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nachDRUCK # 2

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Schreiben gegen den Weltuntergang 2012 (Wettbewerbsbeitrag)



IDEEN GEGEN DEN
UNTERGANG / SZENARIO 17 B



von Max Beckmann





Unter Wissenschaftlern, die sich mit alternativen Realitäten, Paralleluniversen usw. beschäftigen, ist die überwiegende Mehrheit der Ansicht, dass durch jede neue Idee eine Paralleldimension erschaffen werden kann, in der diese verwirklicht wird, wenn sie sich nicht sogar in unserer Realität manifestiert. Das heißt also, dass alles Erdachte irgendwo, irgendwie tatsächlich existiert und vielleicht sogar für uns wahrnehmbar ist.

Eine kleine Minderheit ist allerdings der Meinung, dass jede festgehaltene Idee nicht in unserer Existenzebene realisiert wird, sondern irgendwo anders, wo sie keinen Schaden anrichten kann. Darum sind diese tapferen Forscher unermüdlich damit beschäftigt, Katastrophenszenarien zu entwerfen, um der Menschheit wenigstens die peinlichsten Weltuntergänge zu ersparen.

Nun werden erstmals einige der schlimmsten Varianten veröffentlicht, um einen Eindruck der Apokalypsen zu geben, die uns dank der Wissenschaft erspart bleiben. Nun hier, erstmals und exklusiv - Szenario 17b:

*


Am 21. Dezember 2012, während sich gerade alle Planeten unseres Sonnensystems wie an einer Perlenschnur aufreihen, tritt ein nicht identifiziertes Flugobjekt in die Erdatmosphäre ein. Aufgrund der starken weltweiten Interferenzen, die das Equilibrium verursacht, wird die stark leuchtende Kugel erst entdeckt, als sie sanft vor dem Petersdom aufsetzt.

Trotz Schweizer Garde, der Polizei der Stadt Rom und einigen Sonderkommandos gelingt es nicht, den Platz abzusperren, und so drängen sich binnen weniger Minuten Hunderttausende Menschen um das vermeintliche Wunder. Nach einer halben Stunde brechen Tausende von Gebeten und Hunderte internationaler, sich vor Begeisterung fast überschlagender Berichterstatter abrupt ab, als die Kugel plötzlich durchsichtig wird, verschwindet und eine menschliche Gestalt erscheint.

Der Besucher aus dem All ist ungefähr 1,90 m, ziemlich dünn, mit zusammengekniffenen Augen und langem, braunem Haar, das ihm in Locken über die Schultern fällt. Zunächst steht er eine Weile unschlüssig in dem ehrfürchtigen Schweigen herum, dann zieht er die linke Hand aus der Tasche seines fleckigen Bademantels, bildet mit Zeige- und Mittelfinger ein V und spricht:

„Peace, Leute. Was läuft’n so bei Euch?“

Sofort bricht ein ungeheurer Jubelsturm los, aus dem erst nach einigen Minuten verständliche Einzelheiten herausgefiltert werden können:

„Jesus!“, „Der Erlöser ist da!“, „Halleluja!“, „Gelobt sei der Herr!“ und ähnliches, bis der Besucher die Hände hebt und wieder spricht:

„Whoa, whoa, macht mal nich so n Stress, Leute. Also, zum Einen bin ich nich Jesus, sondern der Karl-Heinz. Und erlöst wird hier auch keiner.“

Darauf bricht wieder Schweigen aus, diesmal allerdings eher verwirrt als ehrfürchtig. Der einzig noch Redende ist der FOX-News-Korrespondent, der behauptet, er hätte sofort erkannt, dass der Typ ein stinkender Hippie und nicht unser Herr Christus sei.

„Ich kann sehr gut hören!“ donnert der Besucher daraufhin los, „und nur weil ich barfuß auf grünen Wiesen rumhüpfe und gern mal einen durchziehe, kackst Du mich hier gleich von der Seite an? Ich habe auch Autorität, verdammt!“

Da mischt sich auf einmal der endlich aufgetauchte Papst Benedikt ins Gespräch ein:

„Sag, hat Dich Gott, unser Herr, gesandt?“

„Gott? Nie gehört, vielleicht sitzt der in ner anderen Abteilung. Ne, mich schickt die Verwaltung, ich soll hier klar Schiff machen!“

„Aber, der Tag des Jüngsten Gerichts – Engel – Posaunen?“ brabbelt der sichtlich angeschlagene Hirte der Gläubigen.

„Was laberst Du da – oh, jetzt, ihr benutzt alle noch die alte Anweisung! Dann muss ich mich anders ausdrücken, Sekunde...“
Der Besucher zieht ein abgewetztes schwarzes Büchlein aus der Tasche des Morgenmantels, blättert eine Weile und beginnt dann vorzulesen: „Bewohner der Erde! Wärt ihr mal alle ein bisschen vernünftiger gewesen und hättet euch einmal an die Hausregeln gehalten, aber nein. Diesmal reicht es, endgültig! Darum schicken wir euch jetzt den Karl-Heinz, der öffnet das siebte Siegel, und damit ist das Mietverhältnis beendet! / Mit freundlichen Grüßen / IS Planetenverwaltung.“

*


Und so geschieht es dann: Löwe zu Lamm, die vier Reiter, der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Ende



(C) Max Beckmann





Die 12 besten aller eingereichten Wettbewerbsbeiträge (alphabetische Reihenfolge):

Beckmann, Max - Ideen gegen den Untergang/Szenario 17b
Büschgens, Andrea - Zeitenwende
Friedrich, Silvia - Faschingsdienstag 2012
Kornberger, Ruth - Yoginis
Krapf, Joël - Weltuntergang ohne mich
Messerschmidt, Nadine - Weltpremiere
Oppermann, Swantje - Piet
Peter, M. - Bekenntnis eines Irren
Politgurke - Der Weltuntergang ist teilweise vorläufig (Finanzamt Köln-Ost)
Scharley, Melanie - Einfach vergessen
Siegenthaler, Brigitte - Die Botschaft
Wieland, Kai - Flight 19










HOTSQUAT CALENDAR 2012 / August, Lord Sandwich - Foto (C) Antal Thoma


Kurzgeschichtenwettbewerb - 21. August 2012
ID 00000006154
HOTSQUAT CALENDAR 2012

HERAUSGEBERIN / EDITEUR: HotSquat Collectif / Wydenauweg 40 / 2503 BielBienne / http://www.hotsquat.ch / calendar@hotsquat.ch / PC 12-172563-8
ALLE FOTOGRAFIEN BY: by Antal Thoma / http://www.antalthoma.ch
CONCEPT ET REGIE: HotSquat Collectif et les lieux accueillants / und die Gastorte
GRAPHIK: Johan Katz / http://www.mkkm.name
EDITION: 1500 ex.
PRIX: 30.-
http://www.hotsquat.ch

Die Leute vom HOTSQUAT CALENDAR 2012 machen je 1 Exemplar ihres Kalenders den Autoren der 12 besten aller eingereichten Wettbewerbsbeiträge zum Geschenk.

KULTURA-EXTRA bedankt sich für das Sponsoring!


Weitere Infos siehe auch: http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/weltuntergang.php


Zur Auswertung des Kurzgeschichtenwettbewerbs

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