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Die Winterzeit hat begonnen, es wird wieder früher dunkel, und das Jahr neigt sich dem Ende. Zeit, geschmackvolle Kalender für das kommende Jahr auszuwählen.

Nicht nur in vielen Museen ändert sich der Kanon, und es werden Werke weiblicher Urheberschaft gerade wiederentdeckt. Bei der diesjährigen Kunst-Biennale in Venedig zeigt Kuratorin Cecilia Alemani über 90 Prozent Kunst von Frauen, ohne dies zu einem besonderen Politikum zu machen. Neben sehenswerten Gemälden von der britisch-mexikanischen Surrealistin Leonora Carrington, an deren Kinderbuch The Milk of Dreams der Titel der Biennale anlehnt, werden noch bis 26. November viele Bilder und Skulpturen von auch weniger bekannten Künstlerinnen gezeigt. Ein Kalender für 2023, der weniger-bekannte Werke von Künstlerinnen im Hochformat abbildet, ist Künstlerinnen – Meisterwerke des 20. Jahrhunderts.

Das Januarbild zeigt ein lichtdurchflutetes Portrait, Mädchen mit Hut vor offenem Fenster, der deutschen Malerin Julie Wolfthorn (1864-1944). Die jüdischen Malerin, Zeichnerin und Grafikerin Wolfthorn war eine Berliner Zeitgenossin von Käthe Kollwitz und in vielen Künstlerzirkeln aktiv. Sie wurde im KZ Theresienstadt ermordet. Ihr Werk galt lange Zeit als verschollen.

Auch das Februar-Bild zeigt eine junge Frau in einem Innenraum. Das Ölgemälde Sonnenlicht im blauen Zimmer stammt von der dänischen Impressionistin Anne Ancher (1859-1935). Gebürtig in Skagen war die Interieurmalerin in der Künstlergemeinschaft vor Ort aktiv. Im Zentrum des in kräftigen Farben gemalten Bildes steht Sonnenschein im Innenraum der Stube vor blauer Tapete. Das hier wiedergegebene, gutbürgerlich ausgestattete Elternhaus der Künstlerin hat schmale, hohe Fenster mit großflächig herein scheinendem Sonnenlicht. Die Künstlerin hält im Bild auch ihre am Fenster sitzende und häkelnde Tochter fest. Von hinten gemalt belebt ihre kleine, schräg sitzende Tochter den durchsonnten Raum, bleibt aber Beiwerk der Momentaufnahme.

Von der deutschen Malerin Dora Hitz (1856-1924) wird Weinernte im Monat September abgedruckt. Das Spätwerk der Künstlerin, das heute in Berlin hängt, geht auf eine Italienreise zurück. Die vom Symbolismus und vom Impressionismus beeinflusste Künstlerin, auch eine Weggefährtin von Käthe Kollwitz, war Hofmalerin des rumänischen Königshauses und Mitbegründerin der Berliner Secession. Das Lanschaftsbild Ameisenhaufen von der russischen Malerin Marianne von Werefkin (1860-1938), die den deutschen Expressionismus mitprägte, schmückt den Kalendertitel und den Monat November.

Das impressionistische Ölbildnis Mohnwiese von Marie von Malachowski-Nauen stellt eine rot betupfte Mohnwiese dar, in der zwei Kinder spielen (Juni). Auch von der französischen Malerin Lucie Cousturier wird ein eindrucksvolles Landschaftsbild für den Juli beigesteuert, Baie de Canoubers - St. Tropez – Var. Die Schülerin des spätimpressionistischen Malers Paul Signac besuchte ihn oft in dessen Haus La Hune in Saint-Tropez und malte dann auch vor Ort.

Der Kalender enthält zwei Stillleben – ein Stillleben mit gelber Decke und Ingwertopf mit Blumen von Paula Modersohn-Becker (März) und ein Tulpenstillleben der kaum bekannten Künstlerin Hedwig Mathilde Huber (Mai). Es gibt aber auch abstraktere Werke wie Drei weibliche Figuren von der vom Futurismus beeinflussten ukrainisch-französischen Malerin Alexandra Exter (April), Metronom von der russischen Malerin Olga Wladimirowna Rosanowa (Oktober) und Knoten in lebendigen Farben vor chaotischem Hintergrund von der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp, einer Vertreterin der konkreten, rhythmisch-geometrischen Kunst und eine Protagonistin des Dadaismus (August).

Abgeschlossen wird der Kalender im Dezember mit einem Landschaftsbild mit Schnee von der deutschen Malerin Molly Cramer (1825-1936), Garten an der Alster im Winter. Cramer entstammte einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie und veranstaltete in der gemeinsamen Wohnung mit ihrer Schwester zu Lebzeiten einen Künstlerclub-Treffpunkt. Das Gemälde war zuletzt 2006 in der Hamburger Kunsthalle ausgestellt.

