Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 4

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Kulturspaziergang

MuSeenLandschaft

Expressionismus

Exkursion zu einer Ausstellungsreihe
in Oberbayern (1)


Abbildung: Erich Heckel, Der schlafende Pechstein (Detail), 1910, Buchheim Museum, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen | © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Bildquelle: museenlandschaft-expressionismus.de


Das BUCHHEIM MUSEUM in Bernried liegt wie ein moderner Urlaubs-Dampfer am Ufer des Starnberger Sees. Es beherbergt seit 2001 die Expressionisten-Sammlung und vieles mehr aus dem Nachlass des Weltenbummlers und Schriftstellers Lothar Günter Buchheim sowie seit 2017 auch die bedeutende Kunstsammlung des 90jährigen Unternehmers Hermann Gerlinger, die schon als Leihgabe im Schloss Gottorf und in der Moritzburg Halle zu Gast war. "Museum der Phantasie" wird es auch genannt. Es ist nicht nur ein Hort der expressionistischen Malerei und der regionalen Moderne, sondern auch ein Stück weit Kuriositätenkabinett aus aller Welt in mehreren terrassenförmig angelegten Stockwerken.

Unweit am Kloster Bernried legen die Dampfer der Seerundfahrt an und schicken dem Museum einen Großteil seiner BesucherInnen. In diesem Jahr ist das Haus mit seinen umfangreichen Schätzen des Expressionismus Bestandteil einer übergreifenden Ausstellungsreihe mit dem Titel AVANTGARDE IN FARBE. Das Lenbachhaus in München, Heimstatt der größten Sammlung von Werken der Künstlergruppe Der blaue Reiter hat sich mit vier regionalen Häusern der Oberbayerischen „MuSeenLandschaft Expressionismus“ zusammengetan und einen expressionistischen Farbrausch entfacht. Beteiligt sind neben dem Buchheim Museum das Franz Marc Museum in Kochel, das Schloßmuseum in Murnau, Wohnort der Malerin Gabriele Münter, und das Museum Penzberg mit seiner Sammlung von Werken des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk.



Das Buchheim Museum in Bernried | Foto (C) Stefan Bock


Um Farbe geht es dann auch explizit im BUCHHEIM MUSEUM, das sich als Startpunkt für eine Kunst-Rundreise empfiehlt. Die Farben der Avantgarde werden hier buchstäblich aufgefächert. Die Palette reicht von Gelb über Orange, Rot, Blau, Violett und Grün zu Braun und Grautönen. In kurzen Einführungstexten erfahren die BesucherInnen einiges zur Geschichte der jeweiligen Farbe an sich, ihrer Zuordnung zu psychologischen und charakterlichen Eigenschaften sowie der Bedeutung der Farben in der Kunstgeschichte. Aber auch zur Verwendung in den Gemälden der Expressionisten ist einiges zu erfahren. Dazu hat das BUCHHEIM MUSEUM seine Bestände neu, ganz nach Farbe sortiert.

So begeisterte sich der Brücke-Künstler Erich Heckel für ein brennendes Rot, wie man es in dem Portrait des schlafenden Malerkollegen Max Pechstein [s. Plakatmotiv o.re.] bewundern kann. Violett ist der Grundton in den Werken Ernst Ludwig Kirchners, und Alexej Jawlensky ist mit viel Blau in seinen abstrakten mystischen Gesichtsikonen zu erleben. Gelb leuchtet es in Max Pechsteins Boot bei aufgehender Sonne und grün in Otto Müllers Gemälde Zwei Mädchen im Schilf. Aber auch die Farben in den Werken von Max Beckmann, Max Kaus‘ und Paula Modersohn-Becker werden analysiert. Als Dialogpartner der Gegenwart und Vertreter des Neoexpressionismus fungiert dazwischen der oberbayrische Maler Bernd Zimmer mit seinen großformatigen farbigen Landschaftsgemälden.

*


Lenbachhaus München | (C) Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München


Im Münchner LENBACHHAUS, dem Hauptdomizil der Werke des Blauen Reiter, geht es um die Gruppendynamik innerhalb der Künstlergruppe. Über die Bedeutung der Sammlung ist kaum noch etwas Neues zu sagen. Ein Besuch im Haus am Königsplatz, das neben dem Wohnhaus des Münchner Malerfürsten Franz Lenbach auch über einen 2013 eröffneten Erweiterungsbau verfügt, lohnt sich immer. Nun hat das LENBACHHAUS den umfangreichen Werkbestand durchforstet und in all seinen Facetten, wie es heißt, neu aufgestellt. Die Malerei steht hier neben der Musik und den durch die bayrische Volkskunst inspirierten Hinterglasbildern. Ebenso bedeutend war der Einfluss anderer Kulturen und die Reflexion des gesellschaftspolitischen Umfelds zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Blaue Reiter im Spiegel der Zeit. Der alles umfassende Gedanke der Avantgarde war eine Gleichwertigkeit aller Kunst. „Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit“, formulierten 1912 Wassily Kandinsky und Franz Marc in ihrem namengebenden Almanach Der Blaue Reiter. Eine immer noch hehre Idee und Kunstauffassung.

Die Ausstellung zeigt nicht nur Werke der bekannteren VertreterInnen der Gruppe wie Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke und Gabriele Münter, sondern auch von Robert Delaunay, Elisabeth Epstein, Albert Bloch, David und Wladimir Burljuk sowie dem Musiker Arnold Schönberg.



Franz Marc, Rotes und blaues Pferd, 1912, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957, Schenkung von Gabriele Münter, ehemals Besitz von Gabriele Münter und Wassily Kandins


Wie schon der Titel es besagt, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Zusammenarbeit der KünstlerInnen des Blauen Reiter, insbesondere den Arbeitsreisen ins oberbayrische Voralpenland und mit den Aufenthalten in Murnau und Sindelsdorf sowie mit den Gruppenausstellungen in der Münchner Galerie Thannhauser. Aber auch die Auswirkungen des europäischen Kolonialismus auf die Kunst des Blauer Reiter werden thematisiert. Wie die Künstler der Brücke ließ man sich von den fremden Kulturen der damaligen Kolonien inspirieren, ohne sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Die sehr umfangreiche Schau zeigt hierzu weit mehr als die übliche Sammlungspräsentation. Besonders faszinieren das expressive Farbspiel und die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten in Form, Stil und Sujet der expressionistischen Werke, die einen wie in Bernried ganz neu in ihren Bann ziehen.


Stefan Bock - 10. September 2021
ID 13135
Das BUCHHEIM MUSEUM in Bernried erreicht man mit der Werdenfelsbahn vom Münchner Hauptbahnhof nach Kochel am See über München-Pasing, Tutzing, Bernried.

Es gibt Ticketangebote der Deutschen Bahn wie das Werdenfelsticket oder das Bayernticket.

Mit dem Auto ist das Museum in Bernried über die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen mit Abzweig den der Ausfahrt Dreieck Starnberg zu erreichen.


Weitere Infos siehe auch: https://www.museenlandschaft-expressionismus.de/avantgarde-in-farbe/


Post an Stefan Bock

Ausstellungen

AVANTGARDE IN FARBE (2)

Kulturspaziergänge



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:




KUNST Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUSSTELLUNGEN

BIENNALEN | KUNSTMESSEN

INTERVIEWS

KULTURSPAZIERGANG

MUSEEN IM CHECK

PORTRÄTS

WERKBETRACHTUNGEN
von Christa Blenk



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2021 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de