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Buchkritik

High and low – Sherlock Holmes ermittelt wieder





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Sherlock Holmes wurde 1893 von seinem Schöpfer Arthur Conan Doyle in den Tod geschickt, weil die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte den Autor und Mediziner zu viel Kraft und Zeit gekostet hätte. Die Fans trugen Trauerflor, und so ließ Doyle ihn 1901 wieder auferstehen, allerdings in einer Geschichte, die vor Sherlocks Tod spielt. Seitdem ist der Meisterdetektiv immer wieder in Film und Fernsehen präsent gewesen, namentlich in der seit 2010 laufenden BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman in den Hauptrollen. Nun lässt ihn die deutsche Krimiautorin Beate Baum in Form des Buches Mycrofts Auftrag wiederauferstehen, in der heutigen Zeit, wo dem Hochbegabten neuzeitliche Technologien zur Verfügung stehen.

Dr. John Watson ist stinksauer. Nachdem er drei Jahre lang geglaubt hatte, Sherlock Holmes sei tot, steht der nun quicklebendig vor ihm. Es verletzt ihn, dass er nicht zu den – zugegebenermaßen wenigen - Eingeweihten gehört hatte, die wussten, dass er noch lebt und dass der vorgetäuschte Tod eine Finte war. Doch Sherlock ist so auf einen neuen Fall fokussiert, dass er die Gefühlslage des Freundes gar nicht richtig mitbekommt. Sherlocks Zustand ist allerdings prekär, denn wegen seiner Schlaflosigkeit hat er über einen längeren Zeitraum zu viel Heroin konsumiert und ist gar nicht in der Lage, alleine den Fall zu lösen. So ist Dr. Watson aufgrund seiner Helfernatur gezwungen, sich um den angeschlagenen Freund zu kümmern und auch er hat Blut geleckt. Es sind offensichtlich mal wieder richtig böse Buben unterwegs, die da ihr Unwesen treiben wollen, von Terror und angereichertem Uran ist da die Rede. Doppelt gefrustet ist der arme John, weil Sherlock ihm wie immer ein paar Schritte voraus ist. Das Superhirn arbeitet trotz Entzugserscheinungen und Schlafdefizit auf Hochtouren.

Sherlocks Drogenprobleme ziehen sich durch das ganze Buch, auch wenn die Einnahme nicht immer freiwillig geschieht. Seine Gegner versuchen ihn durch gewalttätige Verabreichung von Heroin aus dem Verkehr zu ziehen. John ist da als Mediziner mehrfach im Einsatz und auch seine Frau Mary Watson hilft, wo sie kann und zeigt erstaunliches Verständnis für die vielen Abwesenheiten ihres Mannes. Sie beschwert sich nie. Erst am Schluss wird angedeutet, dass sie große Bewunderung für Sherlock hegt, der bekannt dafür ist, die schlimmsten der Verbrecher zur Strecke zu bringen. Meistens jedoch sehen wir Sherlock durch die Augen von John, der ihn zu interpretieren versteht. Er kann unterscheiden, wann Sherlock eine Rolle spielt und wann es ihm wirklich schlecht geht, kann die Achterbahnfahrt seiner Höhen und Tiefen nachvollziehen. Doch richtig glücklich ist John nicht, denn Sherlock ermittelt im Auftrag seines Bruders Mycroft, und der steht Sherlock an Überheblichkeit und Geheimniskrämerei in nichts nach.

Beate Baum, die u. a. auch Reisejournalistin ist, reichert ihren Roman mit Ortskenntnissen an und bringt den Lesern das heutige London näher. Sie muss natürlich auch auf Altbekannte/s zurückgreifen, sei es die Wohnung in der Baker Street, Inspector Lestrade von Scotland Yard und Sherlocks Wirtin Mrs. Hudson. Baum gelingt es, das gespannte Verhältnis zwischen Mycroft und Sherlock auf den Punkt zu bringen, die beide hochbegabt sind und miteinander konkurrieren. Doch manchmal raufen sie sich sogar zusammen und arbeiten miteinander. Einer der Schurken ist der Reeder Adrianós Morakis, Immobilienmakler, Geldwäscher, Waffenhändler etc. Von den Medien lässt er sich allerdings als Wohltäter feiern, denn die Öffentlichkeit ahnt nichts von der drohenden Gefahr. Baum inszeniert Mycroft als graue Eminenz mit Verbindungen zu höchsten Kreisen und großem Einfluss, von Vermögen ganz zu schweigen. Es sind nicht immer die gewählten Politiker, die im Land die Strippen ziehen. Sherlock wäre nicht Sherlock, wenn er den Fall nicht lösen würde.


Helga Fitzner - 30. Juni 2017
ID 10649
Link zum Buch: http://www.oktoberverlag.de/index.php?nav=13&id=146


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