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Kurzmeldungen

Stand-up Comedy

Wenn Jazz und Film amerikanische Künste sind, dann gilt das zumindest ebenso sehr für die Stand-up Comedy. Ein Mann, eine Frau steht vor dem Mikrophon und erzählt – das wär's, nichts weiter. Während die Conférence in der Tradition des deutschsprachigen Kabaretts und Varietés lediglich überleitet von der einen Nummer zur anderen, ist Stand-up die Nummer selbst. Und wenn sich Franz Hohler, zum Beispiel, als Theaterdonnerer vorstellt, so wissen wir jeden Moment, dass das eine Rolle ist, wundern uns nicht, wenn er in der nächsten Nummer plötzlich wer ganz anderer ist. Wenn der Alleinunterhalter des Stand-up „ich“ sagt, dann geht er ganz in seiner Rolle auf, hält sie von Anfang bis Ende, meist über Auf­tritte und Jahre hinweg, bei. Der Zuhörer kann nicht mehr unterscheiden, wo er tatsächlich Erlebtes berichtet und wo er sich etwas ausgedacht hat. Der Stand-up-Komiker identifiziert sich (scheinbar) so sehr mit seiner Rolle, dass er zum Typus wird, den man sich im realen Leben nicht anders denken mag als auf der Bühne.

Woody Allen war, ehe er als Filmemacher zu Weltruhm gelangte, ein begnadeter Stand-up-Comedian. Er konnte auf Anregungen von Jack Benny oder George Burns zurückgreifen. Lily Tomlin ist eine der weniger Frauen im Metier. Und es gibt Aufnahmen von einigen Stand-up-Höhepunkten aus in den Jahren 1959-71 gesendeten Folgen der Ed Sullivan Show, jener legendären Sonntagsserie, die schwächere Gastgeber in den USA und nur noch peinliche Zombies in deutschen Fernsehanstalten immer wieder hilflos kopieren. Fünf Minuten dieser Aufzeichnungen enthalten mehr gescheite Pointen, als ein Harald Schmidt in all seinen Sendungen zusammengenommen zustande gebracht hat. Neben Stand-up-Soli gibt es auch ein paar Sketche, von denen ich einen – von Stiller & Meara: Hershey Horowitz Meets Mary Elizabeth Doyle – hervorheben möchte. Ein Paar, das sich über eine Computer-Vermittlung kennengelernt hat, stellt fest, dass es in der selben New Yorker Straße wohnt, aber sich nicht verständigen kann, weil die beiden völlig unter­schiedliche Erfahrungen haben: sie ist Christin, er Jude. Der Dialog ist von fulminantem Witz und zeigt, übertreibend, doch eine drastische Tatsache, dass nämlich der viel gepriesene „mel­ ting pot“ in Wahrheit ein Konglomerat von Ghettos ist. Die Szene wurde vor Jahrzehnten aufgenommen und wirkt kein bisschen veraltet.

Bei Ed Sullivan begnügte man sich noch nicht mit hysterisch gestikulierenden Kleiderständern und blöd grinsenden, feixenden Gesichtern, aus denen kein hörenswertes Wort dringt. Zu den Stammgästen der Ed Sullivan Show gehörten die Schauspieler und Sänger des Broadway, die Stars der aktuellen Musicals, die mehr zu bieten hatten als allenfalls Auskünfte über ihre jüngsten Liebschaften oder ihre Morgengymnastik. Warum nimmt sich unser Fernsehen nicht daran ein Beispiel? Es gab und gibt ja auch in Europa einige wenige Stand-up-Komiker, die sich an den amerikanischen Stars messen können: Lukas Resetarits, und Josef Hader in Österreich, Arkadij Rajkin in Russland. Ein deutscher Komiker dieses Formats fällt mir nicht ein. Na ja, Gerhard Polt vielleicht, Georg Schramm, Bruno Jonas und Sigi Zimmerschied.


Thomas Rothschild - 19. August 2019
ID: 2635

 



 

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