Ein insgesamt ungewöhnlich vielfältiger Kalender.

Bewertung:    



Zwei Frauen und ein Mann sitzen in sich versunken auf einem großen Stein am dunklen Meeresufer und betrachten den Mondaufgang. Während der Vollmond hervorlugt steuern zwei Segelschiffe das Ufer an. Mondaufgang am Meer (1822) des wohl berühmtesten Malers der deutschen Frühromantik, Caspar David Friedrich (1774-1840) ist ein stimmungsvolles Kalendercover. Ein dem Maler gewidmeter Kalender zeigt zwölf Landschaftsbilder aus dem künstlerischen Oeuvre von 1808 bis 1835. Friedrichs Ölgemälde sind sorgsam und detailgenau konstruiert in einem durchkomponierten Arrangement der Formen, Kontraste und Farbflächen. Dunkelheit und Zwielicht, Nebel und Wolken, einsame Kreuze und von hinten gezeigte Figuren prägen seine melancholischen Ölgemälde.

Der Maler aus Vorpommern verewigte in den dunklen Landschaftsbildern auch eigene Eindrücke von Religiosität, Vergänglichkeit, Spiritualität und Einsamkeit. Auch das Diesseits und Jenseits sind oft Themen seiner Bilder. Das Märzbild Kügelgens Grab zeigt so einen hellen Grabstein auf einen katholischen Friedhof in Dresden. Friedrich vollendete das Freundschafts-, Trost- und Erinnerungsbild 1822 für die Witwe des verstorbenen Malers Gerhard von Kügelgen (1772–1820). Das Friedhofstorgatter gibt den Blick auf eine ferne Landschaft frei.

Im Augustbild Der Watzmann (1825) sieht der Betrachter vom leicht erhöhten Sandort eine morgendliche Alpenszene. In den Tälern und auf den Bergspitzen liegt Morgennebel. Ein Gipfelkreuz überragt die Horizontlinie. Das Oktoberbild Baum mit Raben (1822) zeigt eine fast kahle, leicht verdrehte Eiche vor einem Abendhimmel. Zwei Krähen sitzen auf dem Baum, während ein Schwarm auf sie zufliegt. In der Ferne sieht man das Meer und Kap Arkona mit den Kreidefelsen. Der Novemberabdruck zeigt Felsenriff am Meeresstrand (1827). Der von Wolken verdeckte Mond beleuchtet das im Bildzentrum befindliche ungewöhnliche Felsenriff vage, sanft und fahl. Das Dezemberbild Morgennebel im Gebirge (um 1808) zeigt ein in Nebelschwaden liegendes Bergmassiv mit lichtem Gipfel.

Unterhalb der Bildabdrucke werden in großformatiger kursiver Schrift jeweils stimmungsvolle vierzeilige Verse bekannter Dichter der Romantik wiedergegeben: dreimal von Joseph von Eichendorff, zweimal von Clemens Brentano, zwei Verse stammen von Ludwig Uhland und jeweils ein Vers von Ludwig Tieck, Heinrich Heine, Novalis, Eduard Möricke, Friedrich Schlegel und August Wilhelm Schlegel; größtenteils Zeitgenossen von Caspar David Friedrich. Hier hätte der Betrachter sich auch Verse von Bettine von Arnim, Karoline von Günderrode oder Annette von Droste-Hülshoff gewünscht.

Bewertung:    



Auf Sinnsprüche verzichtet glücklicherweise der solide Abreißkalender Deutschland 2023 – Sehnsuchtskalender mit 53 Postkarten zum Heraustrennen. Die klimaneutral gedruckten, qualitativ hochwertigen Fotos zeigen bekannte oder weniger bekannte Landschaften und Gebäude hierzulande; ob nun den Strand bei Cuxhaven, das Georgentor in Dresden, Weinberge bei Trier, die Bodenseeinsel Mainau oder die Wallfahrtskirche Maria Gern mit frontalem Blick auf das Watzmann-Massiv im Berchtesgadener Land. Die vielfältigen Fotomotive von der Bildagentur Mauritius Images machen Lust auf mögliche Touren und Reisen in heimischen Gefilden.

Der Wochenpostkartentischkalender mit geblockter Bindung steht auch mit nur noch wenig Karten solide auf dem Tisch und hat eine gute Neigung. In Deutschland 2023 – Sehnsuchtskalender werden Feiertage markiert. Die Karten lassen sich gut herauslösen, wenn die Woche vergangen ist. Die Dicke der Karten eignet sich auch gut für den anschließenden Postversand, hat man doch in der Woche genügend Zeit, eine Idee zu bekommen, an wen man das aktuelle Kartenmotiv schicken möchte. Der Wochenplaner zum Abreißen ist mit der abwechslungsreichen Auswahl an Fotografien aber nicht nur etwas für Postkartenliebhaber.

Bewertung:    


Ansgar Skoda - 9. November 2022
ID 13902


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