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THEATER DER WELT | Düsseldorf, 17.06.-04.07.2021

Die Geschichte von der Geschichte

Jetse Batelaan


Bewertung:    



Was macht Theater zu Kindertheater? Dass jemand behauptet, es sei Kindertheater. Auch unter den Machern und den Theoretikern gibt es keine Einigkeit. Die einen sagen, das Theater solle, wie auch Kinderbücher, an die Realität heranführen, die Heranwachsenden zu mündigen Bürgern erziehen mit Sinn für moralische und politische Werte. (Der „Klassiker“ dazu, immer noch: Melchior Schedlers Schlachtet die blauen Elefanten.) Die anderen meinen, man müsse der noch ungezähmten Fantasie von Kindern Nahrung liefern, ihren Sinn für das im positiven Sinn „nutzlos“ Spielerische fördern.

Ohne die Frage nach dem „Kindgerechten“ überzustrapazieren, darf man doch wohl vermuten, dass Achtjährige von der Doppeldeutigkeit des Begriffs „Geschichte“ – als „story“ und als „history“ – überfordert sind. Die Geschichte von der Geschichte des Niederländers Jetse Batelaan gibt vor, genau davon zu handeln. Die Darsteller auf und vor der Bühne erinnern an aufgerüstete Figuren der Commedia dell'arte. Was sie tun und lassen, ist nicht zu ergründen, und das ist Absicht. Wer gegen derlei Einwände verlautet, wird postwendend eines gottverdammten Rationalismus und eines mangelnden Verständnisses für Surrealismus und Nonsens verdächtigt. Ich schwöre: ich habe größtes Vergnügen am Theater von Ubu Roi und Victor oder Die Kinder an der Macht über die Mikrodramen von Daniil Charms und Wolfgang Bauer bis zu den Bühnenbearbeitungen von konkreter Poesie durch Herbert Fritsch. Aber was Batelaan so einfällt, reicht an diese Vorbilder und selbst an klassische Clownsszenen nicht heran. Es mag ja Leute geben, die einen Donald Trump als Pappkameraden komisch finden. Man kann aber auch der Ansicht sein, dass der amerikanische Ex-Präsident, zumal für Kinder, nicht parodierbar ist.

Es hat den Anschein, dass sich die Programmgestalter von der Tatsache beeindrucken ließen, dass Jetse Batelaan bei der Biennale in Venedig 2019 den Silbernen Löwen und danach den Preis des ITI – des Internationalen Theaterinstituts, dessen deutsches Zentrum Veranstalter des Theaters der Welt ist – erhalten hat. Es kann freilich auch sein, dass die Düsseldorfer von sich auf diese Wahl verfielen. Das wäre die schlechtere Lösung.

Es gibt Völker, die für ihren Humor in einer spezifischen Ausprägung bekannt sind: die Iren, die Engländer, die Bulgaren. Die Niederländer zählen nicht dazu. Wer dafür eines Beweises bedarf, sehe sich Die Geschichte von der Geschchte an und nehme zur eigenen und zu deren Strafe seine Kinder mit.



Die Geschichte von der Geschichte von Jetse Batelaan | Foto: Kurt van der Elst

Thomas Rothschild – 21. Juni 2021
ID 12988
Weitere Infos siehe auch: https://www.theaterderwelt.de/


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