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Freie Szene

Juri&Joana. Hinaus ins

Offene!

mit ogalala kreuzberg - in den Berlin Decks

Bewertung:    



In Berlin-Wedding, 10 Minuten vom Hauptbahnhof, befinden sich einige der letzten leerstehenden Industriehallen der Stadt. Das am nördlichen Rand Moabits gelegene Areal war lange eine Industrie Location: 1912 errichtete Thyssenkrupp einen Backsteinbau am Spreekanal. Weitere Unternehmungen folgten: Porzellan von Sachsen, Maschinenbau von Borsig, Glühlampen von AEG und viele andere mehr. Mittlerweils sind die Firmen und Standort abgewickelt, Ödnis und Leere herrscht vor.

Ein Campus – Berlin Decks - will in den nächsten Jahren ein gemischtes und zukunftsweisendes Quartier errichten. Das Theater ogalala kreuzberg hat dort bis zum Beginn der Umbauarbeiten eine vorübergehende Spielstätte für sein neues Stück Juri&Joana. Hinaus ins Offene! (nach dem Grimm´sche Märchen Jorinde und Joringel) gefunden.


„In einem Schloss im Wald wohnt eine alte Zauberin. Sie verwandelt sich tagsüber in eine Katze oder Nachteule. Sie lockt Tiere an, um sie zu schlachten. Wer dem Schloss zu nahe kommt, der kann sich nicht mehr bewegen. Jungfrauen verwandelt sie in Nachtigallen, die sie im Schloss aufbewahrt. Jorinde und Joringel sind ein junges Liebespaar, das versehentlich in die Nähe des Schlosses kommt. Sie weinen erst und werden ganz traurig, dann wird Jorinde zu einer Nachtigall, und während Joringel sich nicht bewegen kann, fängt die Hexe sie ein und nimmt sie fort. Joringel fleht sie an, sie freizulassen, aber sie lässt sich nicht erweichen. Joringel verbringt lange Zeit in der Fremde als Schäfer und läuft oft um das Schloss herum.“

[...]

„Dann träumt Joringel von einer blutroten Blume mit einer Perle in der Mitte. Er wandert neun Tage und findet die Blume morgens mit einem Tautropfen in der Mitte. Dagegen ist die Hexe machtlos, obwohl sie Gift und Galle sprüht. Als sie versucht, einen Vogel wegzutragen, erkennt er Jorinde und befreit auch die 7000 anderen Vögel.“

(Quelle: Wikipedia)



Warum erzählen wir, leider oft nur unseren Kindern, Geschichten, und warum auch derart alte Geschichten wie die Märchen der Gebrüder Grimm? Geschichten sind in Sprache gegossene Bilder, sie berühren, sie provozieren und sie bewegen. Mit Geschichten erreicht man nahezu widerstandslos die Herzen von uns Menschen oder (wie man das heute sagt) unser Unterbewusstsein. Utopische Botschaften in einer Geschichte „versteckt“ werden nicht sofort von unserem Verstand auf Machbarkeit, Vor- und Nachteile überprüft, nein, es darf geträumt und gesponnen werden.

Vier Frauen und vier Männer in fantasievollen und sparsamen Kostümen verführten das zahlreiche Premierenpublikum in ihre Perspektive des Grimm´schen Märchens. Zu Live-Musik aus Gesang, E-Bass und Schlagzeug tanzen, spielen und wirbeln die Performer durch die riesige Industriehalle. Es geht um die im Grimm´schen Märchen steckenden Botschaften Liebe, Widerstand und Anpassung, Hoffnung und Verzweiflung. Einmal eingesperrt beginnt man sich einzurichten, man fängt die Unfreiheit als das neue Normal zu akzeptieren. Das neue Normal: ja, es schweben die Einschränkungen unserer Freiheit der letzten 15 …. 16 Monate über allem. Wie umgehen mit der Ambivalenz zwischen Akzeptieren und Aufbegehren und zwischen Doktrin und Diskurs. In der Verwandlung des Individuums – die Jungfrau Joanna - in eine eingesperrten willenlosen (?) Nachtigall wird deutlich, was es mit Individuen macht, wenn sie einer übermächtigen Macht erlegen sind.

Wie im Originalmärchen finden Juri und Joanna wieder zusammen, befreien alle anderen eingesperrten Individuen und verlassen feiernd und tanzend das alte Schloss. Welch wunderbares Bild, wie die Performer quer durch die riesige Halle zum Ausgang rennen, auf ein sich gerade öffnendes riesiges Industrierolltor zu, ins Freie, in die Freiheit!!

Das Team um Christine Dissmann und Kathinka Sonneborn hat mit dieser Inszenierung wunderbar relevante Bilder geschaffen. Der Prozess des Ausprobierens ist im Stück noch immanent. Nicht alles ist perfekt, etwas schade, dass in der Akustik der Halle die Sprachverständlichkeit sehr leidet. Aber es geht hier nicht um die formal perfekte Theateraufführung. Es geht um die Botschaften Liebe, Widerstand und Anpassung, Hoffnung und Verzweiflung. Das Publikum war sehr, sehr berührt von dieser intensiven Auseinandersetzung.

Standing Ovations!



Bildquelle: ogalala.de

Steffen Kühn - 25. Juni 2021
ID 12998
JURI & JOANA - HINAUS INS OFFENE! (Berlin Decks, 24.06.2021)
Leitung: Christine Dissmann
Musik: Nadia Bouamra Martinez und Paul Lesch
Choreografie: Kathinka Sonneborn
Mit: Thieu Ha Minh, Tamara Weber, Matthias Cano Urbanke, Aaron Langguth, Fritz Surmann, Minou Becker, Santiago Agurcia, Marlene Dissmann und Matilda Behrens
Premiere war am 24. Juni 2021.
Weitere Termine: 25.-27.06. (Berlin Decks) / 03.07.2021 (Alte Schule Baruth)
Eine Produktion von ogalala kreuzberg


Weitere Infos siehe auch: https://www.ogalala.de/


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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