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Maske der Malintzin (Malinche), Künstlerin: Karla Ramírez, Guadalajara, Mexiko | Foto: Helga Fitzner

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Im Herbst 2019 steht im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum Lateinamerika im Mittelpunkt. Am 1. November wurde der Mexiko-Tag gefeiert mit Musik, Tanz, Vorträgen, Filmvorführungen und etlichen Ständen mit mexikanischen Produkten von Salsa verde bis zum buntbemalten Totenkopf. Parallel dazu wurde eine Intervention in der Dauerausstellung 500 Jahre Eroberung Lateinamerikas – Kolonialismus und Überlebensstrategien eröffnet, die bis zum 5. Januar 2020 im Bereich "Tod und Jenseits" zu sehen sein wird.

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Die Interventionen dienen bewusst dazu, auch Menschen in die Dauerausstellung zu lotsen, die diese schon kennen, und da die so reichhaltig ist, gibt es auch immer neue Aspekte zu entdecken. Es sind auch noch immer die Exponate der zurückliegenden Ausstellung geschenkt! die Gabe der Diplomatie zu sehen, und nun kommt als zusätzliche Bereicherung eine Vitrine dazu, die einen Totenaltar enthält.



Die Exponate im Altar belegen den ausgeprägten Totenkult in Mexiko | Foto: Helga Fitzner


Dort hängt links eine Maske von Malintzin/ Malinche (geboren um 1505, verstorben um 1529), einer sehr umstrittenen Frau in Mexiko. Aufgrund ihrer bewegten Lebensgeschichte, sie wurde von ihrer Familie als Sklavin verkauft, sprach sie sowohl die Sprache der Maya als auch Nahuatl, die der Azteken. Als Übersetzerin war sie für den Konquistador Hernán Cortés von unschätzbarem Wert und ohne ihre Dienste wäre die Unterwerfung des aztekischen Reiches sehr viel schwieriger verlaufen. Für viele ist Malintzin deshalb eine Verräterin, aber sie war auch die Geliebte von Cortés und die Mutter von Mestizen, also Mischlingen zwischen Europäern und Indigenen. Für die gilt sie oft als Urmutter der Mestizen, obwohl das historisch nicht korrekt ist.

Guamán Poma de Ayala, einer der bekanntesten indigenen Chronisten der vorspanischen und frühen Kolonialzeit arbeitete als Übersetzer für spanische Amtspersonen in Peru. Seine Chronik Primer Nueva Corónica y Buen Gobiern gehört heute noch zu wichtigen Quellen aus der Zeit. Auch er arrangierte sich mit den Besatzern.

Anders die Quilombolas in Brasilien, schwarze Sklaven, denen die Flucht gelungen war und die eigene Siedlungen bildeten. Allerdings wurden diese schon im 17. Jahrhundert wieder aufgelöst. Dies alles waren Überlebensstrategien in einer unberechenbaren Situation.

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In einem Vortrag während des Mexiko-Tages (Die Eroberung Mexikos: Ursachen und Folgen) erläuterte Antje Gunsenheimer von der Universität Bonn, dass die Okkupation Mexikos ohne die Hilfe der Einheimischen anders verlaufen wäre. Es wären Tausende von indigenen Soldaten an der Eroberung beteiligt gewesen, andere unterstützten sie mit Verpflegung, Know-How und Logistik. Gunsenheimer erklärte, dass hier zwei unterschiedliche Machtkonzepte zum Tragen kamen. Auch bei den Azteken und ihren zeitgenössischen Völkern gab es Eroberungen, aber bei denen ging es nicht um Vernichtung. Wenn die Unterwerfung erreicht war, verbündete man sich auch wieder. Die europäische Eroberung basierte auf physischer Zerstörung, Verdrängung in zurückliegende Regionen, erzwungenen Wandel, wie den der Sprache, der Religion und die Annahme eines neues Weltsystems. Gunsenheimer betonte, dass sich viele indigene Fürsten durch Kooperation den Erhalt eine Ko-Herrschaft erhofften, was teilweise auch durch Heiratspolitik zwischen Konquistadoren und Indigenen geschah. Die Frage, ob die Eroberung der beiden Amerikas zu verhindern gewesen wäre, ist eindeutig mit nein zu beantworten. Gunsenheimer erklärte, dass in Mittel- und Südamerika rund ein Drittel der indigenen Bevölkerung ausgelöscht wurde, weil die Katholiken sich auch die Missionierung auf die Fahnen geschrieben hatten, in Nordamerika wurden 70 bis 80 Prozent der indianischen Bevölkerung vernichtet. So ist das Verhalten von Malintzins und de Ayala am Ende vielleicht eher weise als feige gewesen, auch wenn es einen bitteren Beigeschmack hat.

Helga Fitzner - 5. Novembert 2019
ID 11790
Die Intervention ist eine Adaption der Ausstellung 1519-2019: Cultural Colonialism and Survival Strategies. Sie war im Sommer 2019 in der Universität Bonn zu sehen, wo sie von einem internationalen Team Studierender der Abteilung für Altamerikanistik kuratiert wurde.

Am 24. November gibt es einen Lateinamerika-Tag mit Führungen zur Vitrine, Malwerkstätten, Tanz, Gesang, Kinderaktionen und vieles mehr. Da werden die Länder Brasilien, Costa Rica, Kuba und Peru ebenfalls im Blickpunkt stehen.

Derzeit sind noch die Intervention Delta Welten: Leben im unsteten Wandel und die kleine Ausstellung Heilige und Asketen – Miniaturmalerei der Jaina aus Indien zu sehen.


Weitere Infos siehe auch: https://www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum/Sonderausstellungen


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