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Hollywood

Es gibt Menschen,

die sind zu stark,

um sich zu beugen



Bewertung:    



Mit Little Women hat die Regisseurin Greta Gerwig das 150 Jahre alte Historiendrama aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs von Louisa May Alcott verfilmt und ein sehr eigenes Werk daraus gemacht. Die ursprünglich chronologisch geschriebene Handlung erzählt sie auf zwei Zeitebenen in Form von Rückblenden und hat eine Rahmenhandlung inszeniert, die gleich den Ton des Films setzt. Die junge Jo March (ein Alter Ego der Autorin Alcott) hat Ambitionen und will Schriftstellerin werden. Als sie ihre erste Geschichte verkauft, erhält sie weniger Geld, weil sie nur eine Frau ist und bekommt Bedingungen auferlegt. Da die Hauptperson ihrer Geschichte eine Frau ist, muss sie am Ende verheiratet oder tot sein. Der Familienvater ist in der Armee und meistens abwesend, sodass Jo (Saoirse Ronan), ihre Mutter (Laura Dern) und ihre drei Schwestern in einem männerlosen Haushalt aufwachsen. Dadurch können sie ihre Talente gut entwickeln wie das Nesthäkchen Amy (Florence Pugh), die Malerin werden will und Beth (Eliza Scanlen), die eine begabte Pianistin ist. Meg (Emma Watson) träumt von der Schauspielerei, ist aber am Ende die Fügsamste und eifert der Mutter nach, die sich für die Familie aufopfert und trotz finanzieller Einschränkungen karikativ tätig ist.

Jo ist burschikos und lehnt den Heiratsantrag des reichen Nachbarjungen Laurie (Timothée Chalamet) ab, da sie von einem selbstbestimmten Leben träumt. Ihre reiche Tante (Meryl Streep) ist sehr unzufrieden mit ihr, denn ihre Nichten sollen gute Versorgungsehen eingehen. Meg hat einen Hauslehrer geheiratet, der nicht viel Geld verdient, und die beiden haben schon Kinder, Beth kränkelt sehr und ist bedrohlich krank, und so ruhen die Hoffnungen der Tante auf Amy, die Familie mit einer guten Partie aus der Finanzmisere zu führen. Es gibt einen schönen Dialog zwischen Amy und Laurie, in dem sie ihm erläutert, dass sie mit einer Eheschließung jegliche Rechte verlöre. Sie würde der Besitz ihres Mannes und hätte nicht einmal das Recht auf ihre eigenen Kinder. Amy und ihre Schwestern sind der Überzeugung, dass Frauen gleichwertige und vollständige Menschen sind und mit allen Gaben ausgestattet sind wie Männer.

*

Gerwig hat viele Dialoge aus der Vorlage wörtlich übernommen, die sich zeitlos mit Grundfragen der Frauenrechte beschäftigen. Die jungen Frauen spielen so frisch und setzen so tolle Akzente, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Gerwigs Blick auf die vier Schwestern ist von warmherziger und mütterlicher Zärtlichkeit, und trotz einiger Schicksalsschläge behalten sie ihre Lebensfreude und bewähren sich.

Der Roman ist mehrfach verfilmt und für die jeweilige Generation erfahrbar gemacht worden, Alcott wird gelegentlich als amerikanische Jane Austen bezeichnet und schrieb Mädchen- und Frauengeschichten als Pendant zu Abenteuerromanen für Jungs. Die Kostüme, die Drehorte und die Kameraführung in der Neuverfilmung sind hervorragend, und Gerwig hat sich eine sehr wunderbare Freiheit genommen. Alcott musste Jo am Ende heiraten lassen, aber der Weg, den Gerwig gefunden hat, um das zu vermeiden, ist klasse. Sie geht nicht in Opposition zu Männern und ist von der männerfeindlichen Variante des Feminismus weit entfernt. Und das ist es, was Gerwigs Ende so wunderbar macht, wo sich die jungen Frauen und die jungen Männer entfalten können.

Gerwig hat den alten Stoff neu erzählt, und der Film hat sechs Oscar-Nominierungen erhalten, nur nicht den für die beste Regie. Schließlich ist Gerwig nur eine Frau, und nicht nur Hollywood wird von weißen alten Männern dominiert.



Die vier Schwestern Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh), Jo (Saoirse Ronan) und Beth (Eliza Scanlen) | © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wilson Webb

Helga Fitzner - 30. Januar 2020 (2)
ID 11967
Weitere Infos siehe auch: https://www.sonypictures.de/#littlewomen


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