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nachDRUCK # 6

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Die (Theater-)

Wüste lebt!

Von der Poesie des Verlassenen


TamS: Das Haus verliert nix | Foto (C) Jean-Marc Turme

Bewertung:    



So groß wirkte das kleine TamS noch nie. Quer über den Bühnen- und den Zuschauerraum haben Katharina Schmidt, Claudia Karpfinger, Michele Lorenzini und Lorenz Seib ein Regal gebaut, vollgestopft mit Theaterrequisiten und Trödelkram. Davor und dahinter nehmen die Zuschauer in gebührendem Sicherheitsabstand Platz.

Noch hat das Stück nicht angefangen, da will es einer ganz genau wissen, steht auf und inspiziert das Brettergestell: Gläser und Globen, Schirme und Schachteln, Tablets und Trompeten, Puppen und Papiere und und und... In den mittlerweile 50 Theaterjahren des TamS hat sich eine Menge angesammelt. Da klingelt ein Handy. Gottseidank nicht meines. Erleichterung! Und das Signal für die anderen Zuschauer, ihres auszumachen. Ein paar lachen, und los geht’s...

Das Regal bekommt langsam Licht. Und siehe da, der rosa Tüllrock in der linken Ecke bewegt sich. Auch das grünkarierte Sakko, Ecke rechts, wird lebendig – und spricht: „Meine Unordnung ist voll von Kummer, schlechtem Gewissen und bedenklichen Gefühlen“ räsonniert es und klettert aus einem alten Stuhl, während der Tüllrock versucht, einen Wecker aus einer Umzugskiste zu fischen. Diese beiden, der Rock (Sophie Wendt) und das Sakko (Helmut Dauner), werden den ganzen Abend lang über die schmalen Bretter balancieren, die ihre kleine Welt bedeuten, mal aufeinander zu, dann wieder von einander weg. Akrobatisch tänzeln sie zu beschwingter Musik, auch wenn die Bretter sich gefährlich biegen. Vergessene Ventilatoren drehen sich im Takt, sogar der abgelegte Fuchsschwanz wackelt mit.

Corona hin, Hygieneabstand her: Die goldene Winkekatze grüßt den vorbeischwimmenden Silberfisch, das Giraffenkostüm lässt seine Beine baumeln. Der Sonnenschirm findet zu den vergessenen Regenschirmen, die Kaffeemaschine kocht über und die alte Lampe fällt vor Schreck hintüber, aber das nie geöffnete Paket hält still und wahrt sein Geheimnis.

Wie philosophierte doch das Sakko? „Der eigentliche Schauplatz ist die Erinnerung und daher irreal.“ Und so hat es sich die Unmöglichkeit in vielen ordentlich beschrifteten Schubkästchen bequem gemacht. Der Schnee von gestern ruht, die Erfolge von morgen schlafen sanft, Spaghetti und Konfetti sind nachbarlich verbunden. „Probleme gibt es immer“, weiß der lebenserfahrene rosa Rock, denn „ohne Probleme geht es nicht.“ Es folgt der musikalisch heftig untermalte, dramatische Höhepunkt: Sakko und Rock überbieten sich gegenseitig mit der Schilderung ihrer Schandtaten. Man stelle sich vor: Er hat „Gegenstände an Orten abgestellt, wo man Gegenstände nicht abstellen durfte“, und sie hat gar „Zigaretten ins brennende Heu geworfen“!

Ein typischer TamS-Abend. Poetisch und melancholisch, heiter und verrückt, voller liebevoller Einfälle bis ins kleinste Detail, herzerfrischend gespielt und bravourös inszeniert von Lorenz Seib.

Einmal mehr hat diese Bühne aus der gegenwärtigen Notsituation, die ja vor allem die kleinen Theater existenziell trifft, mit Humor das Beste gemacht. Wenn die Schauspieler das Theater aufgeben müssen, dann spielt eben das Inventar! Denn: Das Haus verliert nix!

Genau.



TamS: Das Haus verliert nix | Foto (C) Jean-Marc Turme

Petra Herrmann - 15. Oktober 2020
ID 12533
DAS HAUS VERLIERT NIX (TamS, 14.10.2020)
Konzept und Regie: Lorenz Seib
Ausstattung: Katharina Schmidt, Claudia Karpfinger, Lorenz Seib und Michele Lorenzini
Licht: Ramona Lehnert
Assistenz: Miriam Boppel
Mit: Sophie Wendt und Helmut Dauner
Premiere war am 10. Oktober 2020.
Weitere Termine: bis 14.11.2020


Weitere Infos siehe auch: https://tamstheater.de/


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