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Premierenkritik

Aufstieg

und Fall



Frühere Verhältnisse von Johann Nestroy am Wiener Theater Akzent | Foto (C) Karl Satzinger

Bewertung:    



In der täglichen Theaterberichterstattung wird der Eindruck erweckt, dass es zwischen den hochsubventionierten Staats-, Landes- und Stadttheatern auf der einen Seite und den Freien Gruppen und Kleinbühnen auf der anderen Seite einen unüberwindlichen Gegensatz gebe. Jene gelten pauschal als etabliert, diese als inhaltlich und formal revolutionär. Als Kronzeuge gegen diese schlichte Sichtweise kann Hubsi Kramar gelten.

Hubsi Kramar ist eine der schillerndsten Figuren der österreichischen Theaterszene. Der Weltbürger hat am Burgtheater und an der Wiener Staatsoper, aber auch mit der einst gegen österreichische Konventionen anrennenden Theater Gruppe 80 und mit diversen eigenen Ensembles gearbeitet. Er ist im gewiss nicht „alternativen“ Tatort aufgetreten und hat sich mit politischen Aktionen als enfant terrible profiliert. Das hat freilich nicht verhindert, dass er unter anderem mit der Kainz-Medaille und dem Nestroy-Preis geehrt wurde.

Jetzt hat der mittlerweile 71jährige im von der Arbeiterkammer betriebenen Wiener Theater Akzent Nestroys späten Einakter Frühere Verhältnisse inszeniert. Zwar versichert er in einer Rede an das Publikum, dass Nestroy heute genau so aktuell sei wie zu seiner Zeit, aber um auf Nummer sicher zu gehen, beginnt er mit Bertolt Brechts Ballade vom Wasserrad. Darauf folgen Dialog- und Liedtexte von Eva Schuster. Leider erreichen sie nicht die Latte, die mit Nestroy und Brecht gesetzt ist. Sie sind geschwätzig und weit von Nestroys Witz entfernt. Dann schlüpfen die vier Darsteller, Adriana Zartl, Tania Golden, Julian Loidl und Hubsi Kramar selbst, auf offener Bühne in die Kostüme und die Rollen von Nestroys Posse über Aufstieg und Fall, über Standesdünkel und Hochstapelei, über Vortäuschung und Verwechslung.

Nach vierzig Minuten beginnt das eigentliche Stück. Und siehe da: es benötigt kein Facelifting. Es funktioniert mit wenigen sprachlichen Eingriffen und bescheidenen aktuellen Anspielungen. Und es funktioniert, weil die vier Schauspieler ganz hervorragenden Komödianten sind, die beide bereit stehenden Fallen vermeiden: den identifikatorischen Realismus und ein Zuviel an Körper- und Sprechkomik. Anja Pichler an der Harfe und Michael Reitinger an der Gitarre steuern, auch wohl dosiert, eigens komponierte Musik bei.

Wie sagt doch Muffl, den Nestroy einst mit 61 Jahren gespielt hat und den jetzt der zehn Jahre ältere, fast ebenso hagere Hubsi Kramer verkörpert: „Törichte Wurmin, die ich mit etliche mehrsilbige Worte vernichten kann! Die früheren Verhältnisse deines Gatten, dein früheres Verhältnis mit mir, das ist alles so despektierlich, dass ihr zittern müsst vor mir wie Espenläube! O, ich will euch ein furchtbarer Hausknecht sein.“ Wer wollte derlei „übermalen“, ohne sich als Hochstapler zu entpuppen?




Frühere Verhältnisse von Johann Nestroy am Wiener Theater Akzent | Foto (C) Karl Satzinger

Thomas Rothschild – 7. November 2019
ID 11793
FRÜHERE VERHÄLTNISSE (Theater Akzent, Wien | 06.11.2019)
Regie: Hubsi Kramar
Bühne: Markus Liszt
Kostüme: Maddalena Hirschal
Musik: Anja Pichler und Michael Reitinger
Mit: Tania Golden, Adriana Zartl, Hubsi Kramar und Julian Loidl
Premiere war am 6. November 2019.
Weitere Termine: 14., 23., 29.11. / 03., 06.12.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.akzent.at/


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