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Luther



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In Deutschland herrscht wie auf so vielen Gebieten auch auf dem der Kirchengeschichte ein verzerrtes Bild. Jeder Volksschüler meint zu wissen, dass es nur einen Reformer gab, der gegen die katholische Kirche und das Papsttum aufbegehrte. Sein Name ist Luther. Was weiß man hierzulande schon von Zwingli (oder Calvin, oder Jan Hus)? Zwingli hat der Schweizer Regisseur Stefan Haupt nun einen biographischen Film gewidmet.

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Zwingli – Der Reformator ist ein konventioneller Kostümfilm, der von der Liebe zu den Details und der sorgfältigen, an Gemälden orientierten Licht- und Bildgestaltung des Kameramanns Michael Hammon lebt. Hinzu kommt die Suggestivität von Max Simonischek in der Titelrolle und Sarah Sophia Meyer in ihrer zweiten Spielfilmrolle als Anna Reinhart. Großartig auch Anatole Taubman als Zwinglis Freund und Weggefährte Leo Jud, der zusammen mit Zwingli die Bibel übersetzt hat. Als Schwäche erweist sich die Thesenhaftigkeit des Drehbuchs, die Mechanik, mit der es seine Botschaft auf dem direktest möglichen Weg an den Zuschauer befördert. Das hat etwas von Schulfunk und reduziert komplexere Überlegungen auf das Erwartbare. Eine weitere Schwäche besteht darin, dass es dem Regisseur nicht gelingt, ein Gefühl für den Verlauf von Zeit zu entwickeln, für die Tatsache, dass die Handlung innerhalb von immerhin zwölf Jahren spielt.

Dass Zwingli die Fastenregeln missachtet, von denen in der Bibel nirgends die Rede ist, dass er heiratet und ein Kind zeugt, dass er ein Kloster – mit Einwilligung der Äbtissin (Rachel Braunschweig) – auflöst und zu einer Armenversorgung umwandelt, dürfte für manche Katholiken auch heute noch ein Skandalon sein. Die Prophezeiung, dass die (katholische) Kirche noch in 500 Jahren das Zölibat nicht aufheben werde, hat sich bewahrheitet. Freilich: auch Zwingli argumentiert mit der Bibel. Der Streit betrifft nur deren Interpretation. Eine Säkuarisierung steht nicht zur Diskussion. Nichts berechtigt dazu, Muslimen die Abkehr vom Koran zu empfehlen (den Zwingli und Jud übrigens auch übersetzen wollen).

Stefan Haupt und seine Drehbuchautorin lassen keinen Zweifel daran, dass ihre Sympathie Zwingli gehört und dass sie seinen Religionskrieg als Kampf für die Freiheit begreifen. Aber sie unterschlagen auch nicht die Kosten. Zwingli muss untätig zusehen, wie seine kompromisslosen Anhänger ertränkt und verbrannt werden, und verliert schließlich in der Schlacht gegen die „Altgläubigen“ seinen Sohn.

Offenbar ist Zwingli, jedenfalls für die Filmindustrie, immer noch eine persona non grata. Im Vorfeld der Produktion hat sich ein „Freundeskreis“ gegründet, der um „Gönnerbeiträge“ für deren Realisierung bettelte. Der Film wurde auf Schweizerdeutsch gedreht und für Deutschland synchronisiert. Er läuft, nachdem er mit Erfolg auf den Festivals von Solothurn, München und Montreal gezeigt wurde, ab morgen (31. Oktober, Reformationstag) in den deutschen Kinos.



Max Simonischek als Zwingli | (C) W-Film

Thomas Rothschild - 30. Oktober 2019
ID 11770
Weitere Infos siehe auch: https://www.wfilm.de/zwingli/


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