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nachDRUCK # 6

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Premierenkritik

Schwarz vor

Augen, ohne

Schwindel



Now I Lay Me Down © Into the Dark

Bewertung:    



In den Produktionen von Sabrine Hölzer ist es immer anders als woanders - beispielsweise (so wie vor fünf Jahren) in ANAPARASTASIS, wo man sich in der Gemäldegalerie Berlin ganz ungezwungen hinlegen und meditieren konnte; das war schön.

Ein Jahr darauf (2010) startete sie ihre Projekt-Reihe unter dem Dachtitel INTO THE DARK; da gab es bisher zwei verschiedene Performances, die einesteils auf Kampnagel in Hamburg, andernteils im Funkhaus der Nalepastraße in Berlin und in den Kanonhallen Oslos liefen. Das Besondere an ihnen ist, dass es da immer ziemlich dunkel ist. "Wenn ich nicht sehen kann", meint Hölzer, "komme ich sehr schnell in den Körper, weil ich, anstatt zu sehen, 'hörend spüren' muss." Und so begründet sie dann ihren Sonderweg, dem modischen Regietheaterzwang Alternatives aufzuweisen, unter anderem auch so, "was ist, wenn ich auf null schalte, Licht aus, und noch mal von vorne anfange"... [Für Wagners Parsifal zum Beispiel könnte das gar eine völlig neue inszeniererische Form bedeuten, kam dem Schreiber dieser Zeilen in der nachgefolgt habenden guten dunk'len Stunde nebensächlich in den Sinn.]

* * *

Now I Lay Me Down heißt nun das neueste (und also dritte) Stück in der bereits erwähnten Lichtlos-Reihe. Ja und wieder bietet sich in ihm - wie schon der Titel ahnen lässt - Gelegenheit horizontalerseits beim Folgenden dabei zu sein:



Now I Lay Me Down - Foto (C) Ladislav Zajac


"Wo das Licht aufhört und visuelle Grenzen sich in Finsternis auflösen, wird Klang zu Raum und Musik zu Umgebung. Im Schwebezustand zwischen Wachen und Schlaf verwandeln sich Körper in Instrumente und Klänge in Architektur. Äußerer und innerer Raum verschmelzen in auseinander erwachsenden Topographien von Musik und Bewegung. Von visuellen Reizen entlastet, wird der Hörer Teil eines musikalischen Körpers, der seine eigenen Träume erzeugt." (Quelle: berliner-festspiele.de)

Wie läuft das Alles ab?

Im großen Saa des Hauses der Berliner Festspiele muss man zuerst die Schuhe ausziehen und sich dann ein Paar warme Socken überstreifen; Mäntel, Taschen, Telefone wurden vorher an der Garderobe abgegeben; pro Person lag eine Wolldecke zum Mitnehmen bereit. Über ein Treppchen, das zur offnen Tür im Eisernen Vorhang führt, gelangt man auf die mattleuchtende Bühne, die in tiefes Schwarz gemantelt ist (Raum/Licht: Ladislav Zajac). Auf den 60 Grasmatten bietet sich Platz zum individuellen Ausbreiten - man weiß noch nicht so recht, ob man sich setzen oder legen soll und schaut daher flugs auf die Grasmatte des "Nachbarn"; schließlich fühlt man sich dann irgendwie für'n Anfang eingerichtet. Vorher noch, während des Einzugs, tat man die 10 Musikerinnen und Musiker des Solistenensemble Kaleidoskop, die hie und da verstreut zwischen den Grasmatten mit ihren Instrumenten standen, unauffällig-vorsichtig passieren. Es wird viel sich zugelächelt, aber kaum bzw. nicht gesprochen. Alle sind gespannt...

*

Während das Licht im Stufentakt versiegt, fängt Bach (Sinfonia aus Ich hatte viel Bekümmernis) an zu erklingen - währenddem ist plötzlich absolute Finsternis; also egal ob du die Augen auf hast oder zu, das Schwarz bleibt gleich. [Ich frage mich sofort, ob ich so'n Schwarz jemals zuvor in meinem Leben sah? Ich kann mich nicht erinnern.] /

Dann wird E. E. Cummings titelstiftendes Gedicht, als O-Ton-Aufnahme mit ihm, von weiter hinten sozusagen eingespeist. [Ich kann kein Englisch, also flüchtete dieser Programmteil ziemlich wirkungslos an mir vorüber; allenthalben an dem Klang der alten Stimme des Zitators konnte ich mich nachträglich erinnern.] /

Dann ein Ton, sehr lang gehalten. Alle Instrumente spielen ihn. [Ich nehm' den Bratschen-Ton, den ich knapp hinter mir, linksohrig, ausmache, besonders wahr... Ich denk' spontan an 2001 - Odyssee im Weltraum. Jenes Stück heißt, wie ich später lese, Eintondings und ist von Michael Rauter.] /

Fernes Lichtflackern von oben, ganz-ganz kurz nur. [Ich lieg' auf dem Rücken.] /

Wieder Dunkelheit. [Ich rieche eine scharfe Seife oder ein sehr intensives Waschmittel.] /

Das Eintonstück hält an. [Ich werde müde... "Meine" Bratsche scheint zu wandern, plötzlich höre ich sie rechts von mir.] /

Paar Leute husten, es raschelt im Gras. [Ich werde nervös.] /

Atemgeräusche, die inflationieren... [Ich horche auf; ich stelle mir den schlafenden Fafner in der Neidhöhle vor - auch dieses Stück, Einatem, stammte von Rauter, wie ich später las.] /

Vereinzeltes Kratzen auf den Saiten /

abrupte Stille /

wieder kurzes Lichtflackern /

synchrone Klopflaute, auf den Instrumentenstegen (?) /

synchrones Saitenkratzen /

Schritte, leise "Marschbewegungen" mittels diverser Pizzicati, wieder (nach) Bach /

Barbers Adagio for Strings; kennt jeder, wunderschön, unendlich-kitschig, und es will und will nicht aufhören /

jetzt: Stomping Music [Ich begreife nicht, wo/wie sie plötzlich zu den vielen Trommeln kommen?] /

Brittens Presto aus der ersten Cello Suite /

verstärktes Lichtflackern, jetzt öfter /

Schritte, Wandern rundherum [Ich denke, sie entschwinden.] /

langsam kehrt das Licht zurück //

bleiernes Körpergefühl /

Augenreiben /

Zusichkommen ///



* *


Was für ein Erleben!

Großartig.



Now I Lay Me Down - Foto (C) Ladislav Zajac

Andre Sokolowski - 12. Dezember 2014
ID 8317
NOW I LAY ME DOWN (Haus der Berliner Festspiele, 11.12.2014)
Ein Projekt von Sabrina Hölzer mit dem Solistenensemble Kaleidoskop
Bühne und Licht: Ladislav Zajac
Premiere war am 11. Dezember 2014
Weitere Termine: 12. - 14. 12. 2014 / 8. - 11. + 15. - 18. 1. 2015
Eine Produktion von Into the Dark in Kooperation mit den Berliner Festspielen


Weitere Infos siehe auch: http://www.intothedark.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




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