase eine Legende werden
14. 'Ich liebe Dich' sagen und es meinen
15. Blau machen, obwohl man krank ist
16. Eine richtige Unterhaltung mit einem Bekannten führen
17. Sich Einfrieren lassen
18. Einfach mal die eigene Meinung sagen
19. Anderen auch mal Recht geben
20. Mit Ölteppichen im offenen Meer schwimmen
21. Als christlicher Bauchredner aktiv werden
22. Einen Moment lang zufrieden sein
23. Nicht mehr weiterwissen und dabei Reiseziel und Dauer selbst bestimmen
24. Sein Leben lang einen fremden Akzent nachahmen
25. Eine neue Tastenkombination erfinden
26. Fragliche Äußerungen nach unwichtigen Aussagen hervorbringen
27. Einfach Mal an nichts Denken. Auch nicht an die Original Fußballwand vom Sportstudio.
28. Der Herbstdepression ihren freien lauf lassen
29. Die geplante Geschlechtsoperation in Frage stellen
30. Eine Entscheidung treffen und alles aufschieben
31. Endlich die Affäre mit dem Haustier zugeben
32. Fallschirmspringen aus einem Modelflugzeug erlernen
33. Hartz IV aus versehen in einen Joint drehen

*Durchgestrichenes bitte nicht Realisieren




E-mail: mr.ashman@gmx.de

Angelo John Ashman, 2. Juni 2005


Siehe auch: http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/portrait/ashman_portrait.php

art_o_polis
Über die Gemeinsamkeit von Kunst und Politik
Klaus Weise, der Generalintendant am Theater Bonn, der auch die künstlerische Leitung der Bonner Biennale (http://biennalebonn.bgp.de/index_fs_1024.htm) innehat, meinte in einem Interview, das ich kürzlich im Fernsehen sah, dass Kunst – er bezog sich auf die westliche, schätze ich – heute nicht mehr politisch sei. Dass es auch vielmehr die Absicht der Bonner Biennale sei, eine Auswahl an Kunst zu zeigen. Also ein eklektizistischer Vorgang. Jetzt trägt ja Kunst, das wissen wir seit Wolfgang Kemp, spätestens mit Beginn der Postmoderne den Eklektizismus auf ihren Fahnen. Dass Ausstellungsmacher ebenfalls dem Eklektizismus frönen, überrascht sicher niemanden, und diesen Vorgang als Konzept zu verkaufen erscheint etwas banal. Interessant an dem Fernsehbericht war jedoch, dass auf ihn direkt ein Beitrag über einen iranischen Künstler folgte, dessen gesellschaftskritische Arbeit betont wurde mit dem Verweis, dass er in seinem Heimatland nicht nur Ausstellungsverbot habe, sondern evtl. sogar strafrechtlich verfolgt werden würde, würde er dort seine Kunst öffentlich zeigen.

Das Phänomen, dass insbesondere auch westliche Künstler ihre Kollegen aus dem Nahen Osten für ihre politische Kunst zu bewundern scheinen und auch die Berichterstattung immer wieder den Aspekt der Zensur betont, fällt mir in meiner Dreifachrolle als Kunstwissenschaftlerin, Künstlerin und Kunstredakteurin in jüngerer Zeit recht häufig auf. Beäugen wir in unserem angeblich demokratisch befriedeten Westen - mit unserem Credo, politische Kunst ist tot - mit Neid die Künstler, die noch ein Regime haben, gegen das es sich zu wehren lohnt?

Über das Verhältnis von Kunst und Politik wird in unseren Regionen nur noch besoffen lamentiert, wobei man hier gebetsmühlenartig immer dieselben Formeln wiederholt. Keiner mag unser System, keinem fällt etwas Besseres ein. Und das gemeinsame Gejammer, aus dem ja nie wirklich eine Diskussion entsteht, endet in der Feststellung, dass die Demokratie und ihr schwesterlicher Kapitalismus die Kunst, wenn auch nicht politisch, so doch wenigstens finanziell ausbeutet. Bohème mag man sich dennoch nicht nennen, denn selbst da käme doch auch irgendwie ein schlechtes Gewissen auf....

Aber worüber beschweren wir uns eigentlich? Solange Künstler im Westen vorrangig bunte, wohnzimmertaugliche Tafelbilder malen und ihrem selbstverliebten Ästhetizismus verfallen sind und solange sie Ausstellungen im Sinne einer wie auch immer begründeten Professionalisierung auf Hochglanz konzipieren, fehlt sowieso jegliche Reibungsfläche mit unseren artverwandten politischen Agitatoren, die auch mehr scheinend als seiend und ebenfalls gut genährt von ihren Kanzeln auf uns einquatschen.

Emma Schimansky - 21. Juni 2004

 



